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Fussball-EM 2016 : Fangewalt: UEFA droht England und Russland mit EM-Ausschluss

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Vor der EM war die Angst vor Terroranschlägen groß. Nach dem ersten Wochenende überlagert aber massive Fangewalt das Geschehen.

Marseille/Nizza | Auf www.shz.de/fussball-em finden Sie alle Nachrichten über die Europameisterschaft gebündelt.

Nach den brutalen Jagdszenen von Marseille und Nizza hat die UEFA mit großer Schärfe reagiert und England und Russland einen historischen Turnierausschluss angedroht. Sollte sich die Fangewalt vom Wochenende wiederholen, müssen beide Mannschaften mit der sofortigen Heimreise von der EM in Frankreich rechnen, teilt die Europäische Fußball-Union am Sonntag nach einer Krisensitzung ihres Exekutivkomitees mit. Man werde „nicht zögern“ weitere Sanktionen gegen die Verbände zu verhängen, „inklusive der möglichen Disqualifikation der betreffenden Teams vom Turnier, sollte sich die Gewalt wiederholen“, hieß es in einem UEFA-Statement.

Die Randale in den südfranzösischen Metropolen hatte den Auftakt der Fußball-EM überschattet und neue große Sorgen um die Sicherheit bei dem Mammut-Turnier in Frankreich ausgelöst. Mit Entsetzen und Abscheu reagierten Politiker und die Turnier-Verantwortlichen auf die Ereignisse um vornehmlich russische und englische Fans am Samstagabend mit mindestens 44 Verletzten und zahlreichen Festnahmen, die sogar die große Terrorangst zum EM-Startwochenende in den Hintergrund drängten.

Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve verurteilte das Geschehen als „unverantwortliches und mutwilliges Verhalten von Pseudo-Fans“. Doch auch am rigorosen Verhalten der Sicherheitskräfte gab es Kritik. Der russische Sportminister und FIFA-Funktionär Witali Mutko bemängelte sogar öffentlich die schlechte Organisation im Stadion.

Die Polizeipräfektur in Marseille, wo ein Brite lebensgefährlich verletzt wurde, vermeldete insgesamt 35 Verletzte und acht Festnahmen. Diese Zahlen scheinen angesichts der Bilder von wilden Prügelszenen und Tränengaseinsatz der Polizei noch sehr gering. Aus Nizza meldeten die Behörden eine Schlägerei von Fans aus Nordirland und Polen, die von 20 bis 30 Ultras aus Nizza provoziert worden seien. Die Bilanz dort: Neun Personen mussten ins Krankenhaus, drei andere wurden festgenommen.

Am Mittwoch und Donnerstag spielen Russen und Engländer in Lille beziehungsweise Lens ihre nächsten Gruppenspiele in zwei EM-Nachbarorten.

 

In Marseille war es den dritten Tag in Serie zu Gewaltszenen in der Stadt gekommen. Im Stadion eskalierte die Situation kurz vor dem Abpfiff: Augenscheinlich russische Anhänger gingen auf englische Fans los, die in benachbarten Blöcken saßen, und prügelten wild auf diese ein. Dabei flüchteten die Attackierten sogar über Zäune bis in den Innenraum.

Dem Augenschein nach waren die verschiedenen Fangruppen nur unzureichend voneinander getrennt gewesen. Dies bemängelte auch Topfunktionär Mutko: „Man muss solche Spiele gut organisieren und die Fans (im Stadion) trennen“, sagte er Moskauer Medien zufolge.

Russland steht als WM-Gastgeber 2018 besonders im Fokus. Bislang hatten die Funktionäre Fangewalt als Problem im heimischen Fußball zurückgewiesen. „Was hat die WM 2018 damit zu tun?“, fragte nun Mutko im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP.

Mark Whittle, Sprecher des englischen Fußball-Verbandes (FA), appellierte in einer nach dem Spiel verlesenen Erklärung an die englischen Fans, ihre Mannschaft respektvoll zu begleiten. „Die FA ist sehr enttäuscht über die Szenen heute. Nun liegt es in den Händen der Behörden“, sagte Whittle.

 

In Marseille setzte die Polizei bei den Krawallen am alten Hafen wie auch an den beiden Vortagen immer wieder Tränengas ein, um die Hooligans auseinanderzutreiben. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Anhänger beider Teams mit großer Brutalität mit Stühlen, Metallstangen und anderen Gegenständen aufeinander losgingen.

Die französischen Medien reagierten schockiert auf die Fan-Gewalt. „Die Schande“, titelte die Sportzeitung „L'Équipe“ am Sonntag. Sie sprach von „Guerillaszenen“ in der Mittelmeerstadt. „Am zweiten Tag des Wettbewerbs steht die EM schon im Zeichen der Angst“, so das Blatt. Die Sonntagsausgabe der Tageszeitung „Le Parisien“ sprach von Szenen unerhörter Gewalt: „Trotz des Ausnahmezustands, obwohl jeder wusste, dass die Begegnung zwischen England und Russland explosiv ist, hatte der zweite EM-Tag im alten Hafen Züge von Bürgerkrieg.“

Die Ehefrau von Englands Stürmer Jamie Vardy machte der Polizei schwere Vorwürfe: „Das war eine der schlimmsten Erfahrungen jemals bei einem Auswärtsspiel! Ohne Grund mit Tränengas beschossen, eingesperrt und behandelt wie Tiere“, twitterte Rebekah Vardy in der Nacht zu Sonntag. Sie bezog sich damit auf Vorkommnisse vor dem Spiel, die sie demnach live erlebte hatte.

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erstellt am 12.Jun.2016 | 12:39 Uhr

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