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Viertelfinale der Europameisterschaft 2016 : Polen gegen Portugal: Duell der EM-Minimalisten

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Zwei bislang eher blasse Stürmerstars und eine ausgeglichene Statistik: Alles zum Spiel Polen gegen Portugal.

shz.de von
erstellt am 30.Jun.2016 | 16:05 Uhr

Marseille | Wenn im ersten Viertelfinale der EM 2016 heute Abend ab 21 Uhr (ARD, Fanticker shz.de) der Ball rollt, geht das Duell der Minimalisten bei dieser Europameisterschaft in die entscheidenden 90 Minuten. Polen schoss in vier Spielen nur drei Tore. Portugal hat zumindest über 90 Minuten noch keine Partie gewonnen. Und das, obwohl beide Teams gerade in der Offensive mit Robert Lewandowski und Cristiano Ronaldo sehr stark besetzt sind.

Bei großen Turnieren trafen beide Länder bislang nur zweimal aufeinander: Bei der WM 1986 gewann Polen mit 1:0, bei der WM 2002 dann Portugal klar mit 4:0. In zehn Aufeinandertreffen siegten die Polen drei Mal, gab es drei Unentschieden und vier Niederlagen.

„Wir wollen das Finale erreichen, das ist unser oberstes Ziel“, sagte Portugals Verteidiger Raphael Guerreiro forsch. Nach dieser Europameisterschaft wird Guerreiro dann zu Borussia Dortmund wechseln und dort nach jetzigem Stand auf die beiden Polen Lukasz Piszczek und Jakub Blaszczykowski treffen.

Robert Lewandowski spielte früher auch für den BVB. Er entwickelte sich dort zu jenem Weltklasse-Stürmer, der er jetzt bei Bayern München ist und der genau deshalb die Frage aufwirft: Was ist los mit ihm bei der EM? Vier Spiele, null Tore, lautet seine bisherige Bilanz bei diesem Turnier. Und so ist man bei den Polen demonstrativ darauf bedacht, bei jeder sich bietenden Gelegenheit dem Mann mit dem „verstopften Torriecher“ („Kicker“) den Rücken zu stärken.

„Er ist einer der weltbesten Stürmer, er ist die beste Nummer neun der Welt“, sagte Nationalcoach Adam Nawalka am Mittwoch in Marseille und betonte: „Ich wiederhole es immer wieder, Robert Lewandowski ist ein sehr wichtiger Spieler für unsere Mannschaft. Ich bin sehr zufrieden mit ihm. Er erfüllt seine Rolle als Kapitän und als Spieler auf dem Feld hervorragend.“ Der Fußtritt des Hoffenheimers Fabian Schär aus dem Achtelfinale gegen die Schweiz habe keine Nachwirkungen. „Er ist in sehr guter körperlicher Verfassung“, sagte Nawalka über seinen Ausnahmestürmer.

Lewandowski selbst sagte zuletzt schmallippig: „Ich muss Geduld haben. Vielleicht werde ich dann belohnt.“ Genau davor haben die Portugiesen nämlich Respekt: vor der Unberechenbarkeit des Bayern-Torjägers. Gleich nach dem Achtelfinal-Sieg gegen Kroatien kam Ricardo Carvalho aus der Kabine, der Abwehrspieler ist mittlerweile 38 Jahre alt. Carvalho war bereits beim EM-Finale 2004 dabei. Er hat in den vergangenen 15 Jahren gegen Thierry Henry, Miroslav Klose oder Lionel Messi gespielt und damit gegen jeden herausragenden Stürmer gleich mehrerer Generationen.

Carvalho weiß also, wovon er redet, wenn er sagt: „Wir müssen auf die Polen aufpassen. Sie haben viele individuell starke Spieler, und sie haben vor allem: einen der besten Stürmer der Welt.“ Und wenn der gerade nicht trifft oder außer Form ist? Carvalho lachte einmal kurz auf, als wolle er damit sagen: alles schon erlebt.

Über die Portugiesen selbst waren gleich in den ersten anderthalb Turnierwochen die gewohnt wuchtigen Cristiano-Ronaldo-Debatten hereingebrochen. Dann hielt der Superstar sein Team mit zwei Toren und einer Vorlage gegen Ungarn im Turnier. Das ewige Talent Ricardo Quaresma hatte gerade erst seinen Stammplatz verloren - dann staubte er gegen Kroatien nach Ronaldos Schuss zum entscheidenden 1:0 ab.

Die Portugiesen wirken umso entspannter, je weiter sie kommen und je lauter die Kritik an ihren Leistungen wird. In der Vorrunde war noch die miserable Chancenverwertung das Problem. Nach dem Sieg gegen Kroatien hieß es dann, Ronaldo & Co. hätten fast schon so defensiv gespielt wie einst die Griechen bei ihrem EM-Triumph 2004.

Minimalismus? Schwaches Spiel? Nani kann damit nichts anfangen. Der 29-Jährige bestreitet mittlerweile sein fünftes großes Turnier und sagt: „Das Wichtigste ist, zu gewinnen. Wenn wir das Finale erreichen sollten, wird auch jeder in irgendeiner Weise zufrieden sein.“

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Portugal: 1 Rui Patricio - 21 Soares, 3 Pepe, 6 R. Carvalho, 5 Guerreiro - 14 W. Carvalho - 10 Joao Mario, 8 Moutinho, 15 Gomes - 17 Nani, 7 Ronaldo

Polen: 22 Fabianski - 20 Piszczek, 15 Glik, 2 Pazdan, 3 Jedrzejczyk - 10 Krychowiak, 5 Maczynski - 16 Blaszczykowski, 11 Grosicki - 9 Lewandowski, 7 Milik

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