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Europameisterschaft in Frankreich 2016 : K.o.-Runde der Extreme: Schiedsrichter macht Kroatien zum Europameister

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Aus der Onlineredaktion

Gehaltene Elfmeter entscheiden am Ende nicht selten über die großen Turniere. Diesmal geschah dies schon in der Vorrunde. Die Fans erwartet nun zwei Wochen lang „Bon Match, Bad Match“.

shz.de von
erstellt am 22.Jun.2016 | 12:14 Uhr

Paris | Die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich wird zum Zwei-Klassen-Turnier. Das liegt einerseits an der zum Teil bescheidenden spielerischen Qualität, die mit dem aufgemotzten Modus mit 24 Mannschaften zusammenhängt. Akut hängt dies aber mit einem regelwidrig gehaltenen Elfmeter im Spiel Spanien gegen Kroatien zusammen. Durch den Sieg der Kroaten wird die gesamte K.o.-Runde eine recht absurde Veranstaltung.

Durch den veränderten Modus der EM-Endrunde ist die Zusammensetzung der Paarungen ein wenig komplizierter. Neben den beiden Gruppenbesten erreichen auch die vier besten Drittplatzierten das Achtelfinale. Das sorgt für Verwirrung und zum Teil für unsinnige Paarungen.


In dem einen Auslosungsarm streiten sich jetzt die international zuvor selten in Erscheinung getretenen Mannschaften von Kroatien, Wales, Polen, der Schweiz und drei noch zu ermittelnde Gruppendritte gegenseitig um den Einzug ins Finale. Auf den anderen Plätzen kämpfen die (Ex-)Weltmeister und Top-Favoriten Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich und England um das selbe Ziel – ganz unter sich. Kroatien, so scheint es, ist in dieser Konstellation ein klarer Favorit für das Finale – und die Auswahl von Trainer Ante Čačić wird dort auf einen Gegner treffen, der sich bereits ordentlich blutige Knie geholt hat. Der Sieg gegen die Spanier kann somit als erstes 12-Punkte-Spiel in die Geschichte eingehen, denn Teams auf Augenhöhe dürften den Kroaten bis zum Endspiel mit Ausnahme von Polen wahrscheinlich nicht mehr begegnen.

Wie man als Gruppendritter weiterkommt

Unter den sechs Gruppendritten wird eine Tabelle erstellt. Bei Punktgleichheit sind die Tordifferenz und später die mehr erzielten Tore entscheidend. Danach kommen Fairplay-Wertung, dann der UEFA-Koeffizient zum Tragen. Die besten vier Mannschaften dieser Tabelle treffen im Achtelfinale auf die vier Sieger der Gruppen A, B, C und D.

Der gesamte Turnierverlauf hängt an einer Fehlentscheidung in der 72. Minute: Es gibt einen umstrittenen Elfmeter für Spanien bei Spielstand von 1:1 gegen Kroatien, die Vorentscheidung naht. Kroaten-Kapitän Darijo Srna läuft nach einem Briefing mit der Trainerbank zu seinem Torwart Danijel Subasic und flüstert ihm etwas ins Ohr. Lähmende Psychologie, die offenbar auch den niederländischen Unparteiischen Björn Kuipers verwirrte. Der Schlussmann vom AS Monaco greift bei der Ausführung zu unfairen Mitteln. Er rennt dem Elfmeterschützen Sergio Ramos mit flinken Schritten entgegen, irritiert den Spieler so und verkürzt den Winkel dramatisch zu seinem Vorteil. Laut Regel darf der Keeper sich zwar auf der Linie seitwärts bewegen, diese aber nicht verlassen. Den Schiedsrichter kümmert dieser gelegentlich in der Kreisliga anzutreffende Trick nicht: Stattliche 3,14 Meter vor der Linie pariert der Kroate den harten Schuss des Innenverteidigers – und der Pfiff bleibt aus. Kuipers lässt statt der laut Regelwerk vorgesehenen Wiederholung weiterspielen. Kroatien nutzt den Wirkungstreffer, dreht das Spiel um und gewinnt durch ein Tor in der Schlussphase mit 2:1. Das Turnier ist gelaufen.

Weil der amtierende Titelträger Spanien patzte, muss er im Achtelfinale gleich gegen Italien ran. Das wäre ein würdiges Finale. Bon Match, Bad Match: Am ersten Achtelfinal-Spieltag gibt es drei Partien: Schweiz gegen Polen, Wales womöglich gegen Albanien, Kroatien womöglich gegen Island. Diese Absurdität wird sich bis ins Finale durchziehen. Mitfavorit Belgien sollte sich heute gut überlegen, ob eine Niederlage gegen Schweden nicht sogar sinnvoll wäre. Über Platz drei könnten sie nämlich mit ein bisschen Glück Kroatiens Gegner im Achtelfinale werden.

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