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#DFBgate : FIFA-Skandal: WM 2006 in Deutschland möglicherweise gekauft

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Erst tauchen Ungereimtheiten zu einer Millionen-Zahlung auf. Mutmaßlich sollen jetzt auch vier Stimmen zur WM 2006 in Deutschland gekauft worden sein.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2015 | 16:35 Uhr

Frankfurt am Main | Für den Zuschlag der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland soll nach einem unbestätigten Bericht des „Spiegels“ Geld aus einer schwarzen Kasse des Bewerbungskomitees geflossen sein. Wie das Nachrichtenmagazin auf Spiegel Online ohne Nennung von Quellen berichtet, sollen vier entscheidende Stimmen aus dem FIFA-Exekutivkomitee gekauft worden sein.

„Das Bewerbungskomitee hatte eine schwarze Kasse eingerichtet, die der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus heimlich mit 10,3 Millionen Schweizer Franken gefüllt hatte - damals 13 Millionen Mark.“, berichtet Spiegel Online. Louis-Dreyfus starb im Jahr 2009. Adidas gab zunächst keine Stellungnahme ab. Eingeweiht waren laut der Nachrichtenseite unter anderem Chef des Bewerbungskomitees, Franz Beckenbauer, und Wolfgang Niersbach, der heutige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. Zusammen mit den europäischen Vertretern war Deutschland bei der Vergabe auf 12 Stimmen gekommen. Auf Mitkonkurrent Südafrika entfielen damals 11 Stimmen. Der Neuseeländer Charles Dempsey hatte sich enthalten.

Louis-Dreyfus soll laut Spiegel Online das Geld eineinhalb Jahre vor der WM zurückgefordert haben. Im April seien daraufhin 6,7 Millionen Euro an die FIFA für ein angebliches Kulturprogramm und von dort an Louis-Dreyfus gezahlt worden.

Der suspendierte FIFA-Präsident Sepp Blatter hatte bereits im Jahr 2012 angedeutet, dass die Vergabe an Deutschland durch Korruption zustande gekommen sein könnte. Damals sagte Blatter in einem Interview mit der „Blick“: „Gekaufte WM… Da erinnere ich mich an die WM-Vergabe für 2006, wo im letzten Moment jemand den Raum verließ. Und man so statt 10 zu 10 bei der Abstimmung ein 10 zu 9 für Deutschland hatte. Ich bin froh, musste ich keinen Stichentscheid fällen. Aber, na ja, es steht plötzlich einer auf und geht. Vielleicht war ich da auch zu gutmütig und zu naiv".

Der DFB hatte zuvor in einer Pressemitteilung Ungereimtheiten rund um eine Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an die FIFA eingeräumt. Es habe aber keine Anhaltspunkte gegeben, „dass Stimmen von Delegierten im Zuge des Bewerbungsverfahrens gekauft wurden.“

Der Fußball-Weltverband will die Ungereimtheiten um den Erhalt einer Millionen-Zahlung des deutschen Organisationskomitees für die WM 2006 nicht kommentieren und hat den Fall an die Audit- und Compliance-Kommission weitergeleitet. Das teilte die FIFA am Freitag mit. Aus noch unbestätigter Quelle sind weitere verheerende Informationen über die WM 2006 aufgetaucht. Angeblich sollen damals vier Stimmen aus dem FIFA-Exekutivkomitee gekauft worden sein.

Zuvor hatte der DFB selbst mitgeteilt, dass ihm „Hinweise bekannt geworden seien, „dass im April 2005 eine Zahlung des Organisationskomitees der WM 2006 in Höhe von 6,7 Millionen Euro an die FIFA geleistet wurde, die möglicherweise nicht dem angegebenen Zweck entsprechend verwendet wurde“, heißt es darin. Eigentlich sollte das Geld für das Kulturprogramm der FIFA genutzt werden, mit dem seinerzeit fast 50 Kulturprojekte rund um die Weltmeisterschaft unterstützt wurden.

Der Hintergrund des Falls: Im Zuge des FIFA-Skandals und der Korruptions-Vorwürfe gegen den Weltverband hatte der DFB intern noch einmal eine Untersuchung der Vergabe der WM 2006 im eigenen Land angeordnet. Dabei seien keinerlei Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gefunden worden. „Ebenso wenig haben sich irgendwelche Anhaltspunkte dafür ergeben, dass Stimmen von Delegierten im Zuge des Bewerbungsverfahrens gekauft wurden“, heißt es in der Presseerklärung.

Unter dem #DFBgate reagieren die Nutzer auf Twitter auf den Fifa-Skandal.

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