DFB-Pokal in Flensburg : Flutlicht, Los und Public Viewing: Die Fragen nach Weiches Pokal-Triumph

Die zweite Runde im DFB-Pokal ist erreicht – und die Fußball-Fans in der Region dürfen auf vieles gespannt sein.

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21. August 2018, 12:35 Uhr

Flensburg | Das Stadionmagazin zum DFB-Pokalspiel des SC Weiche Flensburg 08 gegen den VfL Bochum trug auf der Titelseite den Vermerk „Ausgabe 1“.  „Wir wollen ja in der zweiten Runde wieder ein Heft herausbringen“, hatte SC-Liga-Geschäftsführer Harald Uhr zwei Tage vor dem Spiel gesagt und dabei gelächelt.

<p>Mit dem Knie ins Pokal-Glück: Kevin Schulz erläuft den Pass von Florian Meyer, ist schneller als Bochums Timo Perthel und überwindet Torhüter Felix Dornebusch mit einem Heber.</p>
Jan Kirschner

Mit dem Knie ins Pokal-Glück: Kevin Schulz erläuft den Pass von Florian Meyer, ist schneller als Bochums Timo Perthel und überwindet Torhüter Felix Dornebusch mit einem Heber.

Jetzt gibt es tatsächlich eine zweite Ausgabe, denn der SC Weiche Flensburg 08 steht nach dem Sieg in der 2. Runde des DFB-Pokals, trifft dort auf einen Erst- oder Zweitligisten. „Die Spieler arbeiten doch, mussten Montagmorgen wieder früh raus. Es gibt keinen Grund, hier wilde Sau zu spielen. Wir haben den Sieg mit Stolz genossen“, sagte der Vereinsvorsitzende „Haddy“ Suhr.

Doch wo wird gespielt?

Blick auf die Zuschauertribüne im Manfred-Werner-Stadion in Weiche. Den Ansprüchen der 3. Liga würde es im Fall eines Aufstiegs nicht genügen.
Marcus Dewanger
Blick auf die Zuschauertribüne im Manfred-Werner-Stadion in Weiche: Sie ist nicht drittligatauglich.
 

Am 30. und 31. Oktober sind die Spiele um 18.30 und 20.45 Uhr angesetzt – Licht muss her. Da passt es nicht, dass die Stadt Flensburg die Errichtung einer Flutlichtanlage abgelehnt hat. Doch die Verantwortlichen des SC Weiche 08 geben nicht auf, wollen unbedingt in ihrer Heimatstadt spielen. Angebote zur Miete einer mobilen Flutlichtanlage werden geprüft und am Freitag, zwei Tage vor der Auslosung, gibt es ein Gespräch mit der Stadtverwaltung.

Public Viewing zur Auslosung

imago/Martin Hoffmann

Am Sonntag, den 26. August wird im Rahmen der ARD-Sportschau (Beginn 18 Uhr) die zweite Hauptrunde im DFB-Pokal ausgelost  – und der SC Weiche Flensburg 08 ist noch mit „im Pott“. Deshalb gibt es von 17 Uhr an im Vereinsheim in Weiche (Bredstedter Straße) eine Auslosungsparty.

Der Modus zur Auslosung

Die Paarungen der zweiten Runde werden aus zwei Behältern ausgelost, deren einer die Mannschaften der Bundesliga und 2. Bundesliga und deren anderer die Amateur-Mannschaften enthält. Dabei gilt der Status im Spieljahr des auszulosenden Wettbewerbs. Es wird je ein Los zuerst aus dem Amateurbehälter und danach aus dem Behälter mit den Losen der Bundesliga und der 2. Bundesliga gezogen. Sind in einem Behälter keine Lose mehr vorhanden, werden die verbleibenden Mannschaften des anderen Behälters gegeneinander ausgelost. Die zuerst gezogene Mannschaft hat in jedem Fall Heimrecht.

Trainer, Spieler, Verantwortliche, Fans – alle hatten ihren Anteil am Pokalerfolg

Der Trainer

Erfolgstrainer: Daniel Jurgeleit.
Marcus Dewanger
Erfolgstrainer: Daniel Jurgeleit.

„Wir werden einen guten Matchplan haben“, hatte Kapitän Christian Jürgensen vor dem Spiel gesagt. Und Daniel Jurgeleit, für seine akribische Vorbereitung auf jedes Spiel bekannt, hatte tatsächlich einen Plan. Nicht wenige Beobachter hatten sich erstaunt die Augen gerieben, als sie die Aufstellung sahen. Doch es passte alles.

Jurgeleit blieb sich auch in der Stunde des Erfolges treu, analysierte ganz nüchtern und sachlich: „Es ist nicht so überraschend, dass man im Pokal mal eine Runde weiterkommt.“ Fast symptomatisch: Das Siegtor von Kevin Schulz verfolgte er gänzlich unaufgeregt, während um ihn herum die Freude überschwappte.

Die Spieler

Jubel-Traube: Kevin Njie herzt den Torschützen Kevin Schulz, auch Patrick Thomsen (li.), Ilidio Pastor Santos (re.) und Nico Empen freuen sich mit. Fotos: marcus dewanger (3)
Marcus Dewanger
Jubel-Traube: Kevin Njie herzt den Torschützen Kevin Schulz, auch Patrick Thomsen (li.), Ilidio Pastor Santos (re.) und Nico Empen freuen sich mit.

Keeper Florian Kirschke: Bärenstark. Kevin Njie lieferte als rechter Abwehrspieler in der Dreierkette eine ganz starke Partie ab. Florian Meyer lieferte Geniestreiche. Nico Empen rannte und rackerte in der Spitze. Ilidio Pastor Santos wies eine überragende Zweikampf-Quote von 92 Prozent auf. Alle 14 Akteure, die am 1:0 beteiligt waren, wuchsen über sich hinaus.

Bei der Wahl zum „Man of the Match“, die über die DFB-Pokal-App lief, machte Torschütze Kevin Schulz das Rennen. Der war, nachdem er den TV-Marathon mit zahlreichen Interviews hinter sich gebracht hatte, geradezu perplex: „Fußball ist so schnelllebig. Was sich alles ändert, wenn man mal ein Tor schießt, das ist schon erstaunlich.“

Das Umfeld

Vom Profifußball ist man in Flensburg noch ein gutes Stück entfernt, aber vielleicht macht gerade das den Charme aus. Bei der Organisation eines Großereignisses wie am Sonntag stoßen Vereinsmitarbeiter und die zahlreichen engagierten Helfer oftmals an ihre Grenzen, doch sie machen einfach weiter und lassen sich auch von Gegenwind nicht bremsen. Und den gibt es reichlich. Jüngstes Beispiel: Die Stadt Flensburg hat die Errichtung einer Flutlichtanlage – die von der kommenden Saison an in der Regionalliga verpflichtend ist – abgelehnt.

Die Fans

Laut und engagiert: Die Fans des SC Weiche 08 machten am Sonntag richtig Stimmung.
Marcus Dewanger
Laut und engagiert: Die Fans des SC Weiche 08 machten am Sonntag richtig Stimmung.

3500 Zuschauer – ausverkauftes Haus, die Stimmung war kaum zu toppen. Am Sonnabend im Regionalliga-Spiel gegen Rehden werden es weitaus weniger Besucher sein. Doch auch hier wächst etwas. In der vergangenen Saison kamen erstmals mehr als 1000 Besucher im Schnitt zu den Heimspielen. Die überdachte Stehtribüne – übrigens ebenfalls in Eigenregie errichtet – ist mit dafür verantwortlich.

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