Europa-League-Quali : RB Leipzig will sich bei erstem Härtetest beweisen

Startet mit Leipzig in die Saison: RB-Coach Ralf Rangnick.
Startet mit Leipzig in die Saison: RB-Coach Ralf Rangnick.

RB Leipzig muss ab Donnerstag durch quälend lange Qualifikation, wenn man in die Europa League will. Dabei sind die Vorzeichen schwierig: Die Vorbereitung läuft erst seit zwei Wochen, der Kader ist alles andere als komplett. Aber es zählt nur das Weiterkommen.

shz.de von
25. Juli 2018, 18:24 Uhr

BK wer? Beim Namen Häcken mussten außer Schwedens Nationalkicker Emil Forsberg wohl so gut wie alle Leipziger erstmal googeln.

Gegen den 1940 gegründeten schwedischen Bollklubben aus Göteborg steht Fußball-Bundesligist RB Leipzig im Hinspiel der Europa-League-Qualifikation am Donnerstag schon unter Druck. Will man nicht gleich einen verkorksten Einstand hinlegen. Und das fünfeinhalb Wochen vor dem Liga-Auftakt. «Wir wollen in der Europa League weit kommen. Ein gutes Ergebnis ist wichtig», sagte Trainer Ralf Rangnick am Mittwoch.

Fußball-Experten schätzen die «Wespen» wie einen gegen den Abstieg kämpfenden Bundesligisten oder sehr guten Zweitligisten ein. Nimmt man Parameter wie Kader, Finanzen und sportlichen Anspruch sind die Sachsen klarer Favorit. «Wir sind noch in einer Phase, wo man Grundlagen legt. Trotzdem sollten wir uns mit unserer Qualität durchsetzen», sagte Rangnick.

Für Vorstandschef Oliver Mintzlaff ist die Europa League «ein wichtiger Wettbewerb. Wir haben bei Salzburg gesehen, dass man ins Halbfinale einziehen kann. Ab dem Achtelfinale ist das ein richtig spannender Wettbewerb», sagte er der «Sport Bild» (Mittwoch).

Denn neben dem sportlichen Prestige geht es auch um viel Geld. Die UEFA stockte in dieser Saison die fetten Geldtöpfe um mehr als 110 Millionen auf nun 510 Millionen Euro an Prämien in der Europa League (Vorsaison 399,8 Mio) auf. Dazu kommen noch 50 Millionen Euro aus dem Anteil der Champions-League-Vereine. Im Optimalfall sind für RB am Ende mehr als 19 Millionen Euro an Prämien drin.

Neben Videoanalysen beobachteten die Sachsen den Gegner mehrfach. Rangnick weiß über die Schweden, was er wissen muss. Seit zwei Wochen impft er seinem noch dezimierten Team die RB-DNA ein: überfallartiges Tempospiel, starkes Pressing, kein Ballbesitz-Fußball ohne Zug in die Tiefe. «Ohne Tempo und ohne Tiefgang, ohne Hochschalten in den 5., 6., 7. Gang gewinnst du heute nicht mal mehr gegen Panama oder Südkorea», hatte Rangnick kürzlich gesagt.

Zudem ließ der Trainer und Sportdirektor in Personalunion verstärkt Standards trainieren. Als Konsequenz der schwachen RB-Statistik aus der Vorsaison, in der die Messestädter 18 Gegentore nach Ecken und Freistößen kassierten. Zudem sind Standards gute Torchancen: Bei der WM in Russland resultierten 42 Prozent der Treffer aus Standards.

Doch RB startet unter erschwerten Bedingungen: Nicht nur, dass die Vorbereitung erst seit zwei Wochen läuft. Zudem fehlen noch die WM-Fahrer Timo Werner, Emil Forsberg und Yussuf Poulsen. Dayot Upamecano (Prellung) und Konrad Laimer (Faserriss) fallen angeschlagen aus. Marcel Sabitzer (Schulteroperation) und Marcel Halstenberg (Kreuzband) sind noch nicht fit. Die Schweden indes, bei denen Innenverteidiger Johan Hammar einst mit Forsberg bei Malmö FF kickte, sind bereits seit Anfang April im Liga-Spielbetrieb. Sie haben schon 21 Pflichtspiele hinter sich und sind eingespielt.

Bis zur Gruppenphase muss RB noch zwei weitere Runden mit Hin- und Rückspiel überstehen. Insgesamt will Leipzig laut Rangnick in der neuen Saison so lange wie möglich auf «drei Hochzeiten eine gute Rolle spielen.» Zwar sei die Bundesliga ganz klar das Kerngeschäft und man wolle den einen oder anderen Tabellenplatz besser abschneiden als letzte Saison. «Die Kunst besteht darin, beides hinzukriegen», meinte Rangnick. Dafür will Rangnick noch zwei bis drei Neue holen.

Dass Werner bei den Sachsen bleibt, ist für Mintzlaff «absolut sicher». Und auch bei dem immer wieder mit Abwanderungsgedanken kokettierenden Forsberg sieht es eher nach Verbleib aus. «Emil ist ein wichtiger Spieler für uns, und niemand hat uns kontaktiert. Wir wollen ihn behalten und er weiß das», sagte Rangnick.

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