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Der Skandal geht weiter : Fassungslose Fußballwelt: Fifa zahlt Irland fünf Millionen Dollar

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War es ein Darlehen, eine Stillhalteprämie oder einfach das System Blatter?Ein Fifa-Scheck sorgt weiter für Aufregung.

shz.de von
erstellt am 05.Jun.2015 | 15:37 Uhr

Berlin | Die Fifa kommt nicht zur Ruhe: Inmitten der Korruptionsaffäre hat der krisengeschüttelte Fußball-Weltverband die Zahlung von fünf Millionen Dollar an den irischen Verband FAI als Kompensation für die verpasste WM-Teilnahme 2010 eingeräumt. Die Fußballwelt zeigt sich fassungslos.

Irland war im November 2009 im Playoff-Rückspiel in Frankreich mit 1:1 nach Verlängerung unglücklich ausgeschieden. Dem Ausgleichstreffer in Paris ging ein nicht geahndetes Handspiel von Thierry Henry voraus. Der irische Verband hatte - erfolglos - versucht, dennoch zur WM nach Südafrika zu fahren.

DFB-Chef Wolfgang Niersbach sagte: „Ich kann mir keinen Reim machen auf diesen neuen Vorgang.“ Niersbach und die Spitze des europäischen Verbandes Uefa trafen sich am Freitag in Berlin einen Tag vor dem Champions-League-Finale vermutlich zu informellen Beratungen, wie nach der Rücktrittsankündigung weiterzuverfahren ist und ob es einen gemeinsamen Kandidaten für die Nachfolge von Fifa-Chef Joseph Blatter gibt. Ob über das Thema Irland gesprochen wurde, war nicht bekannt.

Richtig sauer reagierte der frühere Fifa-Vizepräsident, der Nordire Jim Boyce, auf den Zuschuss. „Dass man eine Zahlung von fünf Millionen anweist, um rechtliche Schritte zu unterbinden, ist für mich unvorstellbar“, sagte Boyce, dessen vierjährige Amtszeit in der vergangenen beim Skandal-Fifa-Kongress in Zürich geendet hatte. „Wenn der Fifa-Präsident (Blatter) das ohne Wissen des Exekutivkomitees genehmigt hat, dann muss das untersucht werden.“

Die Zahlung wurde vom Weltverband bestätigt, „um den Ansprüchen Irlands gegen die Fifa ein Ende zu setzen“. Die Summe sei als Darlehen für den Stadionbau ausgezahlt worden und sollte von den Iren bei einer erfolgreichen Qualifikation für die WM-Endrunde 2014 in Brasilien zurückerstattet werden. Nachdem das Team auf der Strecke geblieben war, sei entschieden worden, den Betrag abzuschreiben.

Der Darstellung eines Darlehens widersprach der irische Verband FAI umgehend. Die Zahlung sei ein Vergleich und kein Darlehen gewesen, teilte die FAI mit. „Außerdem war Vertraulichkeit die einzige Bedingung dieser Regelung.“ Nach Bekanntwerden immer neuer Vorwürfe, bei der Auswahl von Weltmeisterschaften sei mehr als einmal Bestechungsgeld geflossen, schloss Niersbach Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der WM 2006 an Deutschland aus. „Wir hatten die absolut beste Bewerbung, und das hat uns die Fifa von einer unabhängigen Kommission bestätigt“, sagte Niersbach am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin“.

Im Machtkampf um die Fifa-Spitze beginnt derweil das Schaulaufen der Kandidaten: Jérôme Champagne, von 1999 bis 2010 stellvertretender Fifa-Generalsekretär und zuletzt erfolgloser Gegenkandidat des scheidenden Blatter, erwägt erneut eine Kandidatur. „Ich habe mich noch nicht entschieden, aber ich schließe nichts aus“, sagte er der „Neuen Züricher Zeitung“. Im vergangenen Präsidentschafts-Wahlkampf hatte Champagne seine Bewerbung frühzeitig zurückgezogen.

In dem Interview mit der „NZZ“ nahm er Blatter in Schutz und hob dessen Verdienste hervor. „Ich bin nicht da, um Blatter oder sonst jemanden zu verteidigen“, sagte Champagne. „Aber die Geschichte wird Blatter Gerechtigkeit widerfahren lassen - für das, was er für den Fußball geleistet hat.“ Der französische Berufsdiplomat ging hart mit europäischen Fußball-Funktionären ins Gericht. „Als er (Blatter) 1975 anfing, war die Fifa eine kleine, eurozentristische Organisation, dominiert von weißen Europäern.“ Im Rest der Fußballwelt „gibt es einen Groll gegen das arrogante angelsächsisch-skandinavische Europa“.

Was Sie über den Fifa-Skandal wissen müssen:

Was ist passiert?

Vier Tage nach seiner Wiederwahl kündigte Fifa-Chef Sepp Blatter am Dienstag überraschend seinen Rücktritt an. „Ich habe ernsthaft über meine Präsidentschaft nachgedacht und über die vierzig Jahre, in denen mein Leben untrennbar mit der Fifa und diesem großartigen Sport verbunden gewesen ist“, sagte der 79-Jährige in französischer Sprache.

Durch die Wahl am vergangenen Freitag habe er noch einmal das Mandat durch die Fifa-Mitglieder bekommen, „aber ich habe das Gefühl, dass ich nicht das Mandat der gesamten Fußball-Welt habe. „Daher habe ich entschieden, mein Mandat bei einem außerordentlich Kongress niederzulegen.“

Was sind mögliche Motive für den Rücktritt?

Die Frage nach den Beweggründen für Blatters plötzlichen Rücktritt beschäftigt die Fußball-Welt auch am Tag danach. Konkrete Anhaltspunkte gibt es noch nicht, doch aus Amerika scheint es massiven Druck gegen Blatter zu geben.

Berichte der US-Zeitung „New York Times“ und des Senders ABC legen nahe, dass Blatter sich wohl nur auf juristischen Druck – vielleicht sogar in einer Kurzschlussreaktion – zu dem Schritt entschieden haben könne. Das FBI solle auch gegen ihn ermittelt haben, berichtet die „New York Times“ am Dienstag unter Berufung auf Ermittler. Ähnliche Informationen liegen wohl auch dem US-Sender ABC vor. Dieser beruft sich auf Personen, die mit dem Fall vertraut seien. Einzelheiten wie Ermittlungsergebnisse oder ob die Ermittlungen noch andauern, wurden nicht bekannt. Das FBI weigert sich, die Berichte zu kommentieren.

Doch sogar aus Blatters direktem Umfeld kommen entsprechende Andeutungen. Die amerikanische Nachrichtenagentur AP zitierte dessen langjährigen Freund, Walter Gagg: „Ich hatte ein sehr gutes Treffen mit ihm heute früh. Dann kamen die anderen Informationen aus den USA mit diesem und jenem.“ Ein weiteres Indiz für unangenehme Nachrichten aus Amerika für Blatter.

Solche Ermittlungen der US-Polizei wären ein harter Schlag für den Schweizer und würden - sofern offiziell bestätigt - auch das sofortige Ende seiner FIFA-Herrschaft bedeuten. Der Plan, die FIFA noch bis zum Sonderkongress zu führen, wäre hinfällig.

Am Mittwoch waren kurz vor dem Fifa-Kongress sieben hochrangige Funktionäre in Zürich verhaftet worden, darunter auch zwei Vizepräsidenten des Weltverbands. Insgesamt 14 Personen werden in den USA mit einer 161-Seitigen Anklageschrift schwer belastet.

Blatter selbst hatte seinen Rücktritt so begründet: „Meine tiefe Fürsorge für die Fifa und ihre Interessen, die mir sehr am Herzen liegen, haben mich zu dieser Entscheidung bewegt.“ Seine Tochter Corinne gab sich beim britischen Sender BBC als treibende Kraft für die Meinungsänderung aus - als Selbstschutz für ihren Vater.

Wie geht es mit der Fifa weiter?

Nach dem sensationellen Schritt Blatters beginnen im skandalumtosten Fußball-Weltverband die Weichenstellungen für die Zukunft. Denn ohne Blatter steht die Fifa vor einer Zäsur, die der scheidende Chef selbst noch einmal dramatisierte. Mit einem Vorschlagskatalog für Reformen, die er selbst in 17 Jahren Regentschaft entweder nicht anfasste oder nicht durchsetzte, hinterlässt Blatter seinem Nachfolger innerhalb der Fifa-Strukturen ein ungeheuer schweres Erbe voller Konfliktpotenzial.

Ein Auszug aus Blatters Reformprojekten:

  • Der FIFA-Präsident und alle Mitglieder des Exekutivkomitees unterliegen einer Amtszeitbeschränkung – dieser Vorschlag scheiterte beim FIFA-Kongress 2014 in São Paulo krachend. Auch Blatter zierte sich, weil es seinen Freunden aus Afrika und Asien missfiel. Nun ist er von Zukunftsdenken befreit und will dieses demokratische Instrument doch einführen. Hintergedanke: Kein künftiger Präsident soll jemals länger regieren können als Blatter.
  • Das Exekutivkomitee wird verkleinert. Noch am vergangenen Wochenende wollte Blatter das wichtige Gremium mit derzeit 25 Mitgliedern vergrößern. Entscheiden muss der Kongress. Leidtragende wären die Konföderationen, die dies in einer Statutenänderung selbst bewilligen müssten. Daher: Ein klarer Affront gegen die Kontinentalverbände.
  • Die Mitglieder des Exekutivkomitees werden vom Kongress gewählt. Bislang wählen die Konföderationen ihre Exko-Mitglieder. Wenn der Kongress diese bestimmt, ist ein Hauen, Stechen und Paktieren unter den 209 Mitgliedern programmiert. Frage: Will Blatter Unfrieden zwischen den Kontinentalverbänden in der Zeit nach seiner Regentschaft hervorrufen?
  • Die Mitglieder des Exekutivkomitees werden von der FIFA auf ihre Integrität geprüft.  Das war schon eine Forderung im FIFA-Demokratisierungsprozess von 2011 - sie scheiterte auch am Widerstand aus Europa. Die Kontinentalverbände dürfen bislang weiterhin selber checken, ob ihre Kandidaten alle Kriterien einer sauberen Amtsführung erfüllen. Vermutung: Eine Spitze gegen seine Kritiker in der UEFA.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière drängt nach dem angekündigten Rücktritt von Blatter auf grundlegende Strukturreformen im Fußball-Weltverband. „Wenn die Chance jetzt nicht genutzt wird, Verkrustungen aufzubrechen und Verfahren zu schaffen, die Transparenz garantieren und Vetternwirtschaft verhindern, bliebe der Rückzug von Blatter ein Muster ohne Wert“, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich ähnlich: „Ich habe gesagt, es ist ein Neuanfang notwendig, wenn der Fußball und die Fußballbegeisterung überleben sollen.“

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) setzt auf eine Erneuerung des Fußball-Weltverbandes. „Ich glaube, dass es jetzt besser möglich sein wird, die Arbeit der Fifa auf eine transparente Grundlage zu stellen“, sagte Merkel am Mittwoch in Berlin. Sie denke, es sei für Milliarden Fans, die den Fußball mögen - „auch ich gehöre ja zu den Fans“ - eine gute Nachricht, wenn die Organisation, die den Weltfußball vertrete, „nach den Maßstäben funktioniert, die wir uns alle wünschen“.

Welche Termine stehen noch auf Blatters Agenda?

Für die Fifa und ihren Präsidenten stehen dieses Jahr noch einige Termine auf der Agenda.

Sollte Joseph Blatter wie angekündigt bis zum außerordentlichen Wahlkongress im Amt bleiben, würde besonders eine Reise zum Finale des Gold-Cup, des Kontinentalturniers von Nord- und Mittelamerika, in Philadelphia Brisanz bergen.

Alle Termine im Überblick:

  • 20. Juni, Auckland, Finale U20-WM
  • 4. Juli, Santiago, Finale Copa América
  • 5. Juli, Vancouver, Finale Frauen-WM
  • 25. Juli, St. Petersburg, Auslosung Qualifikation WM 2018
  • 26. Juli, Philadelphia, Finale Gold Cup
  • 8. November, Viña del Mar, Finale U17-WM
  • 20. Dezember, Yokohama, Finale Club-WM
Was ist der aktuelle Ermittlungsstand in der Causa Fifa?

Auch Interpol ist mittlerweile involviert und leistet der US-Justiz Amtshilfe im Auslieferungsverfahren gegen die früheren Top-Männer der Fifa, Jack Warner und Nicolás Leoz. Substanzielle neue Vorwürfe wurden aber am Tag nach der historischen Blatter-Pk noch nicht bekannt. Im Laufe des Tages wurde aus Amerika noch die Anklageschrift gegen Kronzeuge Chuck Blazer erwartet.

Im zweiten Ermittlungsverfahren, dem der Schweizer Justiz zur WM-Vergaben 2018 und 2022, laufen offenbar die Auswertungen der Zeugenbefragungen führender Wahlmänner von Fifa-Vize Issa Hayatou bis Spaniens Spitzenmann Angel Maria Villar Llona. Auch Franz Beckenbauer steht als ehemaliges Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees auf der Zeugenliste der Schweizer Ermittler.

Wer sind die möglichen Nachfolger?

Der Wahlkongress soll voraussichtlich zwischen Dezember diesen Jahres und März 2016 stattfinden. Vier Monate zuvor müssen die Bewerber die Unterstützung von mindestens fünf Mitgliedsverbänden hinterlegen.

