zur Navigation springen

Streit um TV-Übertragungsrechte : Diese vier Vereine sind vom St.-Pauli-Antrag betroffen

vom

Sie sind von der „50+1“-Regel ausgenommen und sollen daher keine Einnahmen aus der Fernseh- und Gruppenvermarktung bekommen: Bayer Leverkusen, Hannover 96, Hoffenheim und der VfL Wolfsburg.

shz.de von
erstellt am 24.Nov.2015 | 13:46 Uhr

Der Bundesliga-Zweitligist St.Pauli sorgt mit einem Antrag über TV-Rechte für Fuore bei den Clubs der Bundesliga. Demnach sollen alle die Vereine von der Verteilung der Einnahmen aus der Fernseh- und Gruppenvermarktung ausgeschlossen werden, die sich nicht an die sogenannte „50+1“-Regel halten. Sie soll verhindern, dass die Bundesliga den Markt für Investoren öffnet und diese in Clubs über die Stimmenmehrheit verfügen. Das bedeutet, dass der Verein immer mindestens 51 Prozent der Stimmenmehrheit an seiner ausgegliederten Fußballabteilung halten muss. Viele Bundesligaclubs haben ihre Lizenzspielerabteilungen als Kapitalgesellschaften ausgegliedert, um Investoren anzulocken.

Bislang werden die Übertragungsrechte zentral von der DFL gesteuert. Die Erlöse werden auf die Vereine verteilt. In dieser Saison wurden insgesamt 850 Millionen Euro verteilt. Würde sich daran etwas ändern, müssten viele Vereine sich selbst vermarkten.

Die vier Investorenclubs in der Bundesliga, Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg, 1899 Hoffenheim und Hannover 96 (ab 2017), haben eine Ausnahmegenehmigung, sich nicht an die Regelung halten zu müssen. Sie fordern, den Antrag zurückzuweisen. Hauptargument ist die Aufkündigung der Solidargemeinschaft der Bundesliga und der 2. Bundesliga. Im Falle einer Eigenvermarktung könnte der FC Bayern deutlich höhere Erlöse erzielen als andere Clubs. 96-Präsident Martin Kind nannte den Vorstoß der Kiezkicker „unüberlegt und substanzlos“. Über den Antrag der Hamburger soll auf der DFL-Mitgliederversammlung am 2. Dezember in Frankfurt beraten werden.

Bayer Leverkusen

Fans in der Nordkurve der „BayArena“.
Fans in der Nordkurve der „BayArena“. Foto: Imago/Mika
 

Die Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der Bayer AG. Sie besitzt die Stimmenmehrheit über die ausgegliederte Profiabteilung und ist, weil die Bayer AG den Verein bereits seit über 20 Jahren gefördert hatte, von der „50+1“-Regelung ausgenommen. Die Bayer AG hat 2014 einen Jahresumsatz von 42,2 Milliarden Euro erzielt und beschäftigt rund 118.000 Mitarbeiter weltweit.

Der Verein ist seit dem 1. April 1999 eine Fußball GmbH, gegründet wurde er bereits 1904. Leverkusen stieg 1979 in die Bundesliga auf und ist seither ununterbrochen in der 1. Bundesliga. Es gibt 355 Fanclubs mit insgesamt 25.000 Mitgliedern.

Größte Erfolge in der Bundesliga:

1988 UEFA-Pokal-Sieger
1993 DFB-Pokal-Sieger
2002 Champions-League-Finalist
1997-2011 5x Vizemeister

 

VfL Wolfsburg

Bas Dost jubelt über einen Treffer. Auf seiner Brust prangt das Logo des VW-Konzerns.
Bas Dost jubelt über einen Treffer. Auf seiner Brust prangt das Logo des VW-Konzerns. Foto: Imago/nph

Die VfL Wolfsburg-Fußball GmbH ist ebenfalls von der „50+1“-Regel ausgenommen. Der Volkswagen-Konzern hielt bis 2007 zunächst 90 Prozent der Anteile, seither 100 Prozent.  Die Volkswagen AG hat 2014 einen Umsatz von 202,5 Milliarden Euro verbuchen können und beschäftigt in der Automobilbranche weltweit knapp 593.000 Mitarbeiter.

Der VfL Wolfsburg ist seit 1997 in der 1. Liga, es gibt 130 Fanclubs. Der Verein hat 19.750 Mitglieder.

Größte Erfolge in der Bundesliga:

2009 Deutscher Meister
2015 DFB-Pokal-Sieger
2015 DFB-Supercup-Sieger
2015 Vizemeister

 

1899 Hoffenheim

Fans der TSG 1899 Hoffenheim.
Fans der TSG 1899 Hoffenheim. Foto: Imago/Thomas Bielefeld

Seit 2008 ist die TSG 1899 Hoffenheim in der Fußball-Bundesliga vertreten. Der Verein aus dem gleichnamigen Sinsheimer Stadtteil wurde dank der finanziellen Unterstützung des SAP-Mitbegründers Dietmar Hopp innerhalb von nur 18 Jahren erstklassig. Hopp war selbst Spieler der TSG. Zuvor spielte der Verein lange in der Kreisliga, später in der Regionalliga. Hopp hält 96 Prozent der Anteile an der TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH. Auch er unterstützte den Verein länger als 20 Jahre lang, weshalb der Verein ebenfalls eine Ausnahmegenehmigung von der DFL-Regel besitzt.

Der Verein zählt 6200 Mitglieder und hat inzwischen mehr als 100 offizielle Fanclubs. Kamen Anfang 2000 nur rund 1800 Zuschauer zu den Spielen in der Regionalliga, waren es nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga bereits über 3000. Heute kommen zu den Bundesligaspielen im Schnitt über 27.000 Zuschauer.

Größte Erfolge:

2008 Vize-Meister in der 2. Bundesliga und Aufstieg
2007 Vize-Meister in der Regionalliga Süd und Aufstieg in die 2. Bundesliga
2001 Meister der Oberliga Baden-Württemberg und Aufstieg in die Regionalliga Süd
2002-2005 Badischer Pokalsieger

 

Hannover 96

96-Präsident Martin Kind (links) und Geschäftsführer Martin Bader.
96-Präsident Martin Kind (links) und Geschäftsführer Martin Bader. Foto: Imago/Kaletta
 

Die Profifußballabteilung des Vereins wurde am 20. Dezember 1999 in die Hannover 96 GmbH ausgegliedert. Bis 2014 verkaufte der Verein alle Anteile an die 1998 gegründete Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co KG. Anteilseigner sind Vereinspräsident Martin Kind (27,04 Prozent), Detlev Meyer (25,69 Prozent), Dirk Roßmann (19,76 Prozent), Michael Schiemann (12,45 Prozent), Gregor Baum (8,5), Matthias Wilkening (3,79) und die Verlagsgesellschaft Madsack (2,77 Prozent). Bislang wahrt der Verein die „50+1“-Regel. Ab 2017 könnte sich dies ändern. Präsident Kind strebt an, dass der Verein über 20 Jahre von der Regel ausgenommen werden kann. Dann möchte die S&S die volle Entscheidungsgewalt über die Profifußballabteilung übernehmen.

Der Verein ist insgesamt 28 Jahre in der Bundesliga vertreten und ist seit 2002 wieder dauerhaft erstklassig. Heute zählt der Verein rund 19.500 Mitglieder und 83 offizielle Fanclubs.

Größte Erfolge in der Bundesliga:

1938 Deutscher Meister
1954 Deutscher Meister
1992 DFB-Pokalsieger (als Zweitligist)
2011 UEFA-Europa-Leauge Viertelfinale
2012 UEFA Europa-Leauge Sechzehntelfinale

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen