Standard entscheidet spektakuläres Spiel : Frankreich nach 1:0 gegen Belgien im WM-Finale

Frankreich steht seit 2006 wieder im WM-Finale. Im Halbfinale setzten sich die Franzosen gegen Belgien mit 1:0 durch.
Frankreich steht seit 2006 wieder im WM-Finale. Im Halbfinale setzten sich die Franzosen gegen Belgien mit 1:0 durch.

Frankreich steht als erster WM-Finalist fest. Das Team von Trainer Deschamps gewann durch ein Standardtor.

shz.de von
10. Juli 2018, 22:02 Uhr

Sankt Petersburg | Didier Deschamps setzte im Halbfinale wieder auf den zuvor gelbgesperrten Blaise Matuidi – Corentin Tolisso vom FC Bayern musste auf die Bank. Belgiens Coach Roberto Martinez fehlte Thomas Meunier, der beim 2:1 gegen Brasilien die zweite Gelbe Karte gesehen hatte. Für ihn spielte Moussa Dembele: Der 30-Jährige von Tottenham Hotspur hatte Glück, dass er nach illegalen Konterstop-Aktionen gegen Oliver Giroud fernab des Balles und gegen Paul Pogba vor den Augen des Schiedsrichters von Andres Cunha (Uruguay) nicht verwarnt wurde.

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Frankreich im Konter – so lief die erste Hälfte der ersten Hälfte. Dort machten die aktiveren Belgier klar das Spiel. Angetrieben vom erneut starken Eden Hazard, der mit Tempo, Tricks und Finten den bisher bei der WM überzeugenden Franzosen Benjamin Pavard wie einen Schuljungen aussehen ließ. Die Krönung ging dem Chelsea-Dribbler aber ab: Erst fand er keinen Abnehmer in der Mitte, dann schoss er ein Zuspiel von Kevin de Bruyne vorbei und später lenkte Pogba den Schuss des 27-Jährigen per Kopf noch über die Latte - vor dem heranstürmenden Marouane Fellaini.

Auf der Ehrentribüne unterstützten der französische Präsident Emmanuel Macron (r) und das belgische Königspaar Philippe und Mathilde ihre Teams.
imago/VI Images
Auf der Ehrentribüne unterstützten der französische Präsident Emmanuel Macron (r) und das belgische Königspaar Philippe und Mathilde ihre Teams.

Der Lockenkopf von Manchester United war die zweite auffällige Figur der Belgier: Oft rannte der 1,94 Meter große Mittelfeldspieler vor ins Sturmzentrum, sorgte dort für Überzahl und Unruhe. Mit seiner Präsenz kreierte er die größte Chance für die Belgier, als er auf Toby Alderweireld ablegte – dessen Drehschuss aus 13 Metern parierte Hugo Lloris im Tor der Franzosen überragend.

Belgien dominierte zuerst, weil Hazard links und Nacer Chadli rechts konsequent die Linien hielten und mit der Dreierkette hinten ein großes Feld zum Spielen schufen, dass die französische Defensive auseinanderzog. Ab Mitte der ersten Halbzeit aber drehte sich die Partie, weil sich die Franzosen besser aus dem Gegenpressing der Belgier nach einem Ballverlust befreien konnten – speziell durch Antoine Griezmanns Haken und Matuidis Wucht.

Der Franzose Benjamin Pavard hatte in der ersten Halbzeit eine Riesenchance zur Führung, die Belgiens Keeper Thibaut Courtois parierte.
David Klein
Der Franzose Benjamin Pavard hatte in der ersten Halbzeit eine Riesenchance zur Führung, die Belgiens Keeper Thibaut Courtois parierte.

So kam Frankreich plötzlich aus dem Spiel heraus zu Chancen: Erst zielte Griezmann aus 19 Metern zu hoch, dann setzte er mit einem grandiosen Steilpass aus der Drehung nach einem Ballgewinn den schnellen Kylian Mbappe in Szene. Dessen Direkt-Hereingabe hätte Giroud verwerten müssen – doch der Mittelstürmer kam mit seiner Schrittfolge durcheinander wie ein Dreispringer mit Anlaufproblemen, sodass nur ein Kullerball in Richtung Courtois rollte. Dazu vergab Pavard, als er, von Mbappe eingesetzt, aus sechs Metern an Courtois scheiterte – und zuvor den in der Mitte völlig freien Griezmann als Verwerter übersehen hatte.

So war es dem Spieler der Partie vorbehalten, nach der Pause das goldene Tor zu erzielen: Samuel Umtiti, der Innenverteidiger. Im Verbund mit Raphael Varane nahm der 24-Jährige vom FC Barcelona, der sich gegen Uruguay noch so viele Unsicherheiten erlaubt hatte, den zuvor bei dieser WM so starken Romelu Lukaku aus der Partie. Dazu setzte er sich im Kopfballduell gegen den elf Zentimeter größeren Fellaini nach der Griezmann-Ecke am ersten Pfosten durch – erneut erwies sich ein Standardtor als Türöffner der Franzosen.

Danach zog sich die Elf zurück und lauerte auf Konter, die aber stets nach einem unglücklichen Muster abliefen: Griezmann und Mbappe trieben an, Giroud vergab oder verlor den Ball. So kamen die Belgier am Ende der Partie nochmal auf. Die dickste Chance vergab Axel Witsel, als er einen Abpraller nach einem Hazard-Dribbling spektakulär aufs Tor hämmerte – doch erneut erwies sich Lloris als unbezwingbar.

Frankreich steht somit vor der Wiederholung des WM-Erfolgs von 1998. Die Basis ist die starke Abwehr, das Herzstück die trickreiche, variable Offensive, der Unterschied war die Abgezocktheit. Die goldene Gerneration der Belgier bleibt ungekrönt.

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