WM-Kolumne: Erkenntnisse vom Wochenende : Hatte Schweden keine Lust aufs Halbfinale?

Während Englands Harry Maguire seinen Treffer feierte, herrschte bei den Schweden Ratlosigkeit.
Während Englands Harry Maguire seinen Treffer feierte, herrschte bei den Schweden Ratlosigkeit.

Während es Kroatien und Russland bei der Fußball-WM wieder spannend machten, profitierte Frankreich vom Ball.

shz.de von
09. Juli 2018, 07:14 Uhr

Moskau | Die Weltmeisterschaft in Russland ist bereits im Halbfinale zu einer Europameisterschaft geworden. Keine afrikanische, asiatische, ozeanische oder amerikanische Nationalmannschaft spielt noch im Turnier mit. Frankreich, Belgien, Kroatien und England machen den WM-Titel unter sich aus. Der Weg unter die Top-Vier war für jedes Team ein anderer. Das Viertelfinale brachte wieder einige Erkenntnisse zu Tage.

Erkenntnis: Torhüter hassen diesen Ball

Er flattert, schlägt merkwürdig anmutende Kurven in der Luft und bringt jeden Keeper des Turniers ins Schwitzen – der Ball. Bereits vor den K.o.-Runden wurde gemutmaßt, dass die Torhüter den WM-Ball nicht wirklich schätzen würden.

Jüngst erwischte es den Torwart Uruguays Fernando Muslera. Der Franzose Antoine Griezmann versuchte es aus gut und gerne 20 Metern. Der Ball flog direkt in Richtung Muslera, in der Echtzeit sah sein Patzer verheerend aus. In der Zeitlupe erkannte man jedoch: Das Spielgerät flatterte gewaltig. Natürlich muss man Muslera die Hauptschuld an den Gegentreffer, der das 0:2 besiegelte, geben. Allerdings sollte immer im Hinterkopf bleiben: Torwartfehler haben immer einen besonders hohen Schaden zur Folge. Ein wenig Mitleid ist erlaubt.

Erkenntnis: Schweden legt den Schongang ein

Ja, dass Schweden im WM-Viertelfinale stand, verwunderte den neutralen Fußballexperten dann doch. Und am wenigsten hatten offensichtlich die Skandinavier damit gerechnet. Beim 0:2 gegen England war kaum etwas von den Schweden zu sehen. Der Glaube, den ganz großen Wurf zu landen, war offensichtlich verpufft. Zu keinem Zeitpunkt hatte man den Eindruck, dass die Briten nicht ins Halbfinale vorrücken würden. Diese Partie war mit Abstand die langweiligste Ansetzung des Viertelfinales.

Bitte nicht falsch verstehen: Dass Schweden so weit gekommen ist, war angesichts der bis dahin gezeigten Leistungen völlig verdient. Die sympathischen Skandinavier haben sich in die Herzen der Fußballfans gespielt. Allerdings hätte man sich dann auch entsprechend etwas mehr Gegenwehr gewünscht.

Erkenntnis: Kroatien und Russland kosten Nerven

Was für ein Spiel: Russland stand nur wenige Augenblicke von einer weiteren Sensation entfernt. Erst im Elfmeterschießen musste sich der Gastgeber den Kroaten geschlagen geben (4:5). Beide Mannschaften hatten sich bereits im Achtelfinale erst im Elfmeterschießen durchgesetzt.

Sowohl Kroatien als auch Russland boten ihren Fans – sowohl im Stadion als auch auf Fanfesten in der Heimat – Spektakel pur. Die kroatischen Anhänger hatten mehr Grund zum Jubeln. Allerdings kann man jede Wette eingehen, dass sie sich im Halbfinale gegen England einen Sieg über 90 Minuten wünschen. Zweimal hintereinander Dramatik? Das kostet Nerven.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen