Ex-Profis bringen sich ein : Henry, Olic und Taffarel: Frühere Stars als WM-Nebenmänner

Verdingt sich als belgischer Co-Trainer: der frühere französische Stürmerstar Thierry Henry (M.). /BELGA
Verdingt sich als belgischer Co-Trainer: der frühere französische Stürmerstar Thierry Henry (M.). /BELGA

Einst Hauptdarsteller, jetzt in einer Nebenrolle: Bei der WM in Russland sind viele Ex-Stars als Co-Trainer dabei. Vom Weltmeister zum Weltmeister-Macher? Da verzichtet man doch glatt auf seine Gage.

shz.de von
25. Juni 2018, 11:25 Uhr

 Mit seinem Job bei der Fußball-WM in Russland verdient Thierry Henry kein Geld. Die 50.000 Euro Jahresgehalt spendet der ehemalige Weltklasse-Torjäger und Multi-Millionär an wohltätige  Organisationen, seine Aufgabe als Co-Trainer Belgiens sieht Henry ganz anders an.

«Ich glaube, dass dieses Team Geschichte schreiben kann», sagt der 40 Jahre alte Franzose. Henry begleitet Romelu Lukaku und dessen Kollegen, er profitiert von dieser Chance als Novize im Trainergeschäft so sehr wie die Sturmjuwelen der Belgier von der riesigen Erfahrung des früheren Arsenal-Stars. Und Henry ist damit bei dieser WM bei weitem nicht alleine.

Mit Miroslav Klose, Ivica Olic, Claudio Taffarel und Mark van Bommel sind mehrere frühere Top-Fußballer als Co-Trainer dabei. Der Trend geht zum prominenten Assistenten. «Er hat die Erfahrung eines Weltmeistertitels. Das ist unbezahlbar für uns, die mentale Barrieren überwinden müssen, um dorthin zu kommen», sagte Belgiens Chefcoach Roberto Martínez über seinen prominenten Mitstreiter aus Frankreich.

Das Zusammenspiel klappt auch deshalb, weil sich der Weltmeister von 1998 und Europameister von 2000 nicht ins Rampenlicht drängt. In der Öffentlichkeit geht es nur um Chefcoach Martínez, Henry steht ihm auf dem Trainingsplatz bei und meidet sonst gemessen an seiner Popularität eher öffentlichkeitswirksame Auftritte. Für den Spanier Martínez steht fest: «Er ist für uns eine psychologische Waffe, auf die wir so oft als möglich zurückgreifen werden.» Das Engagement scheint eine klassische Win-Win-Situation: Henry soll dem Team Siegermentalität einimpfen und empfiehlt sich damit selbst für höhere Aufgaben.

Wie das geht, hat der ehemalige Bayern-Profi Mark van Bommel erst vergangene Woche vorgemacht. Als Assistent seines Schwiegervaters Bert van Maarwijk arbeitet der Niederländer für das Nationalteam Australiens, nach der WM übernimmt er dann beim PSV Eindhoven - als Chefcoach. «Ich müsste dich jetzt eigentlich auf der Stelle entlassen», scherzte Australiens Verbandspräsident Steven Lowy.  Profis und Funktionäre gönnen van Bommel den Schritt, sie schätzen ihn. «Er hat auf dem höchsten Level gespielt, ich lerne viel von ihm», sagte Mittelfeldmann Aaron Mooy.

Im Gegensatz zu Henry und van Bommel unterstützt Brasiliens früherer  Torwart Claudio Taffarel nach der Karriere die eigene Nation. Der 52-Jährige ist Torwarttrainer der Seleção und würde nach einem eigenen WM-Titel 1994 gerne noch einen als Assistent 2018 hinzufügen. Der WM-Sieg dürfte für Kroatiens Ivica Olic schwieriger werden. Der frühere Profi unter anderem beim Hamburger SV assistiert Zlatko Dalic. «Er hat als Spieler fast alles erlebt und sein Kämpfergeist, sein Optimismus und seine positive Art sind für uns sehr nützlich», sagte Dalic über Olic.

Die Methode Ex-Star als Co-Trainer oder Spezialcoach ist auch in Deutschland längst in Mode. WM-Rekordtorjäger Miroslav Klose kümmert sich um die Stürmer, der ehemalige Nationalkeeper Andreas Köpke schon seit Jahren um die Torhüter. Da haben auch andere Nationen genau hingeschaut: Der Argentinier Esteban Cambiasso, der im WM-Viertelfinale 2006 am DFB-Team und Torschütze Klose scheiterte, ist nun Assistent bei Kolumbien.

Die Spezialfunktion, die Spaniens Carlos Marchena unter Trainer  Fernando Hierro ausführt, musste der Ex-Weltmeister erstmal selbst erklären. «Ich soll die Verbindung zwischen Spielern, Trainer und Funktionären sein», sagte Marchena. Vom Sportdirektor zum Coach, vom Generalsekretär im Verein zum Sportdirektor des Nationalteams, vom Weltklasse-Spieler zum Assistent: Bei dieser WM ist offenbar kein Wechsel mehr ausgeschlossen.

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