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Europa League : Heimspiel ohne Heimvorteil - Luhansk erwartet Hertha BSC

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Der ukrainische Fußball durchlebt schwierige Zeiten. Wirtschaftskrise und Krieg im Donbass setzen ihm zu. Das bekommt auch die Berliner Hertha in der Europa League gegen Sorja Luhansk zu spüren.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 18:41 Uhr

Der Heimvorteil fällt aus. Wenn am Donnerstag der ukrainische Club Sorja Luhansk den Bundesligisten Hertha BSC in der Europa League empfängt, ist die Heimmannschaft ebenso Gast wie die eigentlichen Gäste aus Berlin.

Erstmals empfangen die Schwarz-Weiß-Roten aus dem Kohlerevier Donbass internationale Gegner in der westukrainischen Stadt Lwiw (Lemberg). Dort, 1100 Kilometer von der Heimat entfernt, kann Sorja wohl nur auf wenig Unterstützung von Fans hoffen.

Wegen des blutigen Krieges zwischen ukrainischen Regierungstruppen und von Russland unterstützten Separatisten ist der Traditionsclub und einstige sowjetische Meister (1972) seit Jahren auf Asyl in anderen ukrainischen Städten angewiesen, um seinen Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Als 2014 der Krieg begann, hat Luhansk für den Liga-Alltag Obdach in der südostukrainischen Industriestadt Saporischschja bekommen. Die Arena dort ließ die UEFA jedoch wegen technischer Mängel nicht für die Europa League zu. International kickte der Verein daher bislang in der Hauptstadt Kiew oder im südukrainischen Odessa am Schwarzen Meer.

Mit seinem Schicksal ist Sorja nicht allein. Zwei weitere Vereine aus dem Donbass mussten sich eine neue Heimat suchen. Aus der Separatistenhochburg Donezk verschlug es Olimpik nach Kiew. Im Valeri-Lobanowski-Stadion finden jetzt die Heimbegegnungen statt.

Tabellenführer Schachtjor bestritt bis zur Sommerpause den Großteil der Heimspiele in der Arena in Lwiw. Inzwischen läuft der Serienmeister in der Liga aber in Charkiw auf. Grund für den neuerlichen Umzug war die oft feindselige Stimmung in der Arena in Lwiw gegen die Donezker. Clubbesitzer Rinat Achmetow gilt vielen Westukrainern als Oligarch, der zumindest anfangs Verbindungen zu den ostukrainischen Separatisten gepflegt haben soll.

Probleme hat auch der FC Mariupol nach dem Wiederaufstieg in die Premier Liga. Ende August traten die Hauptstädter von Dynamo Kiew einfach nicht zum Spiel in der für seine Stahlwerke bekannten Hafenstadt an. Aus Sicherheitsgründen, hieß es. Denn die Frontlinie im Donbass verläuft nur knapp zwanzig Kilometer vom Stadion entfernt. Das Spiel wurde vom Verband mit einem 3:0-Heimsieg für Mariupol gewertet. Andere Mannschaften aus Lwiw, Kropywnyzky oder Odessa fanden die Reise ans Asowsche Meer hingegen nicht problematisch.

Ohnehin hat der ukrainische Fußball nicht gerade seine besten Jahre. Die wirtschaftliche Dauerkrise hat im Rasensport des fußballbegeisterten Landes tiefe Spuren hinterlassen. Die einst 18 Clubs umfassende Premier Liga ist inzwischen auf 12 Mannschaften geschrumpft. Traditionsvereine wie Dnipro, Europa-League-Finalist von 2015, stiegen nach finanziellen Schwierigkeiten in die dritthöchste Spielklasse ab oder wurden wie Metallist Charkiw geschlossen.

Für die Kicker aus Sorja Luhansk - mit der Morgenröte im Namen und im Vereinswappen - ist die Krise nach mehr als drei Jahren längst zur Normalität geworden. Trainer Juri Wernidub konzentriert sich daher lieber voll auf das Spiel gegen die Berliner. «Hertha ist ein ernsthafter Gegner. Ja, sie haben bisher nur einen Punkt geholt und wir drei gegen Athletic (Bilbao). Nichtsdestoweniger bleiben Hertha und Athletic die Favoriten unserer Gruppe», meinte Wernidub. Und nach der Niederlage der Hertha gegen den FC Schalke 04 vom Wochenende erwarte er umso motiviertere Gegner beim Spiel in Lwiw.

Verzichten müssen die Berliner auf Torwart Thomas Kraft. Der 29 Jahre alte Keeper fällt wegen Wadenproblemen für die Partie aus. Für diesen Fall hatte Coach Pal Dardai bereits einen Einsatz von Bundesliga-Stammkeeper Rune Jarstein im dritten Gruppenspiel angekündigt. Normalerweise ist Ersatzmann Kraft für den internationalen Wettbewerb vorgesehen.

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