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Affäre Blatter : FIFA-Böcke in der Rolle als Gärtner

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Ausgerechnet die Ex-FIFA-Funktionäre mit dem schlechtesten Ruf bringen Schwung in den Fall Blatter.

shz.de von
erstellt am 04.Jun.2015 | 14:54 Uhr

New York/Zürich |  Das Korruptions-Geständnis von Kronzeuge Chuck Blazer und wirre Warnungen seines vermeintlichen Komplizen Jack Warner lassen die FIFA nach der Rücktrittsankündigung von Präsident Joseph Blatter nicht zur Ruhe kommen. In den nun veröffentlichten Aussagen des früheren Top-Funktionärs Blazer vor einem US-Gericht zur Millionen-Bestechung vor den WM-Vergaben 1998 und 2010 wird der Name Blatter zwar nicht erwähnt. Warner hingegen macht mit Anschuldigungen massiv Front gegen seinen Ex-Chef und früheren Freund an den Schalthebeln der Fußball-Macht.

Mehrere FIFA-Funktionäre waren vergangene Woche in Zürich festgenommen – inklusive Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo, Ex-Stellvertreter von FIFA-Präsident Joseph Blatter. Der wurde trotz des Korruptionsskandals am Freitag wiedergewählt, trat am Dienstag aber überraschend mit Wirkung zum Jahresende zurück. Zuvor waren Korruptionsvorwürfe gegen Generalsekretär Jérôme Valcke laut geworden.

Laut Warner soll der Weltverband seine Independent Liberal Party auf Trinidad und Tobago im Wahlkampf vor fünf Jahren finanziell unterstützt haben. FIFA-Funktionäre hätten davon gewusst, darunter auch Blatter, behauptete Warner in einer achtminütigen TV-Ansprache. „Nicht mal der Tod wird die Lawine stoppen, die kommt“, prophezeite der 72-Jährige vor Anhängern auf Trinidad. Die entsprechenden Schecks und anderes Beweismaterial habe Warner an seine Anwälte übergeben, schrieb die Zeitung „Trinidad and Tobago Guardian“.

Nachdem er von Blatters Rücktrittsankündigung am vergangenen Dienstag gehört habe, habe er dem Schweizer in einem Brief den sofortigen Rücktritt nahegelegt, berichtete Warner und fabulierte etwas nebulös: „Blatter weiß, warum er gefallen ist. Und wenn es jemand anderes weiß, bin ich es.“ Reaktionen der FIFA, sowohl zum Blazer-Protokoll als auch zu den Warner-Aussagen standen noch aus.

Im erwarteten Wettlauf der mehreren beschuldigten FIFA-Funktionäre um die Rolle des Justiz-Informaten will Warner offenbar weit vorne sein. Das könnte zu einer Bedrohung für Blatter werden - unabhängig seines Abschieds von der FIFA-Spitze. Auf das Prinzip Strafminderung durch Kooperation hatte auch Blazer gesetzt, als die Beweislage gegen ihn erdrückend wurde.

Fragen und Antworten rund um die Rolle Chuck Blazers und Jack Warners:

 

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