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Bundestrainer ohne Führerschein : Ex-Autofahrer Löw: Die Geschichte einer Meldung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hat DFB-Bundestrainer Jogi Löw in Flensburg 18 Punkte oder nicht? Warum „Bild“ ausgerechnet auf den „Schlei Boten“ in Kappeln setzte.

Eine Handvoll verletzter Nationalspieler. Dazu einige Stars, die ihrer Form hinterher laufen. Und dann auch noch die „Pinkel-Affäre“ von Abwehrspieler Kevin Großkreutz. Rund drei Wochen vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien hat Bundestrainer Jogi Löw mehr Sorgen als Punkte auf dem Konto. Sieben Siege und viele Tore braucht Löw, um endlich einmal Weltmeister zu werden. Sieben Siege sind 21 Punkte. Mit Punkten hat der Schnellfahrer aus dem Schwarzwald seine liebe Not. Die Zahl seiner Verkehrsverstöße hat dermaßen zugenommen, dass von 18 Punkten die Rede ist, die sich auf seinem Konto in der Flensburger Verkehrssünderkartei angesammelt haben sollen. Was gleichbedeutend mit einem Entzug der Fahrerlaubnis von mindestens sechs Monaten sein könnte.

Eben dies haben Redakteure unserer Zeitung recherchiert. Wie auch die daraus resultierende Schlussfolgerung, dass der Bundestrainer seinen Führerschein schon vor einigen Monaten abgegeben haben soll. Am Montagnachmittag schicken wir drei Fragen an den Pressesprecher des Deutschen Fußball-Bundes. Schließlich war Löw ständig mit einem Dienstwagen des DFB, bereitgestellt von Sponsor Mercedes-Benz, unterwegs. Ralf Köttker aber hat im Trainingslager der deutschen Nationalkicker in Südtirol alle Hände voll zu tun. Eine Antwort gibt es nicht.

Also wird weiter recherchiert. Joachim Löw, zweifellos eine Person des öffentlichen Lebens, ist auf öffentliche Verkehrsmittel oder auf einen Chauffeur angewiesen. Die Fahrerlaubnis ist dem DFB-Cheftrainer entzogen worden. Nur über die Zahl seiner Punkte gibt es widersprüchliche Angaben. Die Meldung kommt ins Blatt. Und die Kollegen vom Boulevard-Journalismus, die gern einige Stunden schneller sind, wissen noch von nichts.

Um drei Minuten nach 22 Uhr wendet sich das Blatt. Der Anwalt von Joachim Löw meldet sich telefonisch und weist auf seine Mail von 21.49 Uhr hin. Prof. Dr. Ralf Kitzberger erklärt:

1. Es ist nicht richtig, dass Herr Löw auf seinem Konto in Flensburg 18 Punkte hat und ihm aus diesem Grund die Fahrerlaubnis entzogen wurde.

2. Auch die Passage „Auch nachdem in diesem Frühjahr bereits die 18-Punkte-Grenze erreicht war, soll es einen weiteren erheblichen Verstoß gegen ein Tempolimit gegeben haben“ ist nicht richtig. Zum einen verfügt Herr Löw in Flensburg nicht über 18 Punkte, zum anderen datiert der letzte Verkehrsverstoß aus November 2013. Der entsprechende Bußgeldbescheid wurde erst im Frühjahr rechtskräftig.

3. Ein schwerwiegender Verstoß liegt nicht vor.

Der Anwalt fordert dazu auf, von der Veröffentlichung Abstand zu nehmen. Was uns aber nur teilweise gelingt. Sind doch einige Ausgaben bereits gedruckt. Wie der „Schlei Bote“ in Kappeln, der in diesem Jahr sein 150-jähriges Jubiläum feiert. Am Dienstagmorgen melden sich die Punkte zurück. Ausgerechnet die große „Bild“ zitiert den traditionsreichen sh:z-Titel „Schlei Bote“. Die Meldung aus Flensburg geht durch die Republik. Und Jogi Löw macht klar Schiff und spricht selbst: „Selbstverständlich stehe ich dazu, dass ich manchmal leider zu schnell gefahren bin, ich weiß, dass ich mich hier zügeln muss“, sagte der 54-Jährige in einer offiziellen Mitteilung: „Ich habe meine Lektion gelernt und werde mein Fahrverhalten ändern. Es gibt da nichts schönzureden, natürlich muss ich jetzt mit den Konsequenzen leben und nutze häufig die Bahn.“ Über die Zahl seiner Punkte schweigt er.

Also: Der Herr Löw darf für sechs Monate kein Fahrzeug führen. Irgendwie hat der Bundestrainer für seine automobile Zwangspause einen idealen Zeitraum gefunden. Drei Wochen Trainingslager, dann vier Wochen Brasilien. Bis Weihnachten zurückgerechnet dürfte er nach seiner Rückkehr wieder Gas geben. Vielleicht ja als Weltmeister.

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erstellt am 28.Mai.2014 | 11:38 Uhr

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