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Nach 36 Jahren : Holstein Kiel: Die „Störche“ stehen vor der Rückkehr in die 2. Liga

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Der Restspielplan des Tabellen-Zweiten verheißt Gutes: Zwei der drei Spiele finden im heimischen Stadion statt.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2017 | 12:03 Uhr

Kiel | Am 30. Mai 1981 endete für Holstein Kiel nach drei Spielzeiten das Kapitel 2. Fußball-Bundesliga: Als Tabellen-19. der Nordstaffel mussten die „Störche“ den Gang in die Drittklassigkeit antreten. Fast genau 36 Jahre später klopfen die Kicker aus der Landeshauptstadt wieder laut und vernehmlich an die Tür zu Liga zwei. Seit zehn Spielen sind die Kieler unbesiegt, stehen auf Tabellenplatz zwei und streben auf direktem Weg der zweithöchsten Spielklasse entgegen. Trainer Markus Anfang hat derzeit alle Mühe, die Emotionen im Umfeld des Vereins, der in der Relegation 2015 denkbar knapp an 1860 München gescheitert war, einzugrenzen.

Ein direkter Aufstieg würde Holstein ein Drama wie vor zwei Jahren gegen 1860 ersparen. Nach dem 0:0 im Hinspiel beendete Kai Bülow in München mit seinem Treffer zum 2:1 in der Nachspielzeit für die „Löwen“ alle Träume der Kieler, denen ein 1:1 gereicht hätte.

„Noch sind es drei Spiele“, warnte der Erfolgscoach, mit dessen Amtsübernahme am 29. August 2016 der Aufschwung begann. Vorgänger Karsten Neitzel musste den damaligen Tabellen-13. nach vier Spielen verlassen. Nach Anfangsproblemen gelang es Ex-Profi Anfang, den schon damals als zweitliga-reif eingestuften Kader zur Einheit zu formen.

Die Kieler zeichnet die beste Defensive und die zweitbeste Offensive der 3. Liga aus. Zudem sind sie daheim wieder eine Macht geworden. Deshalb spricht auch der Spielplan für die Kieler (58 Punkte), die hinter Spitzenreiter MSV Duisburg (61), aber zwei Zähler und 14 Tore besser im Rennen liegen als der 1. FC Magdeburg auf dem Relegationsrang. Gegen Hansa Rostock am Samstag und den Halleschen FC zum Abschluss am 20. Mai stehen praktisch ausverkaufte Heimspiele an, dazwischen geht es zur SG Sonnenhof Großaspach - Teams aus dem Tabellen-Mittelfeld, für die es in dieser Saison nicht mehr um viel geht.

Auf die Frage, wer den Höhenflug der „Störche“ noch stoppen könne, antwortete Dominik Schmidt nach dem jüngsten 3:0-Sieg in Regensburg: „Nur wir selbst.“ Mit Blick auf die verbleibenden Partien sagte der Defensiv-Spezialist: „Wir müssen alle drei Spiele so angehen, wie das bei Jahn Regensburg. Dann werden wir unser Ziel erreichen.“

Sollte dem Traditionsclub, der zwischendurch in die Viertklassigkeit abgerutscht war, der Sprung nach oben gelingen, wartet Arbeit: Die Zuschauer-Kapazität des Holstein-Stadions müsste von rund 10.000 auf 15.000 Plätze erweitert werden. Zudem gibt es in Sachen Flutlicht, Medienbereich und Umkleidesituation erheblichen Nachbesserungsbedarf.

Freuen über einen Aufstieg würde sich auch Thorsten Storm: „Sie hätten es mehr als verdient“, sagte der Geschäftsführer des Handball-Rekordmeisters THW Kiel, der auch privat beste Kontakte zum sportlichen Nachbarn hat. Er ist Trauzeuge von Wolfgang Schwenke, Holsteins Geschäftsführer und Vizepräsident.

Den möglichen Aufstieg nicht mehr erleben kann dagegen Roland Reime. Der langjährige Präsident starb am 24. März nach kurzer schwerer Krankheit. In Reimes Amtszeit (seit Sommer 2007) fielen die Drittliga-Aufstiege 2009 und 2013, das Relegations-Drama 2015 sowie die großen Erfolge im DFB-Pokal 2011/12 mit dem Einzug bis in das Viertelfinale gegen Borussia Dortmund.

Setzt Kiel seinen Aufwärts- und der Hamburger SV seinen Abwärtstrend fort, könnte es in der neuen Zweitliga-Saison sogar wieder ein Duell beider Nordclubs geben. Das letzte Pflichtspiel entschied der HSV mit 5:0 in der 1. DFB-Pokalrunde 2007 für sich. Das letzte Liga-Spiel datiert vom 27. Januar 1963. Vor 17.000 Zuschauern in Kiel trennte man sich in der Oberliga Nord 1:1. Für den HSV spielten damals unter anderem Dieter und Uwe Seeler sowie Gert „Charly“ Dörfel.

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