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Fifa für Spiele im November und Dezember : Fußball-WM 2022 in Katar: Winter- statt Sommermärchen

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Das könnte ein Weihnachtsgeschenk werden - anders als üblich wird die Weltmeisterschaft wohl im Winter ausgetragen.

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2015 | 14:10 Uhr

Doha | Die Fußball-WM in Katar soll im November und Dezember 2022 stattfinden, im Gespräch ist unter anderem eine Austragung vom 26. November bis 23. Dezember. Das hat die Task Force des Weltverbandes auf ihrer Sitzung in Doha entschieden. Der Termin muss noch von der FIFA-Exekutive am 19./20. März fixiert werden. Damit wird aus einem Sommermärchen bei Grillwetter Public Viewing mit Glühwein und Handschuhen. Erstmals in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft soll die Endrunde 2022 zum Winterspektakel werden. Nur die Fans vor Ort kommen in Sommerstimmung. Die Temperaturen liegen zu der Zeit in Katar gewöhnlich bei moderaten 25 Grad.

Seit Monaten hatte es großen Streit um den Termin der WM-Endrunde gegeben. Eine Austragung wie üblich in den Sommermonaten ist aufgrund der hohen Temperaturen von bis zu 40 Grad nicht praktikabel. Zuletzt waren auch noch der Januar/Februar 2022 im Gespräch, allerdings würde dieser Termin mit den Olympischen Winterspielen kollidieren. Sie sollen vom 4. bis 20. Februar 2022 in Almaty oder Peking stattfinden. Eine Verlegung der WM ins Jahr 2023 sei aus „rechtlichen Gründen“ ausgeschlossen, bekräftigte die Fifa.

Auch der Alternativ-Vorschlag der europäischen Clubs und Ligen, die WM von Ende April bis Ende Mai auszutragen, erwies sich nicht als Ideallösung. In diesem Zeitraum wäre ebenfalls mit hohen Temperaturen zu rechnen gewesen, außerdem beginnt 2022 der Fastenmonat Ramadan am 2. April. So sei die Terminfindung laut Scheich Salman bin Ebrahim Al-Khalifa, dem Vorsitzenden der Task Force, eine große Herausforderung gewesen.

Dass der WM-Beginn nun wohl auf den spätestmöglichen Termin gesetzt wird, dürfte ein Zugeständnis an die europäischen Clubs und Ligen sein. Ebenso der Vorschlag der Task Force, den Confederations Cup im Jahr vor dem WM-Turnier nicht in Katar, sondern in einem anderen Mitgliedsland des Asiatischen Fußball-Verbandes AFC wie üblich im Sommer auszutragen. Stattdessen soll die Club-WM im November/Dezember 2021 als Testlauf in Katar durchgeführt werden.

Dass die WM kaum im Sommer ausgetragen werden kann, war aber nahezu allen Beteiligten klar. Mediziner hatten vor der großen Hitze in Katar gewarnt. Auch wenn die WM-Organisatoren die Temperaturen bei einer Sommer-WM in den Stadien herunterkühlen wollten, wäre die Belastung für Spieler und Fans außerhalb der Arenen groß gewesen.

Doch auch nach dem gefundenen Kompromiss gibt es viele Verlierer, insbesondere die europäischen Clubs und Ligen, die ihre Saison für gut zwei Monate unterbrechen müssen. Entsprechend groß ist der Aufschrei in England, schließlich gehört die Zeit um Weihnachten herum mit dem Boxing Day zu den umsatzkräftigsten Terminen der Liga. „Das ist enttäuschend. Es ist die falsche Entscheidung. Wir sind von der Uefa im Stich gelassen worden“, klagte Premier-League-Chef Richard Scudamore der BBC. Auch für die Bundesliga gibt es Konsequenzen: Der Saisonbeginn wird wahrscheinlich vorverlegt, wie es etwa in der Zweiten Liga schon der Fall ist. Die Meisterschale dürfte erst im Juni und damit gut einen Monat später übergeben werden.

Dass sich die Ligen, die in der Task Force ebenfalls vertreten waren, dem Vorschlag nun beugen, dürfte nicht ohne entsprechende Entschädigung vollzogen worden sein. Aber auch der afrikanische Verband hat ein Problem, schließlich soll der Afrika-Cup im Januar 2023 in Guinea ausgetragen werden.

Als Verlierer bleibt auch die Fifa zurück, wenngleich Sepp Blatter den November-Termin gerne als seine Idee verkauft. Denn seit der WM-Vergabe im Dezember 2010 hat sich die Katar-WM zu einem einzigen Ärgernis entwickelt. Die schwierige Terminfindung wurde von schweren Korruptionsvorwürfen und dem Skandal um viele Todesopfer auf den Baustellen des Landes begleitet.

Auf Twitter gibt es bereits Reaktionen zu den Plänen:

Auch die Kritik am Gastgeber reißt nicht ab. Katar wird immer wieder aufgrund von Menschenrechtsverletzungen kritisiert.

Andere Nutzer auf Twitter sehen das ganze entspannter...

...und sammeln unter dem Hashtag #winterwmlieder schon Ideen für den neuen WM-Song.

Fragen und Antworten zur WM in Katar:

Wann genau findet die WM nun statt?

Im Vorschlag der Task Force ist bislang lediglich von einem Zeitraum „Ende November bis Ende Dezember“ die Rede, der exakte Termin muss noch ausgehandelt werden. FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke bestätigte am Mittwoch lediglich, dass das Turnier auf 28 Tage verkürzt wird. Die WM in Brasilien vergangenen Sommer hatte noch 32 Tage gedauert, damit dürften auch schon vor dem letzten Gruppenspieltag vier Partien an einem Tag möglich sein.

Welche Termin-Szenarien sind vorstellbar?

Für den Abschluss des Turniers gibt es derzeit vor allem zwei mögliche Alternativen. Denkbar wäre ein WM-Finale kurz vor Heiligabend am 23. Dezember oder auch am Sonntag, 18. Dezember - dem Nationalfeiertag Katars. Dementsprechend könnte sich ein Turnierstart zwischen dem 18./19. bis zum 26. November ergeben.

Was bedeutet das für den Spielplan der Bundesliga?

Die Bundesliga-Saison 2022/23 müsste voraussichtlich bereits Anfang/Mitte Juli beginnen, damit die erste Halbserie vor der WM abgeschlossen werden kann. Die vorige Saison würde demnach früher als gewohnt zu Ende gehen. Normalerweise muss der Ligabetrieb dreieinhalb Wochen vor dem Turnierstart eingestellt werden. Die FIFA könnte diese Periode als Entgegenkommen für die Clubs jedoch verkürzen und die gewohnte Ruhephase vor der Abstellungszeit ausfallen lassen, da sich die Spieler sowieso mitten im normalen Saisonrhythmus befinden. Demnach könnte bis Ende Oktober/Anfang November auch die Gruppenphase der Champions League komplett gespielt werden. Nach der Winterpause ginge es für die Bundesliga wie gewohnt weiter.

Wie ist die Situation in anderen Ligen?

Sollte sich die FIFA auf ein WM-Finale am 18. Dezember einlassen, könnte in England noch das nationale Fußball-Heiligtum, der Boxing Day, gerettet und der Spieltag am 26. Dezember eingeplant werden. Davon geht die Nachrichtenagentur AP in ihrem Szenario aus. In Spanien könnte die Liga wie gewohnt kurz nach Neujahr weitergehen.

Was sind weitere Knackpunkte?

Die europäischen Vereine drängen auf Entschädigungsansprüche. Bayern Münchens Karl-Heinz Rummenigge, Vorsitzender der europäischen Club-Vereinigung ECA, betonte, dass der Schaden für die Vereine „fair zu kompensieren“ sei. FIFA-Generalsekretär Valcke schmetterte diese Forderung am Mittwoch direkt öffentlichkeitswirksam ab, der deutsche Ligapräsident Reinhard Rauball wetterte über einen „Affront“ - das Feilschen hat endgültig begonnen.

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