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Fussball-EM 2016 : Vor dem Spiel Deutschland-Ukraine: Acht Tage Fahrrad fahren für die deutsche Mannschaft

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Vor dem Anpfiff des ersten Spiels der Deutschen hat sich EM-Reporter Johannes Kapitza in der Stadt umgesehen. Dabei traf er zwei besondere Deutschland-Fans, die für ihr Team 550 Kilometer mit dem Fahrrad angereist sind.

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erstellt am 12.Jun.2016 | 19:29 Uhr

Lille | Auf www.shz.de/fussball-em finden Sie alle Liveticker, Nachrichten und Infos über die Europameisterschaft.

„Es wird schwer“, sagt der Mann im ukrainischen Trikot auf der Terrasse eines Restaurants am Place du Général de Gaulle, „es wird schwer für beide“. Ausgerechnet gegen den Weltmeister zu starten, ist einerseits ein denkbar schwerer Auftakt für sein Heimatland. Andererseits: Vielleicht ist ja auch die DFB-Elf noch nicht ganz in Form, hofft er.

Wenn er fachsimpelt, ist sein ukrainischer Akzent ist noch zu hören, aber der Programmierer, der mit seinem Sohn nach Lille gereist ist, kommt aus Hamburg. Für ihn wie auch für viele andere Fußballfans aus Deutschland ist Lille eine Reise wert. Der zentrale Platz ist gut besucht von Fans verschiedener Nationen, allen voran der deutschen, aber am Spieltag mehren sich auch die deutschen Autokennzeichen mit Fans in Gelb und Blau. Sie sind in Teilen so sangesfreudig wie die Deutschen, sparen aber auch nicht mit der einen oder anderen Schmähung für den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Zweieinhalb Stunden dauert die Fahrt von Aachen mit dem Auto. Von Berlin ist die Anreise schon eine größere Hausnummer. Trotzdem hängt am Hotel Carlton die Deutschlandfahne eines Hertha-BSC-Fanclubs aus Potsdam. Zwei Zimmer sind in dem Vier-Sterne-Haus für die Nacht vor dem Spiel noch zu bekommen – das Doppelzimmer für 170, eine Suite für 890 Euro. Nicht weit davon, vor der Oper, hat der Fanclub der Nationalmannschaft seine mobile Fanbotschaft aufgebaut.

Timo und Chris legen davor eine Pause ein. Die beiden sind aus Köln angereist – mit dem Fahrrad. Am Samstag sind sie in Lille angekommen, acht Tage zuvor in der Heimat aufgebrochen. 550 Kilometer haben sie nach ihren Aufzeichnungen in den Beinen. Sie schauen das Ukraine-Spiel im Stadion an, danach geht es nach Hause. „Natürlich“ mit dem Rad, allerdings nur bis Brüssel. Dann geht es mit dem Bus weiter. Irgendwann wird sonst der Urlaub knapp.

Deutsche und französische Polizisten laufen auf den Straßen gemeinsam Streife. Die deutschen Beamten sind während des Turniers an allen Spielorten der DFB-Elf im Einsatz. Lille, die Hauptstadt der Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie, ist neben Lens für deutsche Fans der am schnellsten zu erreichende Spielort hinter der Grenze.

Die beiden Städte im Norden Frankreichs liegen knapp 40 Kilometer auseinander. 220.000 Einwohner zählt Lille und ist damit die zehntgrößte Stadt in Frankreich. 1,1 Millionen Menschen wohnen in der Metropolregion, die früher vom Bergbau lebte, aber die Umstellung auf neue Wirtschaftszweige geschafft hat und zu einem Standort für die Wissenschaft geworden ist. Rund 100.000 Studenten leben in Lille. 36 Prozent der Einwohner sind nach einer Statistik des Tourismusbüros 25 Jahre oder jünger.

Der Lille Olympique Sporting Club (OSC) beendete die Saison in der französischen Ligue 1 als Fünfter, aber deswegen sind die internationalen Fußballfans ja nicht hier. 80 Minuten sind es mit dem Zug aus London, was die große Schar an englischen Anhängern erklärt, von denen sich einige in einem heftigen Regenguss erst recht heimisch fühlen – und in den Niederschlägen auf der Fanzone tanzen, während andere Fans Schutz unter Schirmen suchen.

Nicht nur für sie ist Lille ein schnelles Ziel. Auch vier Niederländer haben sich in den Norden Frankreichs aufgemacht. „Wo sind die Holländer?“ haben sie in vier Sprachen auf ihre T-Shirts geschrieben – und nehmen die Nicht-Qualifikation des eigenen Teams mit Humor. EM-Luft wollen sie trotzdem schnuppern über das Wochenende.

Auch für die deutschen Fans könnte Lille noch mal eine Reise wert sein. Nicht, weil der Norden im Gegensatz zum Rest des Landes eher eine Bier- als eine Weinregion ist, sondern weil der Weg der DFB-Elf noch einmal hierher führen könnte. Am 26. Juni um 18 Uhr wird im Stade Pierre Mauroy ein Achtelfinale angepfiffen. Heimrecht hat der Sieger der deutschen Gruppe C.

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