DFB-Team : Der Kampf auf Links: Reus ohne Angst

Joachim Löw beobachtet im Training Marco Reus.
Joachim Löw beobachtet im Training Marco Reus.

Nach über zwei Jahren könnte Marco Reus im Nationalteam erstmals wieder in der Startelf stehen. Das bisher große Verletzungspech ist für ihn Vergangenheit. Der Bundestrainer sieht im Dortmunder einen möglichen WM-Trumpf. Doch der BVB-Star hat einen harten Kontrahenten.

shz.de von
07. Juni 2018, 14:02 Uhr

Beim letzten Training vor dem Südtiroler Bergpanorama trugen beide pinkfarbene Leibchen und übten in derselben Gruppe. Und auch bei der WM-Generalprobe am Freitag gegen Saudi-Arabien werden Marco Reus und Julian Draxler wohl nebeneinander auflaufen.

Doch beim Turnier in Russland sind die zwei Fußball-Nationalspieler auch harte Kontrahenten um den Stammplatz auf Links. «Der Konkurrenzkampf ist da, das weiß ich», sagte Draxler. «Konkurrenz ist wichtig. Nur so kannst du maximalen Erfolg haben», bemerkte Reus zum Zweikampf.

Vor der abschließenden Übungseinheit in der Sportzone Rungg führte Bundestrainer Joachim Löw ein Vier-Augen-Gespräch mit Reus, der lange Zeit der größte Pechvogel im Nationalteam war. Vor vier Jahren hatte sich der Mann mit den «außergewöhnlichen Fähigkeiten» (Joachim Löw) beim 6:1 im letzten Testspiel gegen Armenien schwer verletzt und konnte später den WM-Triumph seiner Kollegen nur am Fernseher erleben. 2016 musste Reus wegen anhaltender Probleme am Schambein aus dem EM-Vorbereitungscamp abreisen.

«Ich würde lügen, wenn ich sagte, dass ich nicht daran denke», gestand Reus im Trainingslager. Doch der Dortmunder schloss gleich an: «Ich gehe jetzt sicher nicht mit Angst in das Spiel. Ich weiß aus Erfahrung, dass immer etwas passieren kann. Ich werde deshalb in keinem Zweikampf zurückziehen», erklärte der 29-Jährige vor der WM-Generalprobe für Russland. Erstmals seit dem 2:3 gegen England im März 2016 könnte Reus wieder in der DFB-Startelf stehen.

In Löws Kaderpuzzle für die Startelf zum WM-Auftakt am 17. Juni gegen Mexiko ist die Besetzung der linken Mittelfeldposition die einzige Unbekannte, sofern Innenverteidiger Jérome Boateng und Spielmacher Mesut Özil topfit ins Turnier gehen können. Das Fehlen des angeschlagenen Özil gegen die Saudis eröffnet Reus und Draxler, die beide auch zentral spielen können, die gemeinsame Startelf-Chance.

«Mit Reus, Draxler und Müller sind wir auf diesen Positionen gut besetzt», hatte Löw nach der Auslese von Leroy Sané zur Besetzung der Außenbahnen erklärt. Dabei gilt der Leverkusener Julian Brandt als Backup für den gesetzten Thomas Müller auf der rechten Seite.

Reus ist derzeit in der Rolle des Herausforderers. Der beim europäischen Topclub Paris Saint-Germain gereifte Draxler hat sich bei Löw in den vergangenen zwei Jahren nach der EM einschließlich des Confed-Cup-Sieges 2017 einen Bonus erarbeitet. «Ich habe sehr viele gute Spiele gemacht. Der Bundestrainer kann mir vertrauen», sagte Draxler in Südtirol. Mit 24 Jahren kann der gebürtige Gladbecker bereits auf die stattliche Anzahl von 43 Länderspielen verweisen.

Reus ist fünf Jahre älter. Doch viele Verletzungspausen sorgten dafür, dass er in Leverkusen erst zum 31. Mal für Deutschland aufläuft. Im Sommer 2017 verletzte er sich erneut, bis zum Februar diesen Jahres dauerte die Genesung. Löw beobachtete zunächst ein wenig skeptisch die Entwicklung. «Wir hatten abgesprochen, dass ich einen behutsamen Aufbau mache, viel trainiere, viel Kraft entwickle, um einfach sieben Spiele absolvieren zu können», berichtete Reus.

In Südtirol lobte der Bundestrainer den BVB-Profi fast überschwänglich: «Ich nehme ihn als Spieler wahr, der wahnsinnig geschickt und intelligent ist, die Gegner überraschen kann. Es wirkt bei ihm alles so leicht und spielerisch.» Er könne eine Rakete sein für sein Team. «Offenbar habe ich im Training und in den Tests einen guten Eindruck hinterlassen. Er hofft wie ich, dass ich jetzt auch bei der WM zünde», erwiderte Reus.

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