Emotionen pur beim Abschied von Moik

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07. Juni 2010, 08:10 Uhr

Das war Fußball für die Ewigkeit! Das Abschiedsturnier des unheilbar an ALS erkrankten Neumünsteraner Kickers Stefan Moik auf dem Olympia-Platz ließ keine Wünsche offen. Besonders nicht die von Moik. "Lasst uns gemeinsam einen schönen Tag haben", sagte er, nachdem er von seiner Lebensgefährtin Alexandra Raabe in den Mittelkreis geführt worden war. Die dort versammelten Freunde und Weggefährten des einstigen VfR-Spielers, der auch beim TSV Gadeland, der SG Padenstedt und bis vor einem Jahr der Altliga des FC Torpedo aktiv war, lauschten gespannt. Gestandene Männer kämpften mit den Tränen, nicht jeder konnte sie verbergen. Es war ein unglaublich emotionaler Moment, als Moik an der Hand seiner Freundin dann auch noch den ersten Anstoß ausführte. Da strahlte sogar die Sonne.

"Es ist bewundernswert, mit welcher Würde und Souveränität du mit deinem Schicksal umgehst." Ein einziger Satz von Nord-Ostsee-Auswahlspieler Dr. Bernd Brexendorf drückte nach dem letzten Abpfiff aus, was alle dachten. Als der ehemalige Mannschaftsarzt des FC Schalke 04 sowie Fußballer von Werder Bremen und Holstein Kiel Stefan Moik mit leiser Stimme seinen Respekt kundtat, hätte man eine Stecknadel fallen hören - die zu diesem Zeitpunkt noch versammelten 100 Gäste wagten es nicht, sich zu bewegen. Zu sehr berührte sie das Schicksal eines Mannes, der mit 44 Jahren das Leben von einer anderen Seite betrachtet. "Ich habe neulich ein Taxi herbeigewunken. Fünf Minuten habe ich Zeichen gemacht, dann durfte ich endlich einsteigen. Die Fahrerin hatte gedacht, ich sei betrunken, und wollte mich zunächst nicht mitnehmen", berichtete der von seiner Muskel- und Nervenkrankheit gezeichnete Moik aus seinem schwierigen Alltag. Doch auch das nahm ihm den Mut nicht. Im Gegenteil: Der stets positiv gestimmte Ex-Gadelander sorgte dafür, dass am Rande seines Abschiedsturniers Spendengelder für traumatisierte Kinder in Sri Lanka gesammelt wurden.

Insgesamt rund 350 Gäste versammelten sich am Forstweg, wo zeitgleich der FC Torpedo seinen Kreisligaaufstieg feierte. Die gewohnt stilvolle Party der "Taubenträger" sorgte für eine Abrundung der unvergesslichen Stunden.

Einen sportlichen Sieger gab es auch. Erwartungsgemäß setzte sich die mit Ex-Profis und diversen Größen aus der schleswig-holsteinischen Fußballszene gespickte Nord-Ostsee-Auswahl durch. Sie bezwang Torpedos Altliga mit 6:0 und die Altliga-Allstars des VfR mit 4:0. Die Neumünsteraner Teams hatten sich zuvor nach Treffern von Frank Dencker für Rasensport und Torpedos Jens Pilop 1:1 getrennt. Doch die Resultate waren allenfalls Beiwerk eines denkwürdigen Tages.

"Das hatte Niveau. Ganz, ganz toll." VfR-Legende Torsten Peetz sprach bei seinem Resümee allen aus der Seele. Und Stefan Moik? Der strahlte auch spät abends noch um die Wette und versprach: "Wenn ich wieder gesund bin, dann seht ihr auch wieder einen richtigen Anstoß von mir." Seine große Hoffnung am Sonnabend jedenfalls hat sich erfüllt. "Denn wir hatten einen schönen Tag", freute er sich. Ihm ist zu wünschen, dass noch viele dazukommen.

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