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Jahr der Genossenschaften : Gemeinsam viel erreichen

vom

2012 ist das internationale Jahr der Genossenschaften, und klar ist: Keine Personengemeinschaft ist moderner und schlagkräftiger, denn hier verfolgen viele Menschen dasselbe Ziel.

shz.de von
erstellt am 29.Mai.2012 | 01:25 Uhr

Was macht Genossenschaften eigentlich so besonders? Auf den ersten Blick scheint es, als handelten die Wohnungsbaugenossenschaften im Land am Markt wie andere gewinnorientierte Wohnungsanbieter auch. Wer genauer hinschaut sieht: Keine Genossenschaft ist auf schnelles Geld aus, Gewinne fließen nicht in die Taschen einiger weniger Investoren, sondern in neue gemeinsame Vorhaben und zum Teil sogar direkt an die "Kunden" zurück. Denn das ist das Besondere an Genossenschaften: Ihre Kunden sind zugleich auch ihre Eigentümer, und die dürfen profitieren, wenn Geschäfte gut laufen.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie es zu dieser einmaligen Unternehmensform kam. Die meisten Baugenossenschaften entstanden in Zeiten von Wohnungsnot - viele nach einem Krieg - als sich Menschen zusammenschlossen, um Häuser, später ganze Stadtteile neu zu bauen. Diese Genossenschaften wuchsen schnell. Aus zehn oder zwanzig Leuten wurden Unternehmen mit hunderten, oftmals tausenden Mitgliedern, die aber ihren genossenschaftlichen Grundprinzipien der Anfangszeit treu blieben.
Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung – diese Grundsätze vereinen sämtliche Genossenschaften nach wie vor. So haben sich die Mitglieder aller Unternehmen freiwillig zusammengeschlossen, um gemeinsam guten Wohnraum zu schaffen (Selbsthilfe). "Unsere Mitglieder können ihr Leben lang bei uns wohnen", erläutert etwa Sven Auen, Vorstand der Woge in Kiel. "Darüber hinaus haben sie Möglichkeiten der Mitbestimmung, Mitwirkung und Gewinnbeteiligung." So trage jeder Verantwortung, der in seinem Umfeld die Unternehmenskultur beeinflusse (Selbstverantwortung) und jeder könne – über die Mitgliederversammlung oder eine demokratisch gewählte Vertreterversammlung (siehe Abbildung) - mitbestimmen, welche Mitglieder die Geschäfte führen sollen (Selbstverwaltung). Denn soviel steht fest: Vorstand oder Aufsichtsrat einer Genossenschaft darf nur ein Mitglied werden.
Das Wohl aller Mitglieder steht im Fokus des genossenschaftlichen Handelns. Das spiegelt sich zum Beispiel in den zahlreichen Aktivitäten der Wankendorfer Baugenossenschaft wider: "Wir stecken viel Geld in die Modernisierung der Wohnanlagen, achten aber auf günstige Mieten“, erläutert ihr Vorstandsvorsitzender Helmut Knüpp. Ein Umstand, der auch für andere Baugenossenschaften gilt.
Ein Vorteil der Mitglieder ist, dass sie keine drastischen Mieterhöhungen erwarten müssen. "Denn nicht eine möglichst hohe Gewinnausschüttung ist das wichtigste Unternehmensziel, sondern die nachhaltige Werterhaltung und Wertsteigerung des Immobilienbestandes", sagt Knüpp. Und: "Die regionale Verbundenheit ist uns wichtig. Zum einen sind wir fest in unseren Standorten verwurzelt und kümmern uns um die Entwicklung ,unserer’ Städte und Gemeinden. Zum anderen achten wir darauf, mit lokal verhafteten Betrieben zusammen zu arbeiten, damit wir mit unseren Investitionen etwas für die Region tun können."
Die gesellschaftliche und soziale Verantwortung ist wichtig im genossenschaftlichen Handeln, betont Doris Schwentkowski, geschäftsführender Vorstand der Kiel-Ost eG. Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit müssten im Einklang miteinander stehen, mahnt sie. So unterstützt die Kiel-Ost eG neben ihren zahlreichen Bau- und Sanierungsaktivitäten viele Projekte, die den sozialen Zusammenhalt in Nachbarschaften fördern. Gemeinsam mit der Kieler Straßenzeitung Hempels unterstützt die Genossenschaft sogar die soziale Integration Wohnungsloser durch Sportveranstaltungen wie Straßenfußballturniere. Dieses für Genossenschaften typische soziale Engagement wirke bis hinein in die durchdachte Konzeption neuer Wohnanlagen, ergänzt Stephan Seliger, Vorstand der GWU Eckernförde. Dazu gehörten "beispielsweise gut ausgestattete Kinderspielplätze für die Kleinsten unserer Bewohner." Und für Familienfeiern von Mitgliedern, die zuhause nicht ausreichend Platz haben, seien genossenschaftliche Gemeinschaftsräume für Feierlichkeiten wichtig. So sind Gästewohnungen und verschiedene Gemeinschaftseinrichtungen in den meisten Baugenossenschaften heute selbstverständlich.
Eine eigene Spareinrichtung finden die Mitglieder dagegen nicht in jeder Genossenschaft. Unter anderem der Lübecker Bauverein bietet diese Besonderheit. Das Unternehmen legt die Sparguthaben solide und gut verzinst an, verspricht Vorstand Stefan Probst. "Denn jeder Euro, der in diese Spareinrichtung fließt, wird in den eigenen Wohnungsbestand investiert." Selbst hier gilt also ganz genossenschaftlich: Das Geld bleibt im Unternehmen.

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