zur Navigation springen

DFB-Pokal : FC Bayern München gegen den BVB: das shz.de-Fanduell

vom

Das Halbfinale als Finale: Heute Abend entscheidet sich, wer DFB-Pokalsieger wird. Dazu zwei explizite Meinungen.

Von-1991-bis-2014-Bayern-Fan Götz Bonsen

Trotz der Münchner „Krise“ liegt Borussia Dortmund mal wieder 14 Punkte hinter dem Quasi-Meister. Klingt schlimm, ist es auch. Denn die Tuchel-Elf kann seit Jahren schon nicht mehr mithalten. Dass die Quote des Anbieters Bwin auf einen Bayern-Sieg trotz des Ausfalls von Welttorhüter Manuel Neuer bei kümmerlichen 1,5 liegt (Dortmund: 6,5), überrascht mich aber fast schon selbst. Es hat ja auch schon deftige Pokalniederlagen der Rekordpokalsieger gegen den selbsternannten Meisterschaftsrivalen gegeben.

Seinerzeit war der Spielverderber zwar auch schon im Biene-Maja-Kostüm unterwegs – aber es war keine Schuljungentruppe, so wie heute. So frühstückten die erfahrenen Bayern die planlose Wuselkost der selbsternannten Preußen im letzten direkten Duell vor nicht mal drei Wochen mit 4:1 ab. Ramba-Zamba der alten Herren.

<p>Gute Stimmung nach dem jüngsten 4:1.</p>

Gute Stimmung nach dem jüngsten 4:1.

Foto: dpa

Es sei auch ein Duell der Top-Torjäger, liest man – Einspruch: Robert Lewandowski hat im Pokal fünf Tore erzielt, Pierre-Emerick Aubameyang ist unter Flutlicht vollkommen blind. Pokaltore: Fehlanzeige. Robert hat noch eine Rechnung offen. Selten übersteht er die Duelle gegen seinen Ex-Club unverletzt, fast immer trägt er Prellungen, ungeahndete Griffe ins Gesicht oder gar Brüche davon. Nach einem Zusammenprall mit dem Dortmunder Keeper Bürki im jüngsten Spiel war es mal wieder so weit. Lewa verletzte sich an der Schulter und verpasste dadurch das Hinspiel gegen Real Madrid. Es war vielleicht der Knackpunkt für den gesamten Saisonverlauf der Münchner. Der faire Pole zieht bekanntlich Revanchetore Revanchefouls vor und wird erneut treffen. Und die Heimbilanz der Münchner gegen Dortmund spricht für sich: 32 Siege, elf Niederlagen.

Zur Aufstellung: Ulreich - Lahm, J. Boateng, Hummels, Alaba - Xabi Alonso - Robben, Thiago, Vidal, F. Ribery - Lewandowski. Es sieht beinahe nach Bestbesetzung aus. Neuer-Ersatz Sven Ulreich wird darin als große Schwachstelle angesehen. Der frühere Stuttgarter hat im Laufe der Jahre gegen Dortmund auch nur einmal die Null gehalten. Er ist es aber auch, der gegen die Borussen meist bester Spieler seines Teams war – mit einer furchteinflößenden Zahl von Einser- und Zweiernoten. Zudem wird er im Hinblick auf einen geplanten Wechsel im Sommer ein Feuerwerk der Paraden abliefern wollen, sofern die Dortmunder überhaupt den wiedergenesenen Abwehrriegel ausspielen können.

Im Angriff heißt es wie Anfang April im Fünfminutentakt: Robben zieht mit dem Ball am Fuß von rechts nach innen, Marcel Schmelzers Beine verknoten, keiner sichert innen ab, Robben haut drauf und es ertönt: „Tulpen aus Amsterdam“.

Vor allem aber geht es heute um etwas sehr Persönliches: Philipp Lahm will seine große Karriere mit einem Endspiel in Berlin beenden und alle, wirklich alle Bayern-Spieler und Fans werden durch dieses Unterfangen dreifach motiviert sein. „Ob es eine gute oder sehr gute Saison wird, hängt vom Pokal ab“, so spricht der weichende Kapitän, und mahnt musterprofessionell: „die Chancen stehen 50:50“. Was könnte es schöneres geben, als dass der größte Außenverteidiger der Fußball-Geschichte in Berlin in seinem allerletzten Spiel den Pokal hisst? Große Spieler weinen nur in Mai und Juni.

<p>Philipp Lahm nach einem Spiel 2013, das Borussia Dortmund am Ende knapp mit 1:2 verlor.</p>

Philipp Lahm nach einem Spiel 2013, das Borussia Dortmund am Ende knapp mit 1:2 verlor.

Foto: dpa

BVB-Mitglied Joachim Dreykluft, der auf dieselbe Schule ging wie Mario Götze:

Was war das ein Spaß vor zwei Jahren, als der FC Bayern keinen einzigen Elfer reinschoss, Lahm und Alonso ausrutschten, und Neuer und der Fast-Mitschüler des Autors ebenfalls vergeigten. Herrlich! So kann es heute auch kommen. Wenn schon Elfmeterschießen, dann bitte so.

Die Stimmung beim Ballspielverein ist derzeit einzigartig. Der Bombenanschlag steckt natürlich noch in den Knochen, doch der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft und mit dem Trainer ist so stark wie nie in der Ära Tuchel. Ausgerechnet dieser dürre Mann, der sich traute, Klopp-Nachfolger zu werden und das so unkloppisch macht, wie es nur geht.

Und dann legt sich Thomas Tuchel mit Aki Watzke an und stellt sich vor seine Spieler. Watzke hatte die Ansetzung des Spiels gegen Monaco nur einen Tag nach dem Busanschlag als „alternativlos“ kritisiert. Tuchel kritisierte das scharf. In diesem Moment wurden er und die Mannschaft eins.

Thomas Tuchel bei der Pressekonferenz nach der Heimniederlage gegen Monaco.

Kommen wir zu dem, was schon viele Fußballspiele entschieden hat: die Statistik. 31!!! Jahre ist es her, dass der BVB zuletzt ein DFB-Pokal-Halbfinale verlor. Der BVB selbst weist auf seiner Website darauf hin, dass der Torwart damals Eike Immel hieß. Die Jüngeren von uns kennen ihn nur als Dschungelcamper.

Auch auf einen weiteren „Fakt zum Spiel“ führt der BVB an, der mindestens für einen Treffer auf dem Fußballplatz