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Fußball-Kolumne : Ein Skandal-Chef bei der Fifa und ein „Top-Trainer“ beim HSV

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Bundesliga-Saison ist vorüber, doch die Fußball-Welt sorgt weiter für Nachrichten. Mal wieder gibt es Ärger beim HSV.

shz.de von
erstellt am 15.Jun.2015 | 08:29 Uhr

Von wegen Sommerpause: Während bei der derzeitigen Frauen-WM in Kanada mehr über das von der Fifa verordnete Plastikgras als über fußballerische Qualität diskutiert wird, gehen beim Weltfußballverband die korrupten Machenschaften in die Verlängerung. Nicht ausgeschlossen, dass diese in die eigene Tasche wirtschaftende Ansammlung von Lügen-Baronen ihren Oberboss Sepp Blatter aus dem Abseits holt und ihn erneut als Mafioso in die Milliarden-Arena einlaufen lässt. Der Fifa-Skandal soll zwar von US-Ermittlern weiter aufgearbeitet werden, die europäischen, asiatischen und afrikanischen Funktionäre aber üben sich in Zurückhaltung - wie ein Torjäger, der für Millionen Euro oder auch Dollar absichtlich daneben schießt. Wo bleibt der Aufschrei von DFB-Chef Wolfgang Niersbach, von Kaiser Franz Beckenbauer, von Karl-Heinz Rummenigge? Die Rolle der deutschen Fußballspitze bleibt nebulös und gibt damit weiter genügend Anlass zu Spekulationen.

Vor leeren Rängen: Gerade einmal gut 300 HSV-Mitglieder waren zur jährlichen Vereins-Hauptversammlung ins Volksparkstadion gekommen. Die Westtribüne blieb also leer, ein Alsterdampfer hätte auch gereicht. Die Masse der Mitglieder ist offenbar zufrieden mit der ausgelagerten Fußball-Bundesliga-Abteilung, die den Verein fast in den Ruin getrieben hätte. Ex-Aufsichtsratschef Ernst-Otto Rieckhoff fuhr gestern schweres Geschütz auf und hatte dabei Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer und seine Gefolgschaft mit den Herren Knäbel und Peters im Visier. Es werde einfach weitergewurschtelt, wetterte Rieckhoff als Wortführer im Stadion. Der Mann hat Recht: Die bisherigen Personalentscheidungen zur Verbesserung des Kaders verbieten jeden Versuch, Optimismus im Volkspark zu verbreiten. Und da stellt sich eine Frage, die bereits in der abgelaufenen Horror-Saison auf dem Hamburger Boulevard nicht beantwortet werden konnte: Was machen Beiersdorfer, Knäbel und Peters eigentlich den ganzen Tag?

Ja, ja; doch, doch: Es werden durchaus auch Entscheidungen getroffen. Manchmal auch richtige. Die Stadionuhr, die jede Sekunde der Bundesliga-Zugehörigkeit dokumentiert, darf weiter im Volksparkstadion ticken. Wie auch Maskottchen Dino seine Karriere fortsetzen kann. Das hat Beiersdorfer entschieden. Sage da noch einer, dem Vorstandschef fehle es an Durchsetzungsvermögen.

Mutige Aussage: Der HSV könne stolz auf seinen Trainer sein. Bruno Labbadia sei ein „Top-Trainer“. Das verkündete Dietmar Beiersdorfer am Sonntag. Fehlt nur noch, dass der Vorstandschef eine Sonderprämie für diese Trainerverpflichtung in Rechnung stellt. Labbadia hat Millionäre zum Laufen gebracht - so weit, so gut. Das ist auch seine verdammte Pflicht. Ein verpatzter Saisonstart und schon geht alles wieder von vorn los. Dann wird aus Top schnell Flop.

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