zur Navigation springen

Fussball-EM 2016 : Island ist im EM-Achtelfinale - und ein TV-Kommentator rastet aus

vom

Island schlägt im letzten Gruppenspiel Österreich und steht im Achtelfinale. Ein Fernsehkommentator kann seine Freude nicht verbergen und dreht durch.

shz.de von
erstellt am 23.Jun.2016 | 11:52 Uhr

Die Sensation ist perfekt. Island hat es geschafft und steht zum ersten Mal in einem Achtelfinale einer Fußball-Europameisterschaft. Deutsche Kommentatoren sind ja eher etwas zurückhaltend bei ihrem Jubel. Nicht so Guðmundur Benediktsson, Gummi Ben genannt, aus Island. Mit einem ohrenbetäubenden Geschrei peitscht er die Spieler bei ihrem Konter nach vorn, um nach dem Siegtor zum 2:1 gegen Österreich komplett auszurasten.

 

Da merkt man: Er brennt für sein Team. Seine am Ende kaum noch zu verstehenden, mehr einem Röcheln gleichenden Worte hier in einer Übersetzung: „Und Theódór Elmar - er ist ganz alleine. Drei gegen zwei. Emmi, ab in den Kasten! Ab in den Kasten! Emmi. Ja! Ja!“, schreit Benediktsson - nach Luft schnappend, quietschend, quiekend, in einem dem Wahn nahen Ton, als das Tor im letzten Gruppenspiel fällt. Es ist Islands erster Sieg bei einer Fußball-EM.

„Ja! Ja! Ja! Wir gewinnen das hier! Wir sind unter den letzten 16. Wir sind unter den letzten 16. Wir haben gegen Österreich gewonnen!“, röchelt Benediktsson nach dem Treffer weiter. „Meine Stimme ist weg, aber das ist egal. Wir sind durch. Arnor Ingvi Traustason hat getroffen. Island 2, Österreich 1. Wer hätte das gedacht! Wer hätte das gedacht! Der Schlusspfiff ist da! Ich hab mich noch nie, nie so gut gefühlt. Arnor Ingvi Traustason sichert Island den ersten Sieg bei der EM. Wir haben kein Mal verloren, vergesst das nicht, wir haben kein Mal verloren, aber der erste Sieg ist da. Island 2, Österreich 1. Danke, dass ihr gekommen seid, Österreich. Danke fürs Kommen.“

Bereits beim 1:1 gegen Portugal war der Reporter kaum zu halten.

Und wenn man Gummi Ben auch noch beim Ausrasten zusehen kann, wird es noch witziger. Hier beim 1:1 gegen Portugal...

...und beim 2:1 gegen Österreich:

 

Nach dem Freudentaumel braucht der Kommentator vermutlich erstmal etwas Erholung und eventuell neue Stimmbänder, ehe es dann im Achtelfinale gegen den isländischen Wunschgegner England geht. Auch die Fußballer brauchen eine Pause. Nach ihrem sensationellen Einzug ins EM-Achtelfinale waren Islands Fußballhelden völlig platt. „Wir werden ihnen jetzt einfach sagen: „Geht schlafen und erholt euch“, sagte Trainer Heimir Hallgrimsson am Mittwochabend im Anschluss an den 2:1-Erfolg gegen Österreich. „Es ist Zeit, sich zu erholen. Wir brauchen das jetzt sehr.“

Schon am kommenden Montag steht das nächste Kapitel in dieser verrückten Fußallgeschichte an. Mit dem Spiel gegen England gehe für ihn und seine Mannschaftskollegen „ein Traum in Erfüllung“, sagte Islands erschöpfter Innenverteidiger Kari Arnason. „Eigentlich bin ich Fan von England, wenn ich sie im Fernsehen sehe. Das ist also etwas ganz Besonderes.“

Eine der größten Sensationen in der EM-Geschichte hatte zuvor im Stade de France erst in der Nachspielzeit ihren Höhepunkt erlebt. Praktisch mit dem Abpfiff hatte der eingewechselte Arnor Ingvi Traustason (90.+4) die rund 10.000 mitgereisten Fans aus Island in Ekstase versetzt. Sein spätes Siegtor sicherte ihm und seinen Teamkollegen den zweiten Platz in der Gruppe F - und zwei zusätzliche Tage zur Regeneration.

Denn bei einem Unentschieden hätte Island schon am Samstag im Achtelfinale gegen Kroatien gespielt. „Das war ein zusätzlicher Sieg, als Zweiter diese Gruppe zu beenden und dadurch mehr Tage zur Erholung zu haben“, sagte Trainer Hallgrimsson. Er sei sehr stolz auf seine Spieler. „Und wenn man sich unsere Leistung ansieht, dann habe ich auch keine Angst vor England.“

Neben den Fußballern und dem Kommentator sollten sich auch die isländischen Fans etwas Ruhe gönnen und ihre Stimmen schonen, damit sie auch gegen England wieder so schön singen können.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen