Kritik am ZDF-Kommentator : Béla Réthy und der Hass im Netz

Béla Réthy.
Der Stil von Béla Réthy passt nicht jedem.

Er ist der ZDF-Mann, der viele nervt. Doch die Hasskommentare sind ihm egal. Warum Réthy trotz Kritik unersetzlich ist.

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21. Juni 2018, 18:30 Uhr

WM-Zeit ist auch wieder Béla-Réthy-Zeit. Der ZDF-Mann kommentiert seit Jahren die Spiele bei den großen Fußball-Turnieren. Die WM in Russland ist die siebte Weltmeisterschaft, die Réthy als Kommentator begleitet. 1994 in den USA saß er erstmals hinter dem Mikrofon. Seit es soziale Medien wie Twitter gibt, ergießt sich während und nach den Partien, die der 61-Jährige begleitet, eine Flut an kritischen Kommentaren ins Netz. Das Béla-Bashing ist seit Jahren im Trend. Eine Facebookseite mit dem Namen „Béla Réthy gefällt mir nicht“ sammelte seit August 2012 bereits mehr als 12.000 Befürworter.

Schon 2014 zur Weltmeisterschaft gab es viel Kritik an dem Mann, der seit 1987 für das ZDF arbeitet. Noch heute, nach jedem Spiel das Réthy kommentiert, taucht ein vier Jahre alter Text von shz.de zu dem Thema in unserer Klick-Statistik wieder auf.

Alle Kritiker können vermutlich aufatmen. In einem Interview mit dem Fußballportal „FUMS“ gab Réthy Mitte Juni einen Ausblick auf künftige Engagements als Fußballreporter. In Stein gemeißelt sei nichts, offiziell in Rente gehen würde er im November 2022, sagt der 61-Jährige. Möglicherweise ist die WM in Russland also seine letzte. Oder doch nicht? Würde es ein Angebot vom ZDF geben, die WM 2022 in Katar noch zu kommentieren, dann würde er wohl überlegen. „Um Niko Kovac zu zitieren: Stand jetzt ist es meine letzte WM. Man sieht ja, was aus Kovac geworden ist. Er ist nicht mehr in Frankfurt“, sagt Réthy.

„Ein roter Riesenballon – kurzer Prozess von Alisson – wie beim Kindergeburtstag. Batsch!“

Béla Réthy in der WM-Partie Brasilien gegen die Schweiz

Mit Réthy wird ein erstklassiger Kommentator in Rente gehen. Der 61-Jährige ist vom ZDF nicht umsonst als Nummer 1 bei der WM gesetzt. Er kommentiert mit unverkennbarer Stimme und erklärt ein Spiel. Auch wenn er ab und an verbal daneben greift, spricht er deutlich, klar und abwechslungsreich. Beim Fußball, insbesondere bei Europa- und Weltmeisterschaften, muss man gleichermaßen Kenner und Laien ansprechen. Dies beherrscht Réthy nicht nur aufgrund seiner langjährigen Erfahrung. Kommentator Oli Schmidt (CL-Finale 2017, EM-Halbfinals, WM-Halbfinals) wird wohl in die Fußstapfen Réthys treten. „Wenn er da für ein großes Finalspiel eingeteilt wird, dann hat das schon seine Richtigkeit.“

Réthy kommentierte zuletzt das Spiel Brasilien gegen die Schweiz. Davor die Partie Frankreich gegen Australien. Auch hier gab es dennoch wieder Kritik im Netz.

 

Für seine Kritiker hat der 61-Jährige nur ein müdes Lächeln übrig. „Die empfinden sich als Macht, als Menge, die es nicht ist. Das ist ein irrelevantes Nebenprodukt“, sagt Réthy gegenüber FUMS. Man gewöhne sich daran. Am Anfang sei es seltsam, „weil ungerecht und nicht begründet“. „Aber dass man sich da so als große Mehrheit empfindet, wenn da von 30 Millionen Zuschauern ein paar Hundert herum twittern…das ist ein Witz. Das hat inhaltlich und quantitativ keinerlei Bedeutung für unsere Arbeit.“

„So, jetzt müsste Australien mal das Kontern lernen. Vielleicht gibt’s nen Crashkurs in der Halbzeitpause.“

Béla Réthy in der WM-Partie Frankreich gegen Australien

Seinen Kollegen rät Réthy, Kritik komplett auszublenden und es nicht überzubewerten. Er habe seit 1985 in keiner Situation erlebt, von jemandem negativ angesprochen zu werden. Auch im Interview mit shz.de sagte er Anfang Juni, das Niveau der Diskussion habe sich mit den sozialen Medien verändert. „Je bekannter man wird, je bedeutender die Spiele sind, die man kommentiert, desto stärker polarisiert man.“ Wer damit nicht umgehen könne, könne den Job nicht machen.

Die aktuellen Hasskommentare gegen die Arbeit seiner Kollegin Claudia Neumann kann der Kommentator nicht nachvollziehen. „Nur weil sie eine Frau ist…sie hat nichts gemacht, sie ist fachlich eine hervorragende Kollegin. Man kann ja sagen: 'Mir gefällt keine weibliche Stimme beim Fußball.' Das ist eine zulässige Meinung. Mehr ist aber nicht zulässig.“

Und auch das ZDF nimmt Claudia Neummann in in Schutz. „Wir akzeptieren natürlich Kritik, auch bei den Kommentatoren – was aber bei Claudia Neumann passiert, sprengt alle Grenzen", sagte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann am Dienstag und sprach von Kritik „unterster Schublade“. Hass, Häme und Beleidigungen akzeptiere man nicht. „Die Kollegin hat ein hohes Fachwissen und macht einen guten Job bei der Fußball-WM.“ Fehler würden jedem Kommentator unterlaufen und gehörten zum Job.

Auch Réthy wird die Kritik weiterhin treffen, doch schon früher sagte er in Interviews, die Kritik sei für ihn mehr wie ein „Ölfleck im Ozean“. Und so wird es auch weiterhin Arbeitsnachweise des Kommentators geben – für die einen ein Anlass für kritische Kommentare, für andere ein Grund zum Schmunzeln.

 
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