zur Navigation springen

Die Bundesliga-Kolumne : Durch-Atmen, Jäger-Tod, Existenz-Angst

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein schlechtes Nordderby, eine schmerzhafte Niederlage und die Angst um Traditionsclubs. In der Bundesliga-Kolumne wirft Jürgen Muhl einen Blick auf das Geschehen vom Wochenende.

Fußball zum Abgewöhnen: Es war eines der schlechtesten Nordderbys in der Bundesliga-Geschichte, vielleicht sogar das schlechteste Duell zwischen dem HSV und Werder Bremen in den letzten zehn Jahren. Fußballerische Armut auf beiden Seiten. Letztlich siegte der HSV, weil Josef Zinnbauers Konzept aufging: Kampf bis aufs Blut, ein brennender Rasen. „Pfeift sie aus“, hatte der unkonventionell arbeitende HSV-Übergangstrainer von den Hamburger Fans vor dem Spiel in einem Aufruf gefordert. Was auf Bremer Seite einerseits großes Unverständnis hervorrief, andererseits aber der Mannschaft keine sonderliche Arbeitsmoral verlieh. Der HSV hatte es leicht in diesem Abstiegsduell, zu leicht. Bremens letzte zwei Siege unter Viktor Skripnik scheinen eher Zufall gewesen zu sein. Durchatmen beim HSV. Mehr nicht. Die Moral stimmt, das ist deutlich zu erkennen, in einer Mannschaft, die jedoch unter Zinnbauer von fußballerischer Feinmotorik weit entfernt ist.

Von wegen Bayern-Jäger: Die Lobeshymnen auf den VfL Wolfsburg nahmen in den Tagen vor dem Spiel der „Wölfe“ auf Schalke derart an Tempo auf, als wollte VW-Boss Martin Winterkorn sein Unternehmen nicht nur zum weltgrößten Automobilkonzern ausbauen, sondern auch seine Werksmannschaft an die europäische Spitze katapultieren. Deutschlands größtes Boulevardblatt spielte Volkswagen in die Karten, indem es den jetzigen VfL noch über der Meistermannschaft von 2009 positionierte. Als Bayern-Jäger Nummer eins wurde die Truppe von Dieter Hecking hochgejubelt.

Doch die schmerzhafte Niederlage auf Schalke brachte ganz Wolfsburg wieder auf den gänzlich unattraktiven Boden in Ost-Niedersachsen zurück. Es gibt in dieser Saison nun einmal keinen Bayern-Jäger. Nicht einen. Kein Bundesligist ist in der Lage, den Bayern auf den Fersen zu bleiben. Wolfsburg nicht, Mönchengladbach nicht, wie die Heimpleite gegen Frankfurt offenbarte. Und Leverkusen schon gar nicht. Weil auch Dortmund weiterhin seiner Form hinterherläuft – wie beim sensationell starken Aufsteiger Paderborn deutlich wurde – werden die Münchner wohl schon im März die Meisterschale entgegennehmen können. Vielleicht sogar schon Ende Februar. Die Jäger sind schon jetzt tot. Mausetot. Und die Bayern werden von Spieltag zu Spieltag lebendiger. Auch der Fußbruch von Philipp Lahm bringt das Starensemble des Rekordmeisters keineswegs ins Stolpern.

Traditionsclubs bangen: Einen solchen Abstiegskampf mit Vereinen, die allesamt deutsche Fußballgeschichte geschrieben haben, hat es nur selten gegeben. Der VfB Stuttgart, der Hamburger SV, Werder Bremen, Hertha BSC. Ja, auch Borussia Dortmund steckt mittendrin. Jedenfalls zur Zeit. Gegenwärtig. Heute und morgen.

Dies mag sich in der Rückrunde ändern. Freiburg und Frankfurt, Augsburg, Mainz oder doch noch Paderborn könnten dazukommen. Müssen sie aber nicht. Es sieht nach einem Wintereinkauf der größeren Art aus. Millionen werden über die Weihnachtstage über den Tisch gehen. Auch verschuldete Clubs greifen tief in die Tasche. Nackte Existenzangst eben. Wird doch ein Abstieg in die 2. Liga noch viel, viel teurer.

Jedenfalls auf einen Abstiegskampf der besonderen Art kann sich Fußball-Deutschland freuen. Das ist doch auch was im Land des Weltmeisters.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen