Bericht aus deutschem WM-Lager : Gerhard Delling: Alles ist bis ins Detail geplant

Die Computergrafik zeigt das Ferien-Ressort „Campo Bahia“: Das 14.740 qm große Areal liegt an der Küste des Bundesstaats Bahia im Dorf Santo André. Gerhard Delling berichtet aus dem deutschen WM-Lager.
Foto:
Die Computergrafik zeigt das Ferien-Ressort „Campo Bahia“: Das 14.740 qm große Areal liegt an der Küste des Bundesstaats Bahia im Dorf Santo André. Gerhard Delling berichtet aus dem deutschen WM-Lager.

Gerhard Delling berichtet exklusiv aus dem deutschen WM-Lager. Es ist Reisetag für die Nationalmannschaft. Nichts ist dem Zufall überlassen.

shz.de von
14. Juni 2014, 20:31 Uhr

Heute ist Reisetag für die deutsche Nationalmannschaft – und damit natürlich auch für uns. Endlich! Immer nur Vorbereitung ist dann auf Dauer doch zu wenig Herausforderung bei so einem spannenden Großereignis. Und vorbereitet sind alle. Die Spieler, die uns immer wieder berichten, dass sie gut trainiert haben, dass die Stimmung perfekt sei, und dass sie keine Ansprüche auf einen Einsatz in der Startelf, sondern sich ausschließlich in den Dienst der Mannschaft stellen. Was sollen sie auch anderes sagen, nachdem tagelang in Einzelgesprächen alles abgefragt worden ist. Als die aufstrebenden Nachwuchskräfte Mustafi und Durm  ihre persönliche Meinung zur ungerechten Elfmeterentscheidung für Brasilien und gegen Kroatien erläutern sollten, da wurde einmal mehr deutlich, dass die mediale Vorbereitung heutzutage schnell zum aalgeglätteten Overkill werden kann. „Wenn der Schiedsrichter pfeift…“, das sei halt so… „das ist Fußball!“

Ist es eben nicht. Das ist ungerecht und darf einen Sportler mindestens aufregen. Gute Vorbereitung heißt heute auch: keine Angriffsfläche bieten. Das ist gelungen. Und weil noch kein Spiel gespielt ist für unser Team, darf nichts von der Auftaktpartie gegen Portugal am Montag ablenken. Selbst die Abreise ist bis ins Detail geprobt worden. Deshalb war es gestern etwas zeitaufwendiger für all diejenigen Journalisten, Passanten, Anwohner, die den einzigen Weg runter von der Halbinsel auf der sich das deutsche Quartier befindet am späten Nachmittag nutzen wollten. Denn die eine von zwei größeren Fähren über den Fluss, den es für uns tagtäglich zu überqueren gilt, wurde ausschließlich für eine Ernstfall-Übung der Abreise gebucht. Rauf mit dem Mannschaftsbus, wieder runter von der schwimmenden Plattform. Erst auf die linke Seite, dann doch lieber in die Mitte. Nachdem der Bus sich bei der Anreise vor einer Woche festgefahren hatte, sollte das für heute ausgeschlossen werden. Jetzt weiß auch der „Fährmann“, dass er den schwimmenden Ponton extrem weit auf die Landungsrampe schieben muss.

Die deutsche Delegation ist vorbereitet, nichts will man dem Zufall überlassen. Der Zeitablauf bis zum Anpfiff am Montag in der Mittagshitze um 13 Uhr steht. Jetzt heißt es abzuwarten, ob Portugal mit dem angeschlagenen Ronaldo antreten kann oder nicht. Und wie sich 90 Minuten Vollgasfußball bei diesen Temperaturen anfühlen. Und, ob der Schiedsrichter keine entscheidenden Fehler macht.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen