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Die Fussball-Kolumne : Elf-Meter, Curry-Wurst, Familien-Mensch

vom

Jürgen Muhl mit einem Rückblick auf das DFB-Pokal-Finale und die Personalentscheidungen bei Werder Bremen.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2016 | 14:34 Uhr

Nervensache: „Kopf hoch“, heißt es immer dann in der Fußballsprache, wenn die Akteure – in diesem Fall hochbezahlte Profis – ihre sieben Sinne in Anspruch nehmen sollten. Wenn sie denn vorhanden sind. Dem Dortmunder Sven Bender waren diese nach der 120-Minuten-Show im Berliner Olympiastadion abhanden gekommen. Wie ein Kreisklassenspieler, der seine am Spielfeldrand wartende bessere Hälfte beeindrucken will, kurvte der BVB-Profi im Zick-Zack-Lauf auf den Ball zu und scheiterte an Bayern-Torwart Manuel Neuer. Der hätte den Schuss mit der Mütze halten können, trüge er eine dieser in früheren Zeiten bei Torhütern äußerst beliebten Kopfbedeckungen.

Es war der Anfang vom Ende der Dortmunder Träume, in dieser Saison doch noch einen Titel zu gewinnen. Die Borussia hätte an diesem Abend wohl nur dann eine ernsthafte Chance gegen die Bayern gehabt, wenn Schiedsrichter Marco Fritz in der ersten Hälfte nach Franck Riberys Augenstupser gegen Dortmunds Gonzalo Castro Rot gezeigt hätte. Was zweifelsohne die richtige Entscheidung gewesen wäre.

Aber bei den Bayern tun sich die Unparteiischen mit Spielstrafen durchweg schwer. Es ist so etwas wie hoher Respekt, den die Herren Schiedsrichter den Akteuren des Rekordmeisters entgegenbringen. Vielleicht spielt auch Angst eine Rolle. Die Bayern-Führung würde sich einen Feldverweis schließlich nicht ohne Weiteres gefallen lassen. Ein Nachspiel mit bayerischer Attacke wäre gesichert.

So aber haben sich die Bayern auch diesen Titel gesichert. Sie waren die bessere Mannschaft. BVB-Trainer Thomas Tuchel muss sich fragen, wo die schwarz-gelbe Leichtigkeit geblieben ist.

Berliner Nächte: Während die Bayern den Pott in die Zentrale von Hauptsponsor Telekom trugen und sich dort feiern ließen, zog es den BVB auf den Kiez in den In-Stadtteil Kreuzberg. Beim Bankett der Enttäuschten mit rund 1000 geladenen Gästen in der backsteinernen alten Bahnhofshalle „Station“ tröstete keine Currywurst von der Bude, kein Popcorn, kein Bier über die Finalniederlage hinweg – obwohl Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bemüht war, die hervorragende Saison zu würdigen. „Wir können Berlin erhobenen Hauptes verlassen“, sagte Watzke in seiner Rede um kurz nach 2 Uhr, doch viele Spieler ließen in den Sofa-Ecken die Köpfe hängen. Sie wollten nichts mehr hören und sehen. Und wer Watzke kennt, weiß, wie schwer er sich mit seinen Worten getan hat. Eine Stunde später wurde es gähnend leer in den Kiez-Katakomben.

Bremer Recht: Der große Verlierer im Machtkampf bei Werder Bremen ist nicht – wie spekuliert wurde – Viktor Skripnik. Der Trainer hat überlebt, dran glauben musste Sportchef Thomas Eichin. So ist es nun mal in Bremen. Eichin wollte partout kein Mitglied der Werder-Familie werden. Der Sportchef spielte die Rolle des unverstandenen Schwiegersohns, der um sein angeheiratetes Erbe gebracht wurde. Als es in einer Bremer Regionalzeitung hieß, Skripnik ließe sich die Aufstellung von den Spielern diktieren – was aus „zuverlässiger Quelle“ bekannt geworden sei –, zog Werder die Reißleine. Nachfolger Frank Baumann ist ein grün-weißer Familienmensch.

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