zur Navigation springen

Finale gegen Eintracht Frankfurt : Titelfluch besiegt – BVB gewinnt DFB-Pokal

vom

Der Alptraum hat für Borussia Dortmund ein Ende. Nach drei Finalpleiten in Serie darf diesmal der BVB jubeln.

Berlin | In der Stunde des Triumphes war bei Borussia Dortmund der Zwist für kurze Zeit vergessen. Trainer Thomas Tuchel und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke lagen sich nach dem Ende des Titelfluchs in den Armen. Die Dortmunder Spieler um Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang feierten indes im goldenen Konfettiregen ausgelassen den hart erkämpften DFB-Pokalerfolg. Auch der erneut verletzte Marco Reus humpelte mit bandagiertem Knie jubelnd über den Rasen. Nach drei verlorenen Endspielen setzten sich die Schwarz-Gelben am Samstag im Berliner Olympiastadion mit 2:1 (1:1) gegen Eintracht Frankfurt durch. Damit geht für die Eintracht das Warten auf den ersten Cuperfolg auch nach 29 Jahren weiter.

„Ich bin komplett leer. Das war ein hartes Stück Arbeit. Jetzt ist es perfekt“, sagte ein überglücklicher Tuchel, der in seinem womöglich letzten Spiel als Trainer der Schwarz-Gelben der erste Titelgewinn gelang. An Abschied dachte der Coach noch nicht. „Natürlich möchte ich Trainer bleiben. Ich habe für drei Jahre Vertrag und möchte ihn erfüllen.“ In den nächsten Tagen soll es zum Gespräch über eine weitere Zusammenarbeit kommen, das Verhältnis zu Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gilt aber als zerrüttet.

Doch „der Dissens“ spielte am Samstag keine Rolle. So sprach Tuchel von „besonderen Momenten“ und einem „Meilenstein“ auch im Hinblick auf den Anschlag auf den Dortmunder Mannschaftsbus vor dem Champions-League-Spiel gegen Monaco. Um 22:19 Uhr waren die erschütternden Geschehnisse ausgeblendet, als Kapitän Marcel Schmelzer den DFB-Pokal in den Berliner Abendhimmel stemmte. „Das sind tolle Momente. Momente, wofür wir arbeiten. Es war nicht einfach. Die Mannschaft hat es sich verdient“, sagte Dortmunds Präsident Reinhard Rauball. Für den BVB war es der insgesamt vierte Pokalsieg der Vereinsgeschichte.

Nach dem Erfolg konnte auch Reus wieder lachen, nachdem er zur Pause mit einer Knieverletzung raus musste. „Es ist vielleicht ein bisschen Kreuzband. Da müssen wir den Doc fragen, aber heute nehme ich das in Kauf“, sagte der Nationalstürmer, der erstmals in seiner Karriere einen Titel gewann.

Ousmane Dembélé (8.) und Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang per Foulelfmeter (67.) schossen den Dortmunder Pokal-Triumph heraus, für die Frankfurter konnte Ante Rebic zwischenzeitlich ausgleichen (29.).

Doch eine einseitige Angelegenheit war es keineswegs, der Bundesliga-Elfte Frankfurt war über weite Strecken ein ebenbürtiger Gegner und lieferte einen packenden Pokalfight ab. „Über 90 Minuten haben wir ein gutes Spiel gemacht und uns nach Kräften gewehrt. Es geht weiter, wir werden einen neuen Anlauf nehmen. Natürlich ist man enttäuscht, ich weiß es aber auch einzuschätzen. Dass man verliert, gehört zum Fußball dazu“, sagte Frankfurts Trainer Niko Kovac und Sportvorstand Fredi Bobic ergänzte: „Wir haben es dem großen Favoriten schwer gemacht. Es werden in den nächsten Jahren nicht soviele Chancen kommen, den Titel zu gewinnen.“

74.322 Zuschauer im ausverkauften Berliner Olympiastadion sorgten erwartungsgemäß für eine stimmungsvolle Kulisse. Der Pokal wurde von der zweimaligen Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt ins Stadion getragen.

Bei bestem Fußball-Wetter legte der BVB gut los. Bereits in der Anfangsphase sorgte Reus über den linken Flügel zweimal für Gefahr (2. und 4.). Nur vier Minuten später war es auch schon passiert. Nach Zuspiel von Lukasz Piszczek ließ Dembélé den Frankfurter Vallejo aussteigen und setzte den Ball ins linke obere Eck. Es war fast eine Kopie des 3:2-Siegtreffers aus dem Halbfinale gegen den FC Bayern München.

Nach dem frühen Tor waren die Frankfurter gezwungen zu reagieren. Und sie reagierten, während der BVB das Ergebnis erst einmal verwaltete. Ein Kopfball von Timothy Chandler war eine erste Warnung für den BVB (20.). Sechs Minuten späten waren die Hessen bei einer Doppelchance von Haris Seferovic und Rebic schon näher dran. Rebic besorgte schließlich auch den Ausgleich. Nach Zuspiel von Mijat Gacinovic ließ der Kroate dem Dortmunder Schlussmann Roman Bürki keine Chance.

Und die Dortmunder Mienen verfinsterten sich weiter, zumal Reus schon früh humpelte und nach gut einer halben Stunde länger am Knie behandelt wurde. Dazu blieb die Eintracht am Drücker und verpasste kurz vor der Pause knapp das Führungstor. Nach einem Doppelpass mit Gacinovic traf Seferovic den Pfosten (39.). Der Schweizer hatte erwartungsgemäß den Vorzug vor Publikumsliebling Alexander Meier erhalten.

Für Reus ging es nach der Pause nicht weiter, ebenso blieb Kapitän Marcel Schmelzer mit Oberschenkelproblemen in der Kabine. Dafür brachte Tuchel den jungen Amerikaner Christian Pulisic und Gonzalo Castro ins Spiel. Nuri Sahin, der auch eine Alternative gewesen wäre, stand indes aus taktischen Gründen überhaupt nicht im Kader.

Die Pause tat dem BVB gut, die Westfalen rissen das Spiel wieder an sich und kamen gleich zu ersten Chancen. Shinji Kagawa tauchte in halblinker Position frei vor dem Tor auf, traf aber den Ball nicht richtig (50.). Noch brenzliger wurde es bei einem Seitfallzieher von Aubameyang, als Frankfurts Marco Fabian kurz vor der Linie rettete und der Ball noch die Latte touchierte (63.). Kurz darauf erzielte Aubameyang doch noch sein Tor. Nach Foul von Frankfurts Schlussmann Lukas Hradecky an Pulisic traf der Bundesliga-Torschützenkönig vom Punkt. Womöglich war es das Abschiedsgeschenk des in Europa heiß begehrten Aubameyang.

Das Gegentor war zugleich das Signal für Kovac, Meier ins Spiel zu bringen. Und der Stürmer hatte gleich eine gute Gelegenheit (79.), auf der Gegenseite traf Aubameyang die Latte (86.).

Das Finaltrauma des BVB

Späte Gegentore, strittige Schiedsrichterentscheidungen und fehlendes Elfmeterglück - Borussia Dortmund beklagte in den vergangenen Jahren ein Finaltrauma. Erst im fünften Anlauf gelang ein Sieg. Die Spiele im Überblick:

25. Mai 2013, Champions League Bayern München - Borussia Dortmund – 2:1

Nach Toren von Mario Mandzukic (60.) und Ilkay Gündogan (66./Foulelfmeter) läuft alles auf eine Verlängerung hinaus. Doch eine Minute vor dem Ende der regulären Spielzeit reißt Arjen Robben mit seinem Siegtor die Borussia aus allen Träumen vom zweiten Champions-League-Triumph nach 1997.

17. Mai 2014, DFB-Pokal Borussia Dortmund - Bayern München – 0:2 n.V.

Eigentlich darf es gar nicht zur Verlängerung kommen. Einem regulären Treffer von BVB-Abwehrspieler Mats Hummels wird die Anerkennung verweigert. TV-Bilder bewiesen, dass Dante den Ball erst hinter der Linie klärt. Das befeuert Rufe nach der mittlerweile eingeführten Torkamera. In der Verlängerung treffen Arjen Robben (107.) und Thomas Müller (120.) für die Münchner.

30. Mai 2015, DFB-Pokal Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg – 1:3

Nach dem frühen 1:0 durch Pierre-Emerick Aubameyang wähnt sich der BVB auf einem guten Weg zu seinem vierten Pokaltriumph. Zumal sich wenig später Marco Reus die große Chance zum 2:0 bietet. Doch der VfL schlägt binnen 16 Minuten durch Luiz Gustavo (22.), Kevin De Bruyne (33.) und Bas Dost (38.) eiskalt zurück.

21. Mai 2016, DFB-Pokal Bayern München - Borussia Dortmund – 4:3 i.E.

Am Ende einer kräftezehrenden Partie mit Vorteilen der Münchner kommt es zum Showdown vom Punkt. Die Dortmunder Abwehrspieler Sven Bender und Sokratis scheitern und besiegeln die neuerliche Pokalpleite. Der BVB fordert einen Platzverweis für den Münchner Franck Ribéry nach einer Tätlichkeit gegen Gonzalo Castro.

27. Mai 2017, DFB-Pokal Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund –  1:2

Endlich geschafft. Unbeeindruckt von den störenden Spekulationen über die Zukunft von Trainer Thomas Tuchel schießen Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang den BVB zum verdienten Sieg. Damit feiert der Revierclub nur sechs Wochen nach dem Sprengstoffanschlag auf den Teambus einen krönenden Abschluss einer schwierigen Saison.

zur Startseite

von
erstellt am 28.Mai.2017 | 09:38 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen