ZDF-Mann, der viele nervt : Der Fall Béla Réthy

Béla Réthy und Oliver Kahn bei der WM 2014.
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Béla Réthy und Oliver Kahn bei der WM 2014.

Bei Twitter ist Béla-Bashing Trend. Das Netz wettert bei jedem Spiel gegen den ZDF-Mann. Fehlt in Deutschland der Nachwuchs bei den Sportreportern? Oder ist Réthy doch der Beste?

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19. Juni 2014, 13:18 Uhr

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>OK. Ich hör jetzt auf mit Bela Bashing ;) ✌️</p>&mdash; Jo Amrhein, LL.M. (@rilan2000) <a href="https://twitter.com/rilan2000/statuses/478994413935661056">17. Juni 2014</a></blockquote>

Ein guter Vorsatz. Aber doch eher eine Einzelmeinung. Das Agitieren gegen den ZDF-Kommentator Béla Réthy ist im Netz zu einer eigenen Sportart geworden. Wo andere Reporter wie Tom Bartels oder Steffen Simon Kritik einstecken müssen, hagelt es auf Réthy herunter.

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>So gut wie ich Welke und Kahn im Zusammenspiel finde, so schlimm ist Bela Rethy als Kommentator <a href="https://twitter.com/search?q=%23wm2014&amp;src=hash">#wm2014</a></p>&mdash; wurm77 (@wurm77) <a href="https://twitter.com/wurm77/statuses/477155370813915137">12. Juni 2014</a></blockquote>

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Können wir Béla Réthy am Ende nicht einfach in Südamerika vergessen? <a href="https://twitter.com/search?q=%23wm2014&amp;src=hash">#wm2014</a></p>&mdash; Dennis Morhardt (@gglnx) <a href="https://twitter.com/gglnx/statuses/477155145000976386">12. Juni 2014</a></blockquote>

Der 57-Jährige ist seit 1987 beim ZDF angestellt. Vier Jahre später begann seine Karriere als Live-Reporter bei Fußballspielen. Auch jeder Teilzeit-Fußballfan, der zumindest aber die Welt- und Europameisterschaften sieht, wird der Name Réthy und die markante Stimme ein Begriff sein. Für das ZDF scheint er nicht wegzudenken zu sein, dennoch ergießen sich nach jedem seiner kommentierten Spiele die ablehnenden Kommentare über die sozialen Netzwerke.

Eine Facebookseite mit dem Namen „Béla Réthy gefällt mir nicht“ sammelte seit August 2012 bereits 6154 Befürworter. Dabei steht nicht seine Person im Fokus, sondern seine bisweilen nicht ganz treffenden Zitate und Pausenfüller während seines Kommentierens.

„Das da vorn, was so aussieht wie eine Klobürste, ist Valderrama.

Dazu gehören messerscharfe Herleitungen wie Dienstagabend beim Spiel Kroatien gegen Brasilien. Dort sagte Réthy: „In Brasilien verfolgen die meisten Menschen die Partie vor dem Fernseher.“ Eine Erkenntnis, zu der man alleine auch gekommen wäre. Rund 65.000 Zuschauer passen ins Stadion in Fortaleza. In Brasilien leben knapp über 192,5 Millionen Einwohner. In der gleichen Begegnung nannte er ein eigentlich rotwürdiges Foulspiel poetisch: „Das ist an der oberen Skala der gelben Möglichkeiten. Stark ins Orange gehend.“

Kleinere Ausfälle gab es bereits früher immer wieder. Aussagen wie „Eckball. Es gibt Einwurf!“ oder „Es wäre für die Bayern gut, wenn die Nachspielzeit, die dann kommt, nicht von Real genutzt wird.“ sind bei Réthy inzwischen alltäglich und sorgen bei Fans des Rasenballsports für Aha-Effekte. Eine Réthy-Sammlung seiner besten Sprüche gibt es inzwischen auch im Netz. Von sämtlichen Spielen sammeln hier Fans der Seite die verbalen Ausrutscher des ZDF-Mannes.

„Jetzt kommt einer, der in der Lage ist, im 1-gegen-1 Überzahl zu schaffen.“

Einmal bezeichnete er einen Flitzer - also jemanden der nackt über das Spielfeld rennt - als Bruder von Franck Ribéry. Eine Welle der Kritik rollte über die sozialen Netzwerke hinweg. Ein anderes Mal brachte er beim Spiel der Bayern in Turin mit dem Spruch „Heute kein Feuerwerk am Po“, die Netzgemeinde zur kollektiven Entrüstung.

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Nein, die Pest ist nicht ausgestorben. SIe heisst nur anders. Oft tritt Sie als Bela Rethy bzw. Marcel Reiff auf und vergewaltigt die Ohren.</p>&mdash; Glockendoktor™  (@glockendoktor) <a href="https://twitter.com/glockendoktor/statuses/477478504187977728">13. Juni 2014</a></blockquote>

Zuletzt war die schlechte Tonqualität beim Spiel Brasilien-Kroatien und beim Eröffnungsspiel am 12. Juni Grund zur Kritik. Nicht nur das ZDF musste einstecken, sondern auch der Kommentator.

