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Vergabe-Affäre um WM 2006 : Fifa leitet Verfahren gegen Beckenbauer, Niersbach und Zwanziger ein

vom
Aus der Onlineredaktion

Das Organisationskomitee der WM 2006 ist ins Visier der Fifa gerückt. Die Mitglieder könnten den Ethikcode verletzt haben.

shz.de von
erstellt am 22.Mär.2016 | 16:44 Uhr

Zürich | Die Fifa-Ethikkommission hat ein Verfahren wegen der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 an Deutschland eröffnet. Die Untersuchungen richten sich unter anderem gegen den früheren DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und den damaligen Organisationskomitee-Chef Franz Beckenbauer. Das teilt der Fußball-Weltverband am Dienstag mit.

Wegen möglicher Schadenersatzforderungen im Zuge der WM-Affäre sollen Beckenbauer und Co. in der nächsten Woche auch vor einem Hamburger Schiedsgericht aussagen. Immer noch bestreiten Beckenbauer und der frühere DFB-Päsident Wolfang Niersbach, von Schmiergeldzahlungen gewusst zu haben.

Die Fifa ermittelt zudem gegen den ehemaligen DFB-Chef Theo Zwanziger, die früheren Generalsekretäre Helmut Sandrock und Horst R. Schmidt sowie den Ex-Direktor Stefan Hans. Alle sechs waren Mitglieder des Organisationskomitees für die WM. Sie werden jeweils verdächtigt, den Fifa-Ethikcode verletzt zu haben.

Franz Beckenbauer

Franz Beckenbauer (70 Jahre alt), damals Präsident des Organisationskomitees. Ehemaliger Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes, ehemaliges Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees.

Wolfgang Niersbach

Wolfgang Niersbach (65), damals Vizepräsident des Organisationskomitees. Ehemaliger Präsident des DFB. Aktuell noch in den Exekutivkomitees der FIFA und der UEFA.

Theo Zwanziger

Theo Zwanziger (70), damals Vizepräsident des Organisationskomitees. Ehemaliger Präsident des DFB. Ehemaliges Mitglied der Exekutivkomitees der FIFA und der UEFA.

Horst R. Schmidt

Horst R. Schmidt (74), damals Vizepräsident des Organisationskomitees. Ehemaliger Generalsekretär des DFB.

Helmut Sandrock

Helmut Sandrock (59), damals Turnierdirektor des Organisationskomitees. Ehemaliger Generalsekretär des DFB.

Stefan Hans

Stefan Hans (55), damals Finanzchef des Organisationskomitees.

 

Die Fifa-Ethikhüter erklärten, dass sie vor Einleitung des Verfahrens den Untersuchungsbericht der vom DFB beauftragten Kanzlei Freshfield geprüft hätten. Im Zentrum der Affäre stehen zwei Zahlungen von 6,7 Millionen Euro.

Mit Hilfe von Robert Louis-Dreyfus überwiesen Beckenbauer und sein Manager Robert Schwan diese Summe 2002 zunächst über ein Konto in der Schweiz an eine Firma des früheren Fifa-Funktionärs Mohamed bin Hammam in Katar. 2005 zahlte das WM-OK die 6,7 Millionen an den früheren Adidas-Chef Louis-Dreyfus zurück - allerdings bewusst falsch deklariert als Beitrag zu einer WM-Gala, die am Ende nie stattfand.

Unterdessen sollen Franz Beckenbauer, Wolfgang Niersbach und andere in der nächsten Woche wegen möglicher Schadenersatzforderungen in der WM-Affäre vor einer Hamburger Schlichtungsstelle aussagen. Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger bestätigte der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag einen entsprechenden Bericht der „Süddeutschen Zeitung“. Als Mitglied des Organisationskomitees der Fußball-WM 2006 - wie auch Beckenbauer und Niersbach - hat Zwanziger eine Vorladung der Öffentlichen Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle (ÖRA) für den Dienstag nach Ostern erhalten.

Laut SZ-Bericht ist allerdings keiner der damaligen WM-Macher verpflichtet, vor der Schlichtungsstelle auszusagen. Beckenbauer, Niersbach, Fedor Radmann und Horst R. Schmidt wollen demnach zu dem Termin in Hamburg auch nicht erscheinen. Nur Zwanziger erklärte auf Nachfrage: „Ich halte mir offen, mit meinem Anwalt dorthinzugehen.“

Der Deutsche Fußball-Bund hatte Ende 2015 mehrere Güteanträge bei der ÖRA eingereicht. Der DFB möchte damit verhindern, dass mögliche Schadenersatzansprüche an die früheren OK-Mitglieder verjähren. Von der ÖRA gab es am Dienstag auf dpa-Anfrage keine näheren Auskünfte.

 

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