zur Navigation springen

EM 2016 : Gerhard Delling: Spielfreie Tage - es geht ums Geld

vom

Das Wetter ist gut - immerhin. Denn sechs Tage ohne Spiel sind für die deutsche Nationalmannschaft ganz schön lang, schreibt unser Kolumnist Gerhard Delling.

Das Wetter ist gut in Evian, und das wiederum ist gut für die Titelambitionen der deutschen Fußball-Nationalelf. Denn ausgerechnet jetzt, in dieser wichtigen Phase vor dem Viertelfinale, hat die EM dann doch ihre Längen. Sechs Tage kein Spiel – das ist wie Bundesliga-Alltag, nur dass keiner nach Hause darf und alle schon seit sechs Wochen aufeinanderhocken. Da kann ein bisschen Sonnenschein zur Aufhellung des Gemüts sicher nicht schaden.

Bundestrainer Joachim Löw macht derweil ebenfalls auf gut Wetter. Er lässt seine Spieler an der langen Leine und spendierte am Dienstag sogar einen freien Tag. Somit bot sich die Chance, den einen oder anderen DFB-Star im Restaurant (Jerome Boateng), am Genfer See (Mario Gomez) oder auf dem Golfplatz (Thomas Müller) anzutreffen. Oder ganz allein auf dem Zehn-Meter-Turm des  Schwimmbads –  Mats Hummels hatte da oben nach eigener Aussage „ziemlich wacklige Beine“.

Wie gesagt, zum Glück ist das Wetter gut – und damit die Stimmung. Das macht es leichter, den Schalter wieder umzulegen. Und das geschieht jetzt zunehmend von Tag zu Tag: Gestern gab es ein intensives Training, das fast 90 Minuten dauerte, heute eine Einheit für die Feinjustierung hinter verschlossenen Türen.

Dennoch: Die vielen spielfreien Tage bei dieser XXL-EM gehen allen Beteiligten zunehmend auf die Nerven. Zumal die langen Pausen sicher nicht den Zweck haben, den Spielern Regenerationszeit zu geben. Nein, Teams, Fans, Journalisten: Sie alle  sollen augenscheinlich möglichst lange in Frankreich bleiben, um reichlich Geld im Gastgeberland zu lassen. Der Fokus liegt auf Wirtschaftlichkeit – nicht auf Begeisterung. Bester Beleg dafür ist die Tatsache, dass die vier Viertelfinalpartien unnötigerweise auf vier Tage gestreckt wurden.

Ob es nun mit den langen Wartezeiten zu tun hat oder nicht: Von EM-Fieber ist in Frankreich jedenfalls nichts zu spüren. Nicht im Quartier der deutschen Elf im beschaulichen Evian-les-Bains, nicht in den Ausrichterstädten, nicht im Rest des Landes. Ich  werde den Eindruck nicht los, dass Frankreich zurzeit mehr mit sich selbst zu tun hat, mit Streiks, Arbeitskämpfen, gesellschaftlichen Problemen und Terrorbekämpfung.

Das ist schade. Aber in diesen Tagen nicht ganz so schlimm, denn: Immerhin ist das Wetter gut.

zur Startseite

von
erstellt am 30.Jun.2016 | 13:21 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen