zur Navigation springen

Soziales Miteinander : "Einsam muss hier niemand sein"

vom

"Gemeinsames Wohnen der Generation 60 plus" heißt das Projekt in Lübeck. Eine neue Wohnform, die sicherlich Schule machen wird.

Schon alleine die Tatsache, dass Werner Kranz ein Mann ist, macht ihn in seiner Wohnanlage zu einem Exoten. Doch auch wenn er einer totalen Minderheit angehört, fühlt er sich in seiner Wohnumgebung absolut wohl. Er sagt: "Das klappt ganz gut. Es ist ein herrliches Wohnen. Ich habe meine eigenen vier Wände, bin aber trotzdem nie allein." Kranz lebt im Lübecker Stadtteil St. Gertrud in einer Wohnanlage, die es in einer solchen Form vorher nirgends in Deutschland gab. Seit dem Einzug im Frühling 2010 heißt das Stichwort "Gemeinsames Wohnen der Generation 60 plus." 39 Damen, zwei Herren und ein Paar bringen Leben in die Wohnanlage. Fast alle Bewohner leben alleine – und sind doch nie einsam.
6,3 Millionen Euro hat der Lübecker Bauverein investiert, um in unmittelbarer Nähe zum Stadtpark auf 2.400 Quadratmetern Wohnfläche 42 Genossenschaftswohnungen, eine Gästewohnung und Gemeinschaftsräume zu errichten. Für Werner Kranz hat sich das Wohnprojekt als ein Glücksfall herausgestellt. Aber er gestaltet auch aktiv mit, dass es so bleibt. Der 74-jährige ehemalige Werkzeugmacher sitzt im fünfköpfigen Beirat. Das Gremium verhandelt mit der Genossenschaft, falls Redebedarf besteht. "Das läuft sehr kooperativ", lobt Kranz. So wurde beispielsweise auf Initiative der Hausbewohner vor dem Eingang ein Laubengang errichtet. Auch bei der Auswahl von neuen Mietern hat der Beirat Mitspracherecht.
Die Stimmung im Haus ist gut. Jeder passt auf jeden auf, jeder hilft jedem. Neulich hatte eine Dame einen Arm gebrochen. Selbstverständlich sind zwei andere Bewohner eingesprungen und haben sie umsorgt und für sie eingekauft. Einmal im Monat treffen sich alle Anwohner, um sich auszutauschen und weitere Ideen für ihr Zuhause zu entwickeln. Werner Kranz fühlt sich wohl in seinem Umfeld. Er kann sich in seine Wohnung zurückziehen, wenn er Ruhe für sich braucht. Hat er Lust auf Gesellschaft, braucht er nur vor die Tür zu gehen. Und sollte er doch einmal Hilfe benötigen, hat er vielfache – weibliche – Unterstützung in der direkten Umgebung.

zur Startseite

von
erstellt am 29.Mai.2012 | 01:26 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen