WM 2014: Partie gegen Russland : 1:0 – Belgien gewinnt durch Jokertor

Belgien gilt als Geheimfavorit der WM, überzeugte aber auch gegen Russland nicht. Ein Tor kurz vor Schluss bringt den Sieg und das Achtelfinale für die belgische Auswahl. Das Spiel im Fupa-Ticker zum Nachlesen.

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22. Juni 2014, 17:27 Uhr

Rio de Janeiro | Belgiens Coach Marc Wilmots sprang nach dem Duselsieg erleichert in die Luft, Matchwinner Divock Origi schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf. Durch das wenig überzeugende 1:0 (0:0) am Sonntag über Russland quälte sich der Mitfavorit ins WM-Achtelfinale. Der eingewechselte Origi erlöste die „Roten Teufel“ in der 88. Minute nach einer über lange Strecken enttäuschenden Vorstellung. Vor den Augen des belgischen Königs Philippe und 73.819 Zuschauern in der Endspielarena Estádio do Maracanã in Rio de Janeiro reichten den Belgiern knappe zehn Minuten Powerfußball zum Weiterkommen. Russland, immerhin Gastgeber der nächsten WM, droht dagegen das Vorrunden-Aus.

Der Münchner Schiedsrichter Felix Brych bot bei seinem zweiten WM-Auftritt eine gute Leistung. Bei einem Foul des Belgiers Toby Alderweireld an Maxim Kannunikow im Strafraum (26.) blieb seine Pfeife still. Nicht einmal die TV-Bilder gaben sofort Aufschluss.

Der 19 Jahre junge Origi vom französischen Erstligisten OSC Lille konnte sein Glück auch Minuten nach Abpfiff nicht fassen. „Dieses Tor werde ich mein Leben lang nicht vergessen“, stammelte der Stürmer nach dem dritten Joker-Tor der Belgier. Auch Daniel van Buyten atmete auf. „Es war nicht einfach. Wir sind froh, dass wir dieses Tor noch machen konnten“, erklärte der 36-Jährige. „Unsere Intensität war besser als gegen Algerien. Von der Power her wachsen wir von Spiel zu Spiel.“ Russlands Coach Fabio Capello war dagegen ernüchtert: „Das ist Fußball. Wir haben sehr gut gespielt, ich bin vor allem für meine Spieler enttäuscht.“ Wilmots hatte die Partie zu einem „Sechs-Punkte-Spiel“ erklärt, und dementsprechend engagiert ging sein Team die Aufgabe auch an. Anders als beim mühsamen 2:1 zum Auftakt gegen Algerien wollte der Titelkandidat von der ersten Sekunde an die Initiative übernehmen.

Die gegen die Nordafrikaner erst eingewechselten Torschützen Marouane Fellaini und Dries Mertens standen diesmal in der Startelf. Vor allem der agile Mertens vom SSC Neapel sorgte über die rechte Seite für mächtig Schwung und hatte bei zwei gefährlichen Schüssen (20./22.) auch die besten Chancen seines Teams vor der Pause. Darüber hinaus lief bei den hochgelobten Belgiern nach ordentlichem Beginn aber nicht viel zusammen. Chelseas Eden Hazard blieb auf der linken Seite lange blass, Evertons Angreifer Romelu Lukaku enttäuschte völlig.

Die Russen, beim enttäuschenden 1:1 zu Turnierbeginn gegen Südkorea noch überraschend nervös, präsentierten sich bei ihrem zweiten Auftritt wesentlich ruhiger und taktisch disziplinierter. Das Team von Capello gab Belgien wenig Raum zur Entfaltung, mehr als ein paar eigene Zufallskonter sprangen bei der Safety First-Taktik aber nicht heraus. Immerhin hatte Alexander Kokorin 60 Sekunden vor der Pause mit einem Kopfball aus acht Metern frei vor dem belgischen Keeper Thibaut Courtois die beste Chance der ersten Hälfte.

Wo war der Esprit der Belgier, wo der Tempofußball, mit dem die eher schwerfällige Abwehrreihe der Russen in ernsthafte Verlegenheit hätte gebracht werden können? So erlebte Russlands Abwehrstratege Sergej Ignaschewitsch in seinem 100. Länderspiel lange einen relativ ruhigen Nachmittag. Immer wieder forderte Wilmots seine Akteure zu mehr Dringlichkeit auf - fast vergeblich. Die Russen wurden mutiger, aber nicht gefährlicher. Die geduldigen Fans quittierten die Langeweile nach einer guten Stunde mit einem gellenden Pfeifkonzert - und wurden mit einer zumindest packenden Schlussphase noch entschädigt.Nach einem knapp verzogenen Schuss des eingewechselten Andrej Jeschtschenko (81.) klatschte ein Hazard-Freistoß an den Pfosten (84.). Origi sorgte mit dem goldenen Treffer dann für die kollektive Erleichterung.

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