Bericht aus deutschem WM-Lager : Gerhard Delling und die sonnigen Aussichten

Die Computergrafik zeigt das Ferien-Ressort „Campo Bahia“: Das 14.740 qm große Areal liegt an der Küste des Bundesstaats Bahia im Dorf Santo André. Gerhard Delling berichtet aus dem deutschen WM-Lager.
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Die Computergrafik zeigt das Ferien-Ressort „Campo Bahia“: Das 14.740 qm große Areal liegt an der Küste des Bundesstaats Bahia im Dorf Santo André. Gerhard Delling berichtet aus dem deutschen WM-Lager.

Gerhard Delling berichtet exklusiv aus dem deutschen WM-Lager. Der Journalist erlebt die Nationalspieler zuversichtlich und gut gelaunt. Einer zeigt sich besonders erleichtert.

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13. Juni 2014, 17:03 Uhr

Schönes Arbeiten in Brasilien rund um das Quartier der deutschen Nationalmannschaft. Sonne satt, den ganzen, wenn auch kurzen Tag – um 17.30 Uhr ist es bereits dunkel. Es gibt schlechtere „Büros“. Das hebt die Stimmung, völlig überraschend auch beim Bundestrainer. „Guten Morgen, geht es gut?“ fragte beim Vormittagstraining einer der beobachtenden Journalisten. Joachim Löw antwortete aufgeräumt über den halben Platz rufend: „Überdurchschnittlich gut!“ Auf der anschließenden Pressekonferenz steht er auffällig ausführlich Rede und Antwort: Lahm spielt im Mittelfeld, wer auf der Bank sitzt ist sehr wichtig (kleine verbale Aufbaumaßnahme für Bastian Schweinsteiger, weil er dort sitzen könnte?) und Boateng hat wie Lahm die portugiesische Fußballikone Ronaldo schon´mal gut im Griff gehabt.

Wichtigste Botschaft aber: alle sind locker, trotzdem konzentriert, es herrschen Harmonie und ganz große Zuversicht. Das strahlen auch die Spieler aus. Thomas Müller wirkt im persönlichen Gespräch aufgeräumt, aber auch selbstbewusst wie immer. Philipp Lahm diskutiert leidenschaftlich über das optimale Fußballspiel, und Per Mertesacker erzählt mir sehr glaubhaft, dass er richtig erleichtert ist, dass es jetzt endlich los geht. Und dazu lacht dauerstrahlend die Sonne. Das ist so schön –  aber vielleicht dann doch auch das Problem. Nach dem bisher heißesten Tag hier in Porto Seguro mit etwa 30 Grad, aber einem gefühlt heute besonders intensiv brennenden Stern strahlt Per Mertesacker vor allem deutliche Zuversicht aus. Aber auch er scheint ein wenig unsicher, wie man mit den klimatischen Verhältnissen in der Mittagshitze gegen Portugal klar kommen wird. 90 Minuten Vollgas ist hier noch keiner gegangen.

Manch Spieler anderer Nationen, der beim Confederations Cup vor einem Jahr dabei gewesen ist, klagte über brennende Lungenflügel. Damals waren aber die meisten Mannschaften erst unmittelbar vor Turnierbeginn angereist. Lahm, Müller, Mertesacker und Co sind jetzt schon fünf Tage hier. Also noch nicht bei 100 Prozent – was die Leistungsfähigkeit anbelangt. Aber ich werde das Gefühl nach diesen Gesprächen nicht los: Schon bei mindestens 90 Prozent Zuversicht und 100 Prozent in Sachen Stimmung. Fakt ist: die Sonne wird weiter scheinen bei dieser WM in Brasilien! Aber nur, wenn gegen Portugal nicht verloren wird, heißt es auch weiterhin: Schönes Arbeiten hier.

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