Zweite Bundesliga : FC St. Pauli ist noch kein Spitzenteam

Nach dem Treffer zum 1:0 konnte St. Pauli noch jubeln, am Ende spielten sie unentschieden gegen Dynamo Dresden.
Nach dem Treffer zum 1:0 konnte St. Pauli noch jubeln, am Ende spielten sie unentschieden gegen Dynamo Dresden.

Zum zweiten Mal in einer Woche geben die Kiezkicker einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand. Für ganz oben fehlt was.

shz.de von
02. Dezember 2018, 12:39 Uhr

Hamburg | Der FC St. Pauli hat erneut eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er (noch) kein Spitzenteam der 2. Fußball-Bundesliga ist. Wie in der Vorwoche in Regensburg hatte die aufstrebende Mannschaft von Trainer Markus Kauczinski am Samstag auch Dynamo Dresden am Rande einer Niederlage, doch am Ende stand erneut nur ein Teilerfolg zu Buche. Satte vier Punkte ließen Torhüter Robin Himmelmann & Co. - zum Ärger ihres Coaches - leichtfertiger liegen.

„Das ist es, was wir noch lernen müssen. Wir müssen nach einer Führung die Konter konsequenter ausspielen und das zweite Tor machen“, stellte Kauczinski nach dem 1:1 (0:0) gegen lange Zeit harmlose Dresdner zerknirscht fest. Zwar weist der Kiezclub nur zwei Punkte Rückstand auf den auf dem Relegationsplatz stehenden Dritten 1. FC Union Berlin auf. Doch der Mantel an Cleverness und Konsequenz verbietet derzeit noch jegliche Träume von einem möglichen Aufstieg.

Denn wie vor Wochenfrist bei Jahn Regensburg, als Himmelmann in der 87. Minute das 1:1 hinnehmen musste, war es diesmal Jannik Müller (86.), der nach der Führung durch Jeremy Dudziak (47.) alle St. Pauli-Hoffnungen auf den nächsten Heimsieg kurz vor Schluss noch zunichte machte. „Wir hatten viele gute Ansätze, aber wir haben nach der Führung nicht die Spielkontrolle behalten können“, fasste Kauczinski trefflich Positives wie Negatives zusammen, das eine noch bessere Zwischenbilanz verhindert.

„Wir haben viele Konterchancen liegengelassen und nicht clever genug ausgespielt. Sonst hätten wir auch das 2:0 oder 3:0 machen können. Dann kassieren wir ein Standard-Gegentor und bestrafen uns damit selbst“, befand Sami Allagui, der erst als Stürmer und später als Spielmacher nur wenige Akzente setzen konnte. Abwehrstratege Philipp Ziereis urteilte selbstkritisch: „Das letzte Quäntchen, das uns (beim Gegentor) gefehlt hat, fehlte vielleicht auch vorne, um dann das zweite Tor zu machen. Daran müssen wir jetzt arbeiten.“

Allerdings trug auch das Verletzungspech erheblich dazu bei, dass die Kiezkicker am Samstag kaum ins Spiel fanden. Schon beim Anpfiff fehlten die Mittelfeldstrategen Richard Neudecker, Christopher Buchtmann und Johannes Flum. Dann mussten in Marvin Knoll (24./muskuläre Probleme) und Mats Möller Daehli (35./Knieblessur) schon früh zwei weitere Leistungsträger ausgewechselt werden mussten.„Damit müssen wir aber auch leben“, meinte Kauczinski.

Zum schwachen Match passte auch die „komische Atmosphäre“, die gleich mehrere Akteure beklagten. Denn wegen der Zerstückelung der Spieltage hielten sich die Fans beider Lager exakt 45 Minuten lang an den bundesweit vereinbarten Stimmungsboykott. Vor und nach dem Match waren vor allem die Dynamo-Anhänger agiler: Sie zerstörten mehrere sanitäre Anlagen im Gäste-Block des ausverkauften Millerntorstadions. In der Nordkurve brach zudem ein St. Pauli-Fan zusammen. Er wurde reanimiert und danach in ein Krankenhaus der Hansestadt gebracht.

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