zur Navigation springen

Prügeleien, Bengalos, Rassismus : UEFA ermittelt gegen Kroatien und die Türkei

vom

Am Freitagabend zündeten Fans Bengalos und prügelten sich. Kroatiens Trainer Ante Cacic ist entsetzt: „Das sind Hooligans.“

Darijo Srna war der Erste, der nach diesem Skandalspiel in die Kabine floh. Der Kapitän der Kroaten hatte nach dem Tod und der Beerdigung seines Vaters ohnehin schon eine ganz harte Woche hinter sich. Im Stadion Geoffroy-Guichard von Saint-Etienne musste Srna den nächsten Schock verkraften. „Das ist der schwierigste Tag meiner Karriere“, gestand er unter dem Eindruck der hässlichen Bilder aus dem kroatischen Fanblock.

Nach Prügelszenen im Stadion, dem Zünden von Bengalos und teils rassistischem Fan-Verhalten ermittelt die UEFA gegen die Fußballverbände Kroatiens und der Türkei. Am Samstag eröffnete die Europäische Fußball-Union Disziplinarverfahren gegen beide Verbände.

Beim 2:2 gegen Tschechien am Freitagabend hatten sich einige kroatische Anhänger im Stadion untereinander Schlägereien geliefert und Bengalos gezündet, woraufhin die Partie in Saint-Etienne sogar für vier Minuten vom Schiedsrichter unterbrochen wurde. Laut UEFA sollen einige Kroaten auch mit rassistischen Äußerungen aufgefallen sein.

Im Rahmen der Partie Türkei gegen Spanien (0:3) in Nizza waren ebenfalls Feuerwerkskörper gezündet und Gegenstände auf den Platz geworfen worden. Beide Fälle werden am Montag durch die Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkommission der UEFA verhandelt. Vor allem dem kroatischen Verband droht eine harte Strafe. Dass es zu Ausschreitungen und rassistischem Verhalten kroatischer Fans kommt, ist nicht neu.

Die Kroaten sind bereits mehrfach von der UEFA bestraft worden - unter anderem mit Zuschauerausschlüssen, Geldstrafen und sogar einem Punktabzug in der EM-Qualifikation. Erst im vergangen Sommer war es vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Italien in Split zu einem Skandal gekommen: Unbekannte hatten ein Hakenkreuz in den Rasen des Stadions gebrannt. Auch bei zwei Freundschaftsspielen im März waren diskriminierende Gesänge zu hören gewesen.

Kroatiens Trainer Ante Cacic war nach der Partie gegen die Tschechen außer sich. „Ich nennen das eine Art von Terror. Das sind für mich keine Fans, ich nenne sie Hooligans“, sagte er. Er verurteilte die Vorfälle als „Schande vor den Augen ganz Europas“. Die große Frage ist, ob sich das hochveranlagte Team bei dieser EM noch einmal von diesem Abend erholt. Denn unter dem Eindruck der vierminütigen Unterbrechung kassierten die Kroaten nach einer 2:0-Führung noch den Ausgleich zum 2:2-Endstand. Ihr bester Spieler Luka Modric saß da zu allem Überfluss schon verletzt auf der Bank.

Die Selbstzerstörungskräfte des kroatischen Fußballs scheinen wieder einmal stärker zu sein als das große Talent seiner Spieler.

Auch der türkische Verband muss zumindest mit einer Geldstrafe rechnen. Bereits vor der Partie gegen Spanien hatten einige Anhänger vor den Stadiontoren Bengalos gezündet. Ein weiterer Fan soll während der Partie versucht haben, auf den Platz zu gelangen.

Aus Sicht der UEFA sind die Kroaten bereits mehrfach vorbestraft. Zuschauerausschlüsse, Geldstrafen und sogar ein Punktabzug in der EM-Qualifikation: Das hat es alles schon gegeben.

November 2014: Das Qualispiel in Italien steht kurz vor dem Abbruch, weil kroatische Fans mehrfach Feuerwerkskörper zünden.

März 2015: Beim nächsten Heimspiel gegen Norwegen stimmen die Anhänger rassistische Gesänge an.- Juni 2015: Vor dem Rückspiel gegen Italien präparieren Fans das Spielfeld so, dass darauf ein großes Hakenkreuz zu sehen ist.

März 2016: Bei zwei Freundschaftsspielen gegen Israel und Ungarn sind erneut diskriminierende Gesänge zu hören.

„Wer gibt ihnen das Recht, Modric, Rakitic und Perisic dieses Turnier zu stehlen?“, titelte die Zeitung „Vecernji List“ am Samstag. Denn das Verstörende am Vorgehen dieser Fans ist, wie offenbar gezielt sie die Spiele des eigenen Teams sabotieren. Wäre es bloß um die Ausübung nackter Gewalt gegangen, wäre die Randale womöglich nach der Partie weitergegangen. Doch im Zentrum von Saint-Etienne blieb alles ruhig.

Und so sind sich alle Experten und Beobachter einig, dass es den Anhängern primär um eines geht: Dem eigenen, vermeintlich korrupten und mafiösen Verband zu schaden und ihn wieder und wieder vor aller Öffentlichkeit zu diskreditieren. Das ist ihnen offenbar wichtiger als der Erfolg des kroatischen Team selbst bei einem großen Turnier.

Unklar ist nur noch, wer die brennenden Fackeln auf den Rasen warf und wer anschließend im Fanblock auf wen losging. Die meisten Beobachter sprachen zunächst von Ultras aus Split als Auslöser der Randale. „Spiegel Online“ veröffentliche am Samstag aber einen vermeintlichen Bekenner-Post einer Fangruppe von Dinamo Zagreb.

zur Startseite

von
erstellt am 18.Jun.2016 | 14:51 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen