WM-Aus für Squadra Azzurra : 1:0 gegen Italien: Godin köpft Uruguay ins WM-Achtelfinale

Italien Uruguay Wm 2014
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Für Italien ist die WM beendet. Uruguay zieht nach Costa Rica ins Achtelfinale ein. Unrühmlicher Höhepunkt war die Beißattacke durch Luis Suarez. Der Fupa-Ticker zum Nachlesen.

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24. Juni 2014, 21:05 Uhr

Natal | Diego Godin hat Ex-Weltmeister Uruguay ins WM-Achtelfinale geköpft und den Vorrunden-K.o. des viermaligen Champions Italien besiegelt. Im entscheidenden letzten Gruppenspiel am Dienstag gewannen die Südamerikaner mit 1:0 (0:0) gegen das eine halbe Stunde in Unterzahl spielende Italien. Die Azzurri scheiterten damit zum zweiten Mal hintereinander nach 2010 in der WM-Vorrunde.

Vor 39.706 Zuschauern in der Arena das Dunas in Natal erzielte Abwehrspieler Godin neun Minuten vor dem Ende das entscheidende Tor für Uruguay, das die Gruppe D als Zweiter hinter dem starken Außenseiter Costa Rica beendete und am Samstag im Achtelfinale in Rio de Janeiro antritt. Bei Italien sah Claudio Marchisio wegen groben Foulspiels die Rote Karte (59. Minute).

Für den negativen Höhepunkt einer Partie mit vielen Fouls sorgte Uruguays Stürmerstar Luis Suarez, dessen Beißattacke gegen den Italiener Giorgio Chiellini in der 79. Minute vom mexikanischen Schiedsrichter Marco Rodriguez nicht geahndet wurde. Zwei Minuten später sorgte Godin für die Entscheidung, als er einen Eckball von Gaston Ramirez per Kopf im Tor der Italiener unterbrachte. Um das gegen Costa Rica maue Angriffsspiel seiner Mannschaft zu beleben hatte Coach Cesare Prandelli Angreifer Mario Balotelli den künftigen Dortmunder Ciro Immobile an die Seite gestellt. Doch auch mit Doppelspitze fehlte den Azzurri in der Offensive jegliche Durchschlagskraft. Dabei machte die Squadra trotz der hohen Temperaturen um 28 Grad einen frischeren Eindruck als zuletzt und verfügte in Andrea Pirlo über einen exzellenten Ballverteiler. Der 35-Jährige holte sich die Bälle oft weit hinten, um das Spiel seiner Mannschaft anzukurbeln, doch zwingende Chancen blieben in einer von vielen erbitterten Zweikämpfen geprägten Partie trotz leichter Feldvorteile aus. Noch die beste Gelegenheit besaßen die Italiener bei einem Pirlo-Freistoß aus gut 30 Metern, den Uruguays Schlussmann Fernando Muslera mit Mühe über die Latte lenkte (12.).Auch Uruguays Coach Oscar Tabarez ließ seine Mannschaft erstmals im Turnier im 3-5-2-System spielen. Obwohl sie unbedingt gewinnen mussten, investierten die Südamerikaner aber nur wenig in das Spiel.

In der Spitze wurde immer wieder der gegen England zweimal erfolgreiche Suarez gesucht, doch der Angreifer sah sich meist mehreren Abwehrspielern der Squadra gegenüber. Erst in der 33. Minute entzog sich der Superstar seinen Bewachern nach einem Doppelpass mit Edinson Cavani, konnte den glänzend reagierenden Gianluigi Buffon im Tor der Italiener aber aus spitzem Winkel nicht bezwingen. Auch beim Nachschuss von Nicolas Lodeiro war der gegen Costa Rica nicht fehlerfreie Keeper auf dem Posten.

Mit Beginn der zweiten Spielhälfte nahm Prandelli seinen Gelb-Sünder Balotelli vom Feld, brachte in Marco Parolo einen defensiven Akteur und stellte auf ein 3-6-1 um. Die Folge war noch mehr Ballgeschiebe im Mittelfeld. Erst in der 58. Minute gab es den nächsten Aufreger des Spiels durch Cristian Rodriguez, der zwei Italiener stehen ließ, aber knapp an der langen Ecke vorbeischoss. Wenig später war das Spiel für Marchisio beendet, der nach einem Tritt gegen Egidio Arevalo vorzeitig in die Kabine geschickt wurde.In Überzahl gaben die Urus ihre Zurückhaltung auf und erhöhten den Druck. In der 66. Minute verhinderte Buffon gegen Suarez das drohende 1:0 für den Weltranglisten-Siebten, der in der Schlussphase mit Macht auf das Siegtor drängte und schließlich durch Godin erlöst wurde.

