John Obi Mikel : Der Mann, der wie Jay-Jay Okocha hätte werden sollen

Nigeria setzt gegen Argentinien auf Kapitän John Obi Mikel. /xinhua
Nigeria setzt gegen Argentinien auf Kapitän John Obi Mikel. /xinhua

Wie sag ich's ihm bloß? Gernot Rohr hat seinen Kapitän John Obi Mikel bei der WM versetzt, vom offensiven ins defensive Mittelfeld. Ein schwieriger Akt. Nun wartet das Gruppenfinale gegen Argentinien. Mikel hat seine Erfahrungen mit Lionel Messi schon gemacht.

shz.de von
25. Juni 2018, 17:10 Uhr

John Obi Mikel hat schon einmal Lionel Messi in Trauer versetzt. Sechs Jahre ist das her, damals spielte der Nigerianer für den FC Chelsea und traf in der Champions League mal wieder auf den FC Barcelona mit dem Superstar aus Argentinien.

Im Halbfinalrückspiel dominierten die Katalanen, Messi verschoss aber einen Foulelfmeter. Mikel mit seinen robusten Engländern kam weiter und zerstörte danach auch noch die Titelträume des FC Bayern München im «Finale dahoam.»

Nun trifft Mikel wieder auf Messi. Am Dienstag bei der WM im Gruppenfinale in St. Petersburg. Wieder will der Mittelfeldspieler, der nach Aussage des deutschen Trainers Gernot Rohr trotz Handbruchs mit einer Spezialschiene auflaufen soll, dem Offensivstar aus Südamerika einen K.o. versetzen. Es wäre womöglich sogar der endgültige für Messi im Nationaltrikot.

Mikel hat nicht mehr die Klasse von einst, der 31-Jährige steht mittlerweile bei Uli Stielikes Verein Tianjin Teda in China unter Vertrag - Messi spielt noch immer bei Barça. Dafür hat Mikel bei den Super Eagles wieder seine alte Position eingenommen. Mit Erfolg.

Zwei Jahre lang wurde Mikel vom deutschen Nationaltrainer Gernot Rohr im offensiven Mittelfeld eingesetzt. So qualifizierten sich auch die Nigerianer für die Endrunde. Nach dem verpatzten Start gegen Kroatien (0:2) zog Rohr seinen Kapitän wieder auf die defensivere Position zurück. Das hatte für Redebedarf gesorgt.

«Es war nicht einfach, sie zu überzeugen. Sie haben aber verstanden, dass man für sein Land und sein Team Opfer bringen muss», beschrieb Rohr seine Aufgabe, Mikel und auch Offensivmann Victor Moses ein verändertes Anforderungsprofil mit mehr Laufarbeit zu vermitteln.

Der Wahlfranzose hatte damit Erfolg. Nigeria bezwang Island mit 2:0. Vorausgegangen war aber insbesondere in der Personalie Mikel auch erheblicher medialer Druck in Afrikas bevölkerungsreichstem Land. Geschürt auch durch José Mourinho, der darauf beharrt, dass sein ehemaliger Zögling kein Zehner, sondern ein Sechser ist.

Nicht wenige in Nigeria werfen Mourinho vor, der Mikels erster Trainer beim FC Chelsea war, das Talent davon abgebracht zu haben, zumindest ein zweiter oder sogar noch besserer Spielgestalter als der frühere Kapitän Jay-Jay Okocha zu werden. Ausgerechnet der frühere Frankfurter Dribbelkünstler, der während der WM als TV-Experte arbeitet, forderte jedoch die Position der Nummer zehn für Alex Iwobi. Das verwundert wenig: Er ist Okochas Neffe.

Den Erwartungen, einer der prägenden afrikanischen Mittelfeldspieler überhaupt zu werden, wurde Mikel selber nie gerecht. Vielleicht überrascht Rohr ja auch gegen Argentinien und stellt den Mann aus Jos im östlichen Zentralnigeria wieder weiter nach vorne.

Allerdings wäre so eine Maßnahme heikel, schließlich scheint sich Nigeria als Mannschaft gefunden zu haben. «Ich denke, wir werden Großes leisten in Russland. Wir müssen nur bescheiden bleiben und diszipliniert», hatte Mikel vor der WM gesagt.

Die Erinnerung an das letzte Endrundenduell mit Messis Argentiniern dürfte ihm indes nicht gefallen. Im abschließenden WM-Gruppenspiel 2014 verloren die Nigerianer mit 2:3 gegen die Albiceleste. Messi traf damals doppelt - und Mikel spielte im defensiven Mittelfeld.

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