Vor Viertelfinale : Deschamps weiß Pogba zu nehmen: Disziplin trifft Exzentrik

Paul Pogba wird in Nischni Nowgorod gegen Uruguay sein 58. Länderspiel bestreiten. /AP
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Paul Pogba wird in Nischni Nowgorod gegen Uruguay sein 58. Länderspiel bestreiten. /AP

Er ist immer eine schillernde Figur. Und er ist ein Dauerthema beim WM-Viertelfinalisten Frankreich: Paul Pogba. Trainer und Disziplin-Anhänger Didier Deschamps hat ihn im Griff.

shz.de von
04. Juli 2018, 14:55 Uhr

Eine verrückte Frisur fürs Finale ist schon in Planung, alles andere wäre auch eine Überraschung bei Paul Pogba.

Er ist nicht verletzt, er kann spielen und doch wird über den 25 Jahre alten Exzentriker im Team von Disziplin-Fanatiker Didier Deschamps mindestens so viel geredet wie über Uruguays angeschlagenen Offensiv-Star Edinson Cavani. So ist das mit Pogba. Erst recht vor dem Viertelfinale einer Fußball-WM.

Als Nationalcoach Deschamps im WM-Camp der Franzosen jüngst ein Trikot mit der Nummer 80 für seine Rekordzahl als Trainer der Équipe tricolore überreicht bekam, saßen alle Spieler lachend und gut gelaunt im Rechteck zum Abendessen. Nur einer feixte wieder ganz besonders: Pogba, der pfiff wie ein kleiner Schuljunge.

Pogba versorgt auch die, die es erfreut, mit den sogenannten Pogba-Diaries. Ein Tagebuch aus dem Leben eines schillernden Fußball-Stars, der vor zwei Jahren für die damalige Rekordablösesumme von 105 Millionen Euro von Juventus Turin zu Manchester United wechselte.

An diesem Freitag wird Pogba in Nischni Nowgorod gegen Uruguay sein 58. Länderspiel bestreiten, er will den Vize-Europameister nun auch unter die besten vier Mannschaften der Welt bringen. «Er hat bestätigt, dass er einer der großen Anführer in unserer Mannschaft sein kann», sagte der 70-malige Nationalspieler und Mittelfeldkollege Blaise Matuidi bei einer Pressekonferenz in Istra bei Moskau. Auf Pogba werde sehr gehört.

Die Clownereien am Rande gehören bei Pogba dazu. Deschamps lässt ihn offensichtlich bis zu einem für ihn erträglichen Maß gewähren. Für Skandale ist aber kein Platz. Zu sehr hängt auch das jämmerliche Bild streikender Franzosen bei der WM 2010 in Südafrika nach.

2012 übernahm Deschamps. Trotz Spielern von Weltklasse-Format wie Pogba, Antoine Griezmann oder auch Kylian Mbappé sagte er nun in einem Interview der «Sport Bild»: «Dennoch bleiben meine Spieler noch Lehrlinge.» Eine klare Ansage.

Wie auch diese: «Er kann alles, aber er kann nicht alles machen», sagte Deschamps vor der WM einmal über Pogba, seinen sicherlich schillerndsten Spieler in einem Ensemble mit weiteren glanzvollen Namen. Er rede wie mit den anderen Spielern auch mit Pogba, sagte Deschamps.

Bei der EM vor zwei Jahren, wo Pogba mit einer obszönen Geste für viele Schlagzeilen gesorgt hatte, ließ der manchmal eher knorrig wirkende Deschamps seinen Fußball-Künstler nicht einmal zu einer Pressekonferenz. Als er in Russland vor die Medien durfte, scherzte der Mittelfeldspieler: «Ihr habt mir gefehlt.»

Der zweifelsohne mit großem Talent gesegnete Pogba musste vor der WM auch Pfiffe von Fans und viel Kritik einstecken («Ich bin vom teuersten Fußballer der Welt zum meistkritisierten Spieler geworden»). Voll abrufen konnte er sein Potenzial bei seinen bisher drei WM-Einsätzen in Russland aber sicher noch nicht. Dafür hat er ja, wenn alles auch in seinem Sinne läuft, noch weitere drei Spiele. Mit dem krönenden Finale in Moskau am 15. Juli - und mit neuer Frisur.

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