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Champions League : Drei Clubs, drei Probleme: FC Bayer, RB Leipzig und BVB

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Bayerns Lewandowski wird gegen Celtic Glasgow nicht auflaufen. Dortmund sieht keine Chance in der CL weiterzukommen.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2017 | 16:23 Uhr

München | Die Champions League-Spiele der deutschen Teams stehen vor der Tür, doch alle drei Mannschaften haben mit Problemen zu kämpfen:

Luxusprobleme: Bayern München fehlt sein Top-Stürmer

Der FC Bayern reist ohne Robert Lewandowski nach Glasgow.
Der FC Bayern reist ohne Robert Lewandowski nach Glasgow. Foto: Matthias Balk

Jetzt muss der Heynckes-Effekt beim FC Bayern München auch in einer außergewöhnlichen Notfallsituation greifen. Der bei seinem Fußball-Comeback von Sieg zu Sieg eilende Triple-Trainer posierte am Montag am Münchner Flughafen noch gelassen mit Fans für Handy-Fotos, ehe er auf dem Charterflug nach Schottland über eine Lösung für eine Situation grübelte, die beim deutschen Rekordmeister eigentlich gar nicht eintreten darf: Torjäger Robert Lewandowski, „Mister Unersetzbar“ im Münchner Angriff, fehlt am Dienstag (20.45 Uhr) im wichtigen Champions-League-Spiel gegen Celtic Glasgow. „Es ist eine Vorsichtsmaßnahme vom Trainer. Wenn wir gegen Real Madrid gespielt hätten, dann wäre er möglicherweise mitgefahren. Der Trainer will nichts riskieren“, begründete Karl-Heinz Rummenigge die Null-Risiko-Strategie beim leicht am Muskel verletzten Lewandowski.

Der Torjäger wird noch dringender im Bundesliga-Topspiel bei Borussia Dortmund gebraucht, in dem die Bayern die gerade erst vom nationalen Rivalen eroberte Tabellenführung behaupten wollen. „Im Hinterkopf ist schon das Spiel am Samstag, das für uns sehr wichtig ist“, erläuterte Rummenigge. „Das ist bei Robert eine Geschichte von einigen wenigen Tagen. Er wird in Dortmund wieder auf dem Platz stehen, davon kann man ausgehen.“ Aber was macht Heynckes im stimmungsvollen Celtic Park, wo der FC Bayern mit einem Auswärtssieg frühzeitig das Achtelfinal-Ticket buchen könnte? Thomas Müller, im Münchner Kader der einzige Halbwegs-Ersatz auf der Mittelstürmer-Position für Lewandowski, fällt bekanntlich ebenfalls mit einer Muskelverletzung weiterhin aus.

In der Not nahm Heynckes sogar A-Jugend-Stürmer Manuel Wintzheimer (18) mit nach Schottland. Der erfahrene Coach ist gefordert - und Heynckes könnte in der Not sogar einen Einfall von Pep Guardiola aufgreifen: Arjen Robben könnte wie im DFB-Pokalfinale 2014 gegen Borussia Dortmund als verkappter Neuner im Sturmzentrum auflaufen.

„Ich weiß nicht, wer vorne drinstehen wird, aber vielleicht wird es eine kleine Überraschung geben. Wir haben nicht viele Kandidaten, die das machen können. Aber ich kann das vielleicht auch“, sagte Robben am Montag grinsend: „Ich habe das auch mal gespielt.“ Und das sehr erfolgreich, denn BVB-Schreck Robben erzielte am 17. Mai 2014 in der Verlängerung in der 107. Minute das so wichtige Tor zum 1:0.

Die Offensivausfälle dürften „keine Ausrede“ sein, erklärte Robben: „Wir müssen es mit den Spielern machen, die noch da sind. Es sind genug übrig.“ Kingsley Coman (Knieprellung) etwa will auf die Zähne beißen. James Rodríguez hat sich beim 2:0 gegen Leipzig empfohlen. „Wir wollen den zweiten Platz sicherstellen“, sagte Robben. Der mögliche Not-Mittelstürmer warnte aber nach dem lockeren 3:0 beim Hinspiel in München: „Celtic ist zu Hause ein bisschen stärker.“

Nach der Durststrecke: RB will den ersten Champions-League-Auswärtssieg

RB Leipzigs Timo Werner kehrt in die Startelf zurück.
RB Leipzigs Timo Werner kehrt in die Startelf zurück. Foto: Hendrik Schmidt/dpa
 

Nach dem Aus im Pokal und der Liga-Niederlage gegen den FC Bayern will sich RB Leipzig am Mittwoch (20.45 Uhr) erst recht mit dem Weiterkommen in der Champions League trösten. „Jetzt kommt der nächste Wettbewerb, wenn wir da gewinnen, sieht es gut aus“, sagt Trainer Ralph Hasenhüttl. Bereits mit einem Unentschieden würde seine Mannschaft vor Gastgeber FC Porto in der Gruppe G bleiben. „Nach dem Spiel weiß ich, ob ich damit zufrieden bin oder nicht“, sagte Hasenhüttl.

Auf ein Unentschieden am vierten Spieltag wird der 50 Jahre alte Österreicher sein angriffslustiges Team aber sicher nicht einstellen. Mit frischen Kräften soll vielmehr in der Schlussphase dieser anstrengenden Englischen Wochen der zweite Sieg in der europäischen Meisterklasse her. „Wir haben eine riesige Chance, den Vorsprung weiter auszubauen“, betonte Angreifer Yussuf Poulsen: „Das ist einfach das Ziel.“ Wie es geht, wissen die RB-Profis. Das Hinspiel vor zwei Wochen gewann Leipzig in der Red Bull Arena mit 3:2.

Im Estádio do Dragão, EM-Spielort vor 13 Jahren, will sich RB Leipzig nicht wieder so beeindrucken lassen von der Atmosphäre wie in Istanbul. Hasenhüttl vertraut da voll auf seine Schnell-Lerner, die sich auch auf höchstem internationalen Niveau schon gut eingelebt haben und immer selbstbewusster auftreten.

Daran werden auch die beiden schmerzvollen nationalen Niederlagen gegen die Bayern nichts ändern. Nach dem kraftraubenden Pokal-Heimspiel, das erst im Elfmeterschießen entschieden wurde, konnten sich die Leipziger beim 0:2 in München immerhin etwas schonen. Zu früh war die Partie nach der Roten Karte gegen Kapitän Willi Orban entschieden gewesen. Der 24-Jährige wird den Leipzigern im Heimspiel am kommenden Samstag gegen den Tabellenvierten Hannover 96 auch fehlen, er wurde vom DFB am Montag für seine Notbremse für ein Spiel gesperrt. Im Pokalduell war Naby Keita in der 54. Minute mit Gelb-Rot vom Platz geflogen.

Kevin Kampl wird voraussichtlich in die Startelf zurückkehren. Dasselbe gilt auch für Timo Werner. Seit dem 23. September wartet der Nationalstürmer auf einen Torerfolg. Nach dem verschossenen Elfmeter im Pokal nach später Einwechslung musste er im zweiten Spiel gegen die Bayern wegen der Unterzahl der Leipziger aus taktischen Gründen früh vom Platz. „Vielleicht kann er am Mittwoch zeigen, was er drauf hat“, sagte Hasenhüttl.

Formkrise: BVB spekuliert nicht mehr aufs Weiterkommen

BVB-Trainer Peter Bosz: Seine riskante Spielweise sorgt für Unmut.
BVB-Trainer Peter Bosz: Seine riskante Spielweise sorgt für Unmut. Foto: Petros Karadjias
 

Zwischen der Pleite in Hannover und dem deutschen Clásico gegen den FC Bayern München kämpft Borussia Dortmund um seine letzte Chance in der Champions League - doch aufs Weiterkommen spekuliert beim Finalisten von 2013 kaum jemand ernsthaft. „Ich bin kein Träumer, sondern Realist“, sagte Manager Michael Zorc vor dem vierten Gruppenspiel gegen APOEL Nikosia am Mittwoch (20.45 Uhr): „Für uns geht es jetzt darum, den dritten Platz zu sichern.“ Dieser würde als Trostpreis zumindest das Weiterspielen in der Europa League bedeuten.

Das Selbstbewusstsein nach dem guten Saisonstart in der Liga ist arg geschwunden in Dortmund. Vor drei Wochen träumten die Fans angesichts von fünf Punkten Vorsprung auf den FC Bayern von der Meisterschaft, nun sind es vor dem direkten Duell am Samstag plötzlich drei Punkte Rückstand. Das Wort Krise fällt bereits rund um den BVB. Und auch Trainer Peter Bosz muss sich wegen seiner riskanten Spielweise Unmut gefallen lassen.

Doch Zorc lässt Kritik an seinem Coach nicht zu. „Schizophren“ nannte er sie schon vor dem ernüchternden 2:4 bei Aufsteiger Hannover 96. Nun sagte er: „Die Systemfrage ist ein Alibi. Es kann nicht sein, dass die meisten Gegner giftiger und aggressiver sind als wir. Da liegt der Hase im Pfeffer. Das ist keine Systemfrage, sondern hat mit der Einstellung zu tun.“ Doch sogar Bundestrainer Joachim Löw riet Bosz, das System zumindest kritisch zu hinterfragen. „Klar kann man als Trainer auch die Einstellung bemängeln - die Idee, die man hat, möchte man schon immer verfolgen“, sagte er im ZDF-Sportstudio: „Natürlich immer mit einer Flexibilität, die man braucht. In manchen Situationen muss man vielleicht auch mal einen Schritt zurückgehen.“ Dortmunds Gegner hat derzeit noch größere Sorgen. Nach dem 1:1 beim Tabellenletzten Ethnikos Achnas ist APOEL in der zyprischen Liga nur Achter, Trainer Giorgos Donis bot sogar seinen Rücktritt an, der Verein lehnte aber ab.

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