Schon am Dienstagabend äußerten sich die ersten potenziellen Kandidaten - das Feld reicht von aktuellen Top-Funktionären, früheren Herausforderern des scheidenden Schweizers bis zu einer deutschen Lichtgestalt.

  • Eine Kampfkandidatur gegen Blatter hatte Michel Platini (59) als Präsident der UEFA stets tunlichst vermieden. Ambitionen auf das höchste Funktionärsamt verhehlte der Franzose hingegen ebenso wenig. „Es ist noch nicht an der Zeit etwas anderes zu tun“, sagte Platini vor zehn Monaten, als er seinen Verzicht auf eine Fifa-Bewerbung erklärte. Doch eine weltweite Unterstützung für den Blatter-kritischen Platini erscheint zumindest zum derzeitigen Zeitpunkt fraglich.
  • Der gegen Blatter unterlegene Prinz Ali Bin Al-Hussein aus Jordanien und der Niederländer Michael van Praag erklärten schon am Dienstagabend, dass sie sich eine Kandidatur offenhalten. Luis Figo, der wie van Praag vor der Wahl zugunsten al-Husseins zurückgezogen hatte, forderte eine „gemeinsame weltweite Lösung“. Aus dem Trio besäße al-Hussein wohl die größten Chancen - pikant würde die Situation, wenn sowohl der aus Europa unterstützte Jordanier wie auch Platini antreten sollten.
     
  • Der frühere Profi David Ginola, der schon vor der vergangenen Wahl die notwendigen fünf Unterstützerländer nicht aufbringen konnte, will es erneut versuchen.
     
  • Der ehemalige brasilianische Fußball-Star Zico hat eine Kandidatur für das freiwerdende Amt des FIFA-Präsidenten nicht ausgeschlossen. Der 62-Jährige schrieb nach dem angekündigten Rücktritt von FIFA-Chef Blatter auf seiner Facebook-Seite: „Warum nicht? In meinem Leben ist es immer um Fußball gegangen.“ Festlegen wollte sich Zico aber nicht. Noch habe er keine Unterstützung, aber wenn es für jeden offen sei, „kann ich ein Kandidat werden. Es ist noch eine Idee. Wer weiß?“, schrieb Zico.
     
  • Wäre der Schweizer sofort zurückgetreten, hätte Issa Hayatou als längster sich im Amt befindender Vizepräsident die Geschäfte übernommen; alles andere als ein Neuanfang. Der 68-Jährige aus Kamerun sitzt seit 1990 in der Fifa-Exekutive und stand schon mehrfach unter Korruptionsverdacht, den er stets zurückwies. 2011 kam er mit einer Rüge des Internationalen Olympischen Komitees für den Erhalt von 20.000 US-Dollar vom früheren Marketingpartner ISL davon.
     
  • Ein größeres Übel und ein weiterer potenzieller Kandidat wäre Scheich Ahmad al Fahad al Sabah aus Kuwait - ein mit allen Machtmitteln ausgerüsteter Funktionär, der auch IOC-Präsident Thomas Bach ins Amt half. Erst beim Kongress am vergangenen Freitag wurde er ins Fifa-Exko gewählt. Und doch war der Kuwaiti schon mittendrin. Am Vorabend der Wahl zeigten Fotos den höchst einflussreichen Sportfunktionär an der Seite von Platini, al Sabah weiß wie man Mehrheiten beschafft. Schon Thomas Bach profitierte bei der Wahl zum IOC-Präsidenten von seinen Diensten.
    Foto:dpa

     

  • Seine Popularität nutzte Franz Beckenbauer bereits, um die WM 2006 nach Deutschland zu holen - auf ihn als Präsidenten könnte sich die Fußball-Welt sicher einigen. Als Exko-Mitglied war er allerdings bei der skandalumwitterten WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 im Dezember 2010 beteiligt und sieht sich noch mit Ermittlungen der Fifa-Ethikkommission konfrontiert.
     
  • Auch der südkoreanische Industriellensohn und frühere Vizepräsident des Fußball-Weltverbandes, Chung Mong Joon, hat sein Interesse an der Nachfolge angedeutet. Er erwäge eine Kandidatur für den wichtigsten Job im Weltfußball, sagte der ehemalige Vorsitzende des koreanischen Fußballverbands (KFA) am Mittwoch vor Journalisten in Seoul. Bevor er sich jedoch dazu entscheide, wolle er sich vorsichtig die Meinungen von Führungskräften im internationalen Fußball anhören. Chung galt lange Zeit als Kritiker von Blatter. Der wohlhabende Sohn des Gründers des Mischkonzerns Hyundai hatte mehrmals einen Asiaten als Fifa-Präsidenten gefordert.

Welche Auswirkungen hat der Blatter-Rücktritt für die WM-Gastgeber Russland und Katar?

Von vielen Seiten wird nun eine Neuvergabe der umstrittenen WM-Entscheidung gefordert. England und Deutschland werden als Ersatzgastgeber reflexartig ins Spiel gebracht. Dies ist politisch motiviert. Eine neue rechtliche Grundlage dafür gibt es aber nicht.

Die WM-Verträge der FIFA mit den Ausrichtern haben nichts mit der Person des Präsidenten zu tun. Ändern könnte sich die Situation, wenn die Schweizer Justiz belastendes Material findet, gegen Blatter, seinen Generalsekretär Jérome Valcke oder einen Wahlmann von 2010.

Der nächste FIFA-Präsident nimmt die Altlast Russland und Katar aber wohl zumindest mit in seine erste Amtszeit.

Was sagt die Fußball-Welt?

Im Großen und Ganzen zeigt sich die Fußball-Welt freudig überrascht über den angekündigten Rücktritt Blatters. Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge sieht die Entwicklung als „große Chance“, die Fifa zu reformieren.

Im deutschen Fußball ist man sich über die Notwendigkeit eines Neuanfangs einig. „Dies ist ein guter Tag für den Weltfußball“, sagte Ligapräsident Reinhard Rauball. DFB-Boss Wolfgang Niersbach, der als Exko-Mitglied nun nicht mehr in der Bredouille steckt, unter Blatter dem Gremium gar nicht angehören zu wollen, sagte: „Das ist die Entscheidung, die absolut richtig ist, die überfällig ist.“

Brasiliens Fußball-Legende Pelé nahm den Rücktritt zum Anlass, um zum Kampf gegen Korruption in der Fifa aufzurufen. Der Weltverband brauche nun „ehrliche Menschen“, sagte er am Dienstagabend. Am Sonntag hatte der dreifache Weltmeister die Wiederwahl Blatters noch als „perfekt“ bezeichnet.

Auch der  australische und der neuseeländische Fußballverband begrüßten den Rücktritt des Fifa-Vorsitzenden. „Die Fifa braucht eine frische Führung, der Rücktritt des Präsidenten ist der erste Schritt“, teilte der australische Verband am Mittwoch mit. Es reiche aber nicht, den Spitzenposten neu zu besetzen. Die Organisationsstruktur und die Kultur der Fifa müssten verändert werden. Australien setze sich für eine neue Ära der Transparenz ein. Neuseeland hatte sich bereits beim Fifa-Kongress letzte Woche für frischen Wind an der Fifa-Spitze ausgesprochen und sich für Blatters Gegenkandidaten eingesetzt.

Der panamaische Fußballverband begegnet der Rücktrittserklärung mit spürbarer Erleichterung: „Das ist das Beste, was uns passieren konnte“, sagte Verbandschef Pedro Chaluja am Dienstag. Für ihn ist die Entscheidung Blatters eine logische Konsequenz aus den jüngsten Korruptionsskandalen der Fifa. „Der internationale Druck war sehr groß“, sagte Chaluja.

Der asiatische Fußballverband reagierte dagegen nur verhalten auf die Rücktrittsankündigung. „Der AFC beobachtet die Situation, und wird mit seinen Mitgliedern und anderen Verbänden diskutieren, welches nun der beste Weg für die Fifa und den Weltfußball ist“, teilte der im malaysischen Kuala Lumpur ansässige Verband in einem kurzen Statement mit. Der AFC hatte Blatter stets unterstützt.

Was sagt die UEFA?

Die UEFA wird nach der Rücktrittsankündigung erst einmal abwarten. „Da täglich neue Informationen ans Tageslicht kommen, denke ich, dass es klüger ist, sich Zeit zu nehmen, um die Situation besser einzuschätzen, um dann gemeinsam Position zu beziehen“, erklärte UEFA-Präsident Michel Platini die Absage einer eigentlich für das Wochenende anberaumten Sondersitzung.

Ursprünglich wollten die Blatter-Gegner in der Europäischen Fußball-Union in Berlin klären, ob Wolfgang Niersbach und andere europäische Funktionäre ihre Sitze im Fifa-Exekutivkommitee einnehmen sollen. Durch den angekündigten Abschied Blatters hat sich die Situation nun grundlegend geändert. „In den nächsten Wochen wird es weitere Gelegenheiten geben, sich zu treffen – und hoffentlich wird sich die Angelegenheit bis dahin erhellen“, sagte Platini.

Fragen und Antworten rund um die Rolle Chuck Blazers und Jack Warners:

 

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