Delling-Kolumne : Deutschland gegen Schweden – mit Vertrauen und Tempo

Vertrauen, das ist die eigentliche Waffe, mit der Schweden besiegt werden soll.

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22. Juni 2018, 19:19 Uhr

Es ist das erste Endspiel von hoffentlich noch insgesamt sechs für die deutsche Elf. Aber es ist ein Spiel wie jedes andere – könnte man meinen, wenn man den Bundestrainer hört. Als ich ihn kurz vor dem Abschlusstraining spreche, wirkt er tiefenentspannt. Wie jemand, der ganz viel zu tun hatte, aber alles als erledigt ansieht. Er habe seine Führungsspieler zusammengeholt, damit die mal aus ihrer Sicht sagen, was falsch gelaufen ist gegen Mexiko. Dieser Austausch sei der Schlüssel für eine Bewusstseinsänderung gewesen.

Und nun geht es für Joachim Löw eigentlich „nur“ noch darum, dass seine richtige Spielidee auch konsequent umgesetzt wird. Durch wen ist (fast) Nebensache – wenn es denn die angestammten Kräfte sind, die das System über Jahre verinnerlicht haben. Also dürfte es kaum Umstellungen geben. Marco Reus darf man erwarten, den genesenen Jonas Hector und –  das ist die Überraschung, die der Bundestrainer ganz freimütig und ohne Trauermiene verrät – einen neuen Innenverteidiger für Mats Hummels. Der leidet an einer Blockade im Halswirbelbereich. Dafür stehen Niklas Süle oder Antonio Rüdiger bereit, wobei vor allem Letzterer auch mit erst 24 Länderspielen schon längst zu den Akteuren gehört, denen Löw vertraut.

Vertrauen, das ist die eigentliche Waffe, mit der Schweden besiegt werden soll. Vertrauen in die Spieler, aber vor allem in die Spielweise. „Wir werden nicht anfangen, die Bälle hoch in den Strafraum zu schlagen“, meint Löw. „Dann sagen die Schweden einfach nur Danke!“ Schnell und flach soll es in den wohl vielbeinig besetzten Strafraum der Skandinavier gehen. Kurze Laufwege in höchstem Tempo, gleichzeitig von mehreren Spielern. Hört sich ganz logisch an – und fühlt sich plötzlich auch gar nicht mehr an wie ein Endspiel, bei dem man zittern müsste.

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