Cesare Prandelli hatte nach dem Spiel seinen Rücktritt als Nationaltrainer verkündet. Prandelli hatte die Squadra Azzurra nach dem Vorrunden-Aus bei der WM 2010 als Nachfolger von Marcello Lippi übernommen und das Team anschließend bei der EM 2012 ins Finale geführt. Erst im Mai hatte der 56-Jährige seinen Vertrag bis 2016 verlängert. Italiens Verbandspräsident Giancarlo Abete will allerdings noch um Prandelli kämpfen und hofft, dass der Coach seine Entscheidung revidiert.

</p> <table> <tr> <td><p>Luis Suárez ist wieder rückfällig geworden. Es ist nicht der erste Zwischenfall dieser Art von Suàrez. Bereits zweimal war der Torjäger vom FC Liverpool wegen einer Beißattacke negativ aufgefallen. Erst zu Saisonbeginn hatte er noch sechs Spiele aussetzen müssen, nachdem er in der vergangenen Saison Branislav Ivanovic vom FC Chelsea in den Arm gebissen hatte. </p><p>Und in seiner Zeit bei Ajax Amsterdam hatte er im Spiel gegen den PSV Eindhoven Gegenspieler Otman Bakkal ebenfalls in die Schulter gebissen.</p><p>Seit dem Vorfall in der vergangenen Saison war es eigentlich ruhig um ihn geworden. Mit 31 Toren wurde er Torschützenkönig in der Premier League und hätte Liverpool beinahe zur Meisterschaft geführt. Nun folgte der Rückfall bei der Fußball-WM, der ihm nachträglich eine lange Sperre einbringen könnte. Denn das Sündenregister von Suárez ist voll. </p><p>Neben seinen Beißattacken hat er sich auch sonst einige Male daneben benommen. So hatte der Torjäger in der Saison 2011/12 den dunkelhäutigen Franzosen Patrice Evra von Manchester United rassistisch beleidigt. Acht Spiele Sperre und eine Geldstrafe von 40.000 Pfund waren die Folge. </p><p>Der nächste Eklat folgte wenige Monate später, als der 27-Jährige beim nächsten Aufeinandertreffen zwischen Liverpool und United Evra demonstrativ den Handschlag verweigerte.</p><p>Und auch auf der großen WM-Bühne hatte „El Pistolero“ schon für Schlagzeilen negativer Art gesorgt. Im WM-Viertelfinale 2010 gegen Ghana wehrte Suárez in der 120. Minute einen Schuss mit der Hand auf der Torlinie ab. Asamoah Gyan vergab den anschließenden Elfmeter. Am Ende durfte Uruguay nach einem Sieg im Elfmeterschießen den Einzug ins Halbfinale feiern. Und Suárez feierte sich selbst: „Das war die Parade der WM. Jetzt habe ich die Hand Gottes.“ Die Reaktion sorgte vor allem in Afrika für großen Wirbel.</p><p>Sollte die FIFA die neuerliche Attacke nachträglich ahnden, könnte die WM für den Torjäger schon beendet sein. Dabei war er erst im zweiten Spiel gegen England ins Team zurückgekehrt und hatte beide Tore zum 2:1-Erfolg erzielt. Eine Meniskus-Operation vier Wochen vor der Endrunde hatte die Teilnahme des Stürmers, an dem Champions-League-Sieger Real Madrid interessiert sein soll, infrage gestellt. „Ich mag ihn mehr als jeden anderen Spieler spielen sehen, aber hat sich nicht unter Kontrolle“, twitterte Englands früherer Stürmerstar Michael Owen.</p><p>Am Dienstag war sich Suárez keiner Schuld bewusst: „Die Mannschaft hat erneut Geschichte geschrieben in Brasilien. Wir haben in jedem Moment Selbstvertrauen gezeigt und diesen Sieg verdient. Uruguay ist weiter. Wir werden diesen schönen Moment feiern.“ Das Lachen wird ihm vielleicht bald schon vergehen.</p></td> </tr> </table> <p> </p>

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