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Dritte Liga : Holstein Kiel gegen Hansa Rostock – Das shz.de-Fanduell

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Die Störche wollen aufsteigen, für Hansa geht es fast um nichts mehr. Stellt die Kogge den Kielern ein Bein? Zwei Meinungen.

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2017 | 20:16 Uhr

Kiel | Holstein Kiel steht mit derzeit 58 Punkten auf dem zweiten Tabellenplatz und kann in den verbleibenden drei Spielen den direkten Aufstieg in die 2. Bundesliga perfekt machen. Gegner Hansa Rostock kommt da gerade recht. Im Niemandsland der Tabelle segelt die Kogge, die mit dem Abstieg kaum noch etwas zu tun hat, für die aber auch nach oben nichts mehr geht. Leichtes Spiel also für die Störche? Zwei Fans in unserer Redaktion sind da geteilter Meinung.

Kiel gewinnt, weil die Statistik für sie spricht!

von Matthias Herrmann

Über viele Jahre hatte die Rostocker Kogge die Vormachtstellung, segelte stolz durch die 1. und 2. Bundesliga. Am Ende der Saison 2009/10 geriet der FC Hansa dann allerdings in schwere See und kenterte in der Relegation. Auch wenn 2011 noch einmal der Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse der Republik gelang, heißt der neue Heimathafen 3. Liga. Ein Zustand mit dem sich einige Fans aus Meck-Pomm so recht immer noch nicht anfreunden können.

Zu allem Überfluss tauchte 2013 auf der Schattenseite der Ostsee, wie das schönste Bundesland der Welt despektierlich an der Warnow genannt wird, eine weitere Mannschaft auf. Dass auch das kleine Holstein Kiel auf Kaperfahrt in Liga drei gehen wollte, wurde in Rostock zunächst belächelt. Doch bereits am ersten Spieltag der damaligen Saison gelang es den frisch aufgestiegenen Kielern einen Punkt an die heimische Förde zu entführen.

Auch wenn beide Fanlager sich aufgrund der fehlenden Tradition gegen den Begriff eines „Derbys“ wehren, entwickelten sich die Duelle zwischen den Ostseestädten zu Spielen mit einem besonderen Reiz – in denen in der Gesamtbilanz Kiel die Nase vorn hat. Insgesamt acht Aufeinandertreffen gab es zwischen Holstein und Hansa. Dabei stand am Ende dreimal ein Remis, zweimal durfte Rostock jubeln und dreimal konnte Kiel feiern. Dabei muss allerdings beachtet werden, dass ein Sieg des FCH aus dem Jahr 2008 datiert, als der damalige Zweitligist im DFB-Pokal auf einen Regionalligisten Holstein Kiel traf. So bleibt in der 3. Liga nur ein magerer Hansa-Sieg im direkten Vergleich. Dem gegenüber stehen unter anderem ein glanzvoller 4:0-Sieg der „Störche“ im Jahr 2014 und auch in der Hinrunde dieser Saison unterstrich Kiel mit einem 4:1 die wahren Verhältnisse an der Ostsee.

Mehr als zwei Jahre her: Das bittere 0:4 gegen Kiel im Ostseestadion am 20. Dezember 2014.

Mehr als zwei Jahre her: Das bittere 0:4 gegen Kiel im Ostseestadion am 20. Dezember 2014.

Foto: Matthias Herrmann
 

Und aktuell? Während sich Hansa zwar der Abstiegssorgen entledigt hat, ansonsten aber nur im grauen Mittelmaß der Tabelle herumdümpelt, ist Kiel im Saisonfinale auf einem ganz anderen Kurs. Mit voller Kraft voraus und dem besten Torverhältnis der Liga (+29, wo Hansa gerade einmal +2 aufweist) segeln die derzeit auf zwei platzierten Holsteiner geradewegs in Richtung Aufstieg. Grund hierfür ist die in den letzten Wochen gewachsene, geschlossene Mannschaftsleistung.

Aber auch individuell ist der Kader von Trainer Markus Anfang hervorragend besetzt. Schon im Tor weist Kenneth Kronholm mit 15 „Zu-Null-Spielen“ den Bestwert der Liga auf und kann sich zudem auf die Viererkette mit Christopher Lenz, Kapitän Rafael Czichos, Dominik Schmidt und  Publikumsliebling Patrick Herrmann verlassen. Die offensiven Außen Kingsley Schindler und Steven Lewerenz glänzen nicht nur als Vorbereiter, sondern sind auch immer torgefährlich. Im Mittelfeld sichern die „Kanten“ Dominic Peitz, mit dem Holstein einen neuen „Aggressiv-Leader“ gefunden hat, und Alexander Bieler nach hinten ab, tragen den Ball aber auch immer wieder nach vorne. Und falls das einmal nicht klappt, befeuert Dominick Drexler die Offensive. Dort ist Leihgabe Marvin Ducksch zum perfekten Zeitpunkt der Saison voll da und verzückte in den letzten beiden Spielen die Holstein-Fans mit Traumtoren.

53 Mal konnten die Kieler in dieser Saison schon über ein Tor jubeln.

53 Mal konnten die Kieler in dieser Saison schon über ein Tor jubeln.

Foto: Matthias Herrmann
 

Es spricht einfach alles dafür: Holsteins Serie geht auch gegen Hansa Rostock weiter, auch wenn der klassische Holstein-Fan von Natur aus skeptisch ist. Aber der überzeugende 3:0-Sieg im Spitzenspiel gegen Jahn Regensburg hat gezeigt, dass Kiel gegen jeden Gegner auf Kurs bleibt und an keinem Riff Schiffbruch erleidet. Auch nicht dann, wenn dieses Riff Hansa Rostock heißt.

Hansa gewinnt, weil Kiel Torsch(l)usspanik bekommt

von Gerrit Hencke

Zugegeben: Hansas Saisonleistung war mal wieder höchstens Mittelmaß. Das spiegelt sich auch in der Tabelle wieder und ist seit Jahren so. Hansa hat nur zehn Spiele in dieser Saison gewonnen. Dem gegenüber stehen neun Niederlagen. 16 Mal wurden die Punkte geteilt. 40 Gegentore hat es in den Spielen gegeben, nur 42 hat die Kogge selbst erzielt. Das ist zu wenig, wenn man langfristig damit plant, Rostock wieder in der 2. Bundesliga zu sehen. Doch mit der Devise „hoch und weit nach vorne“ ist der Erfolg noch nie gekommen. Meist verpufften die Angriffsbemühungen kurz vor dem Strafraum. Wenn es doch mal weiter ging, war oftmals Unvermögen schuld daran, wenn der Ball meterweit vorbeiflog. Hansa kann es nicht so mit dem Stürmen. Zu oft sah es in dieser Saison nach Kick'n'Rush auf Kreisliga-Niveau aus. Das ist schade. Umso unerklärlicher ist es, dass der Vertrag eines Kämpfers wie Dennis Erdmann nicht verlängert wird. Der Stammspieler muss sich einen neuen Verein suchen, dabei war er einer der wenigen die mit Feuereifer und Einsatz für den Verein gespielt haben. Da konnte man auch über ein paar spielerische Mängel hinwegsehen. Auch 13 weitere Verträge laufen aus. Fest steht: Der nächste Umbruch steht nach der Saison beim FC Hansa an.

Zu jedem Auswärtsspiel reist eine Wand aus Hansa-Fans an. Hier gegen Bremen II.
Zu jedem Auswärtsspiel reist eine Wand aus Hansa-Fans an. Hier gegen Bremen II. Foto: Imago/Nordphoto

Als langjähriger Fan – mein erstes Fußballspiel habe ich im Ostseestadion gesehen – schmerzt es, als Anhänger der Kogge inzwischen mehr und mehr belächelt zu werden. Ob es weh tut, sich das anzusehen? Ja, tut es. Damals war man Bayern-Schreck, heute tut man sich gegen Mannschaften wie Sonnenhof Großaspach schwer. Ein Dorf, wo noch nicht mal klar ist, wo es liegt. Und dennoch gibt es einige wenige Lichtblicke. Es gab in dieser Saison Spiele, da hat die Truppe gezeigt, dass sie Fußball spielen kann. Beim 5:0 gegen Zwickau, beim 3:0 gegen Paderborn oder auch beim 4:2 gegen Mainz II. Hansa kann es. Fast so wie in alten Zeiten. Einzig die Konstanz fehlte.

Jetzt, wo es um nichts mehr geht, sollten die Köpfe frei sein für ein solches Spiel gegen Kiel. Denn erstaunlicherweise hat Hansa immer gegen Mannschaften aus dem oberen Tabellendrittel punkten können. Dem Tabellenersten MSV Duisburg nahm man in dieser Saison sechs Punkte ab. Dafür reichte jeweils ein 1:0. Gegen den aktuell Drittplatzierten gab es zwei Unentschieden, ebenso gegen Magdeburg. Auch gegen Zwickau holte die Kogge vier Punkte aus zwei Spielen. Gegen Holstein Kiel allerdings hagelte es im Hinspiel vier Gegentore. Es ist also Zeit, etwas gut zu machen. Auch nach dem späten Schock gegen Wiesbaden in der vergangenen Woche (1:3), wo Hansa in den Schlussminuten den Sieg hergab.

Für Wiedergutmachung braucht es aber eine geschlossene Mannschaftsleistung wie in den Spielen gegen Duisburg. Da gegen eine starke Kieler Abwehr keine Tore wie am Fließband fallen werden, reicht auch eine zündende Idee von Torjäger Stephan Andrist, um am Ende mit 1:0 vom Platz zu gehen. Kiel ein Bein zu stellen, würde ja auch das Aufstiegsrennen noch wieder etwas spannender machen. Als zwölfter Mann reist mit Sicherheit wieder ordentlich Unterstützung mit an. Gegen Bremen waren es 3000 Hansa-Fans. Und wer weiß, vielleicht bekommen die Kieler ja kurz vor dem möglichen Aufstieg ja doch so etwas wie Torsch(l)usspanik.

Wer gewinnt das Nord-Derby?

 

Das Spiel im Liveticker auf shz.de

 
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