DFB-Pokal : Titelverteidiger Frankfurt blamiert sich: 1:2 gegen Ulm

Der Ulmer Steffen Kienle (r) trifft zum 1:0.
Der Ulmer Steffen Kienle (r) trifft zum 1:0.

Nach 22 Jahren hat es wieder einen Titelverteidiger erwischt: Eintracht Frankfurt ist im DFB-Pokal schon in der ersten Runde ausgeschieden. Gegen den Viertligisten SSV Ulm gab es ein 1:2. Trainer Adi Hütter wünscht sich schon neue Spieler.

shz.de von
18. August 2018, 19:17 Uhr

Frankfurts neuer Trainer Adi Hütter wollte gerade das peinliche Pokal-Aus des Titelverteidigers gegen den Viertligisten erklären, da schallten die lauten Gesänge der Ulmer Sieger durch die offene Tür.

Hütter wartete einen Moment und stellte dann fest: «Dass wir hier heute ausscheiden, ist enttäuschend.» Eine Woche nach dem 0:5 im Supercup gegen den FC Bayern München verabschiedete sich Eintracht Frankfurt mit 1:2 (0:0) beim Fußball-Regionalligisten SSV Ulm 1846 aus dem DFB-Pokal - als erster Titelverteidiger seit 22 Jahren. «Wir müssen so schnell wie möglich probieren, in die Spur zu finden», sagte der Nachfolger von Niko Kovac.

Beim Ulmer Pokal-Comeback nach 17 Jahren Pause tat sich Frankfurt von Beginn an schwer mit der Rolle als Favorit und hatte lange keine Überlegenheit. Steffen Kienle (48. Minute) und Vitalij Lux (75.) trafen vor 18 440 Zuschauern im erstmals seit dem Bundesliga-Abschied wieder ausverkauften Donaustadion. Goncalo Paciencia gelang in der 90. Minute nur noch der Anschlusstreffer für Frankfurt.

«Das ist ein absoluter Traum», sagte Ulms Johannes Reichert. Zuletzt war der SSV, der seit dem Abstieg aus der Bundesliga drei Insolvenzen hinter sich hat, 2001 bei der bislang letzten Pokalteilnahme in die zweite Runde gekommen.

Die Euphorie des Pokalsiegs ist in Frankfurt schon vor dem Bundesliga-Auftakt beim SC Freiburg verschwunden. «Wir müssen auf den alten Weg zurück. So geht das nicht weiter», nörgelte Mijat Gacinovic nach zuletzt zwei Finalteilnahmen. «Wenn man in der ersten Runde ausscheidet gibt es kaum ein Wort das beschreiben kann, wie schlecht man sich gerade fühlt», sagte Danny da Costa. «Mir reicht es langsam mit den Nackenschlägen.»

Ohne die verletzten Timothy Chandler und Ante Rebic sowie den gesperrten Gelson Fernandes und vor allem ohne die Abgänge wie Kevin-Prince Boateng und Lukas Hradecky ist Frankfurt derzeit weit von der Stärke der vergangenen Saison entfernt. Das scheint auch Trainer Hütter klar zu sein, der seinen Wunsch nach weiteren Spielern auf der Pressekonferenz im engen Ulmer Stadion durchblicken ließ. «Ich bin mir sicher, dass, bevor das Transferfenster schließt, noch das ein oder andere passieren wird.» Sportdirektor Bruno Hübner sagte zuvor schon: «Ich glaube, dass wir uns noch finden und nächste Woche in Freiburg ein anderes Spiel zeigen und ein anderes Gesicht. Das warten wir ab.»

Zuletzt war der 1. FC Kaiserslautern 1996 als Titelverteidiger in der ersten Runde gescheitert. Insgesamt ist Frankfurt nun der fünfte Verein nach Lautern, Werder Bremen (1994), Kickers Offenbach (1979) und dem Hamburger SV (1963), der als Pokalsieger in der ersten Runde ausscheidet.

Ulm verdiente sich den Erfolg mit einem mutigen Auftritt. Kienle stand nach einem Freistoß am besten und schoss den Ball nach einem Pfostenkopfball von Ardian Morina aus kurzer Distanz ins Netz. Frankfurt wurde danach zwar noch zielstrebiger und kam zu guten Chancen. Neuzugang Lucas Torro traf den Pfosten (65.), Jovic scheiterte frei vor SSV-Torwart Christian Ortag (74.). Aber Ulm konterte, Lux traf - und der Titelverteidiger war draußen.

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