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Jetzt aber mal ehrlich: Der Ton bei Bela Rethy ist peinlich, unprofessionell und eines WM-Eröffnungsspiels nicht würdig! <a href="https://twitter.com/search?q=%23wm2014&amp;src=hash">#wm2014</a> <a href="https://twitter.com/search?q=%23zdf&amp;src=hash">#zdf</a></p>&mdash; Florian Hellmuth (@chieff89) <a href="https://twitter.com/chieff89/statuses/477176295751954433">12. Juni 2014</a></blockquote>

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Per Blechbüchsentechnik berichtet live aus Sao Paolo:Bela Rethy. <a href="https://twitter.com/ZDFsport">@ZDFsport</a> <a href="https://twitter.com/search?q=%23tonschrott&amp;src=hash">#tonschrott</a> <a href="https://twitter.com/search?q=%23FIFAWM2014&amp;src=hash">#FIFAWM2014</a></p>&mdash; Stefan Eilts (@SteEilts) <a href="https://twitter.com/SteEilts/statuses/477179026617143298">12. Juni 2014</a></blockquote>

Réthy selbst sieht die Kritik aber gelassen. „Wenn man die Qualität dieser Kritiken liest, muss man froh sein, dass man den Menschen nicht gefällt, sonst hätte man einen Riesenfehler gemacht“, sagte Réthy einmal gegenüber der „Welt“ zu den Anfeindungen im Internet. Wenn er mit Leuten persönlich spreche, würden die positiven Stimmen überwiegen. Die Kritik sei für ihn daher nur wie ein „Ölfleck im Ozean“. Bei Twitter dagegen sind Befürworter sehr selten.

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>bin ich der einzige fußballfan weltweit, der steffen <a href="https://twitter.com/search?q=%23simon&amp;src=hash">#simon</a> (und bela <a href="https://twitter.com/search?q=%23rethy&amp;src=hash">#rethy</a> und tom <a href="https://twitter.com/search?q=%23bartels&amp;src=hash">#bartels</a> auch) gut findet? <a href="https://twitter.com/search?q=%23ausned&amp;src=hash">#ausned</a></p>&mdash; Lukas Hermsmeier (@lukashermsmeier) <a href="https://twitter.com/lukashermsmeier/statuses/479300561448484864">18. Juni 2014</a></blockquote>

Auch in Interviews rund um das Spiel muss Réthy oftmals mit Kritik leben. Von Jürgen Klopp ist diese gegenüber den Reportern aber fast schon Normalität.

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Dennoch ist der in Wien geborene und in Brasilien aufgewachsene Fußballexperte im Grunde ein erstklassiger Mann. Er gilt als die Idealbesetzung für die WM in Brasilien, zumindest, wenn man sich die begrenzte Auswahl an Alternativen ansieht. Réthy kommentiert mit unverkennbarer Stimme. Er erklärt ein Spiel. Auch wenn er ab und an verbal daneben greift, spricht er deutlich, klar und abwechslungsreich. Beim Fußball muss man gleichermaßen Kenner und Laien ansprechen. Die Gelegenheits-WM-Fußball-Fans genauso, wie einen langjährigen Fußball-Experten auf dem heimischen Sofa oder in der Kneipe.

Vielleicht sind es gerade diese, die sich in langen Twitter-Postings gegen den ZDF-Mann wenden und lieber ohne Ton gucken. Journalistisch gesehen bekommt der Wiener die Gradwanderung aber ganz gut hin. Und das sieht auch sein Sender so. Denn Béla Réthy wird auch in Zukunft die großen Spiele im Fußball kommentieren.

Offensichtlich fehlt in Deutschland der Nachwuchs an fähigen Kommentatoren. Vielleicht sind die Versuche in anderen Ländern, mit zwei Kommentatoren für mehr Abwechslung zu sorgen, nicht verkehrt. Solange es aber so nicht kommt, wird es dabei bleiben, dass einige begeisterte Réthy-Fans nach jedem Spiel seinen Arbeitsnachweis in mühevoller Kleinarbeit zusammenstellen werden.

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>&quot;Es ist ein 0:0, das Tore verdient hat.&quot; &#10;Der´große FUMS-Béla <a href="https://twitter.com/search?q=%23R%C3%A9thy&amp;src=hash">#Réthy</a>-Arbeitsnachweis <a href="https://twitter.com/search?q=%23WM2014&amp;src=hash">#WM2014</a> <a href="https://twitter.com/GQ_Germany">@GQ_Germany</a> <a href="https://twitter.com/KitschBILD">@KitschBILD</a> <a href="http://t.co/p7Hqkqo5Rj">pic.twitter.com/p7Hqkqo5Rj</a></p>&mdash; FUMS (@fums_magazin) <a href="https://twitter.com/fums_magazin/statuses/479003586433908736">17. Juni 2014</a></blockquote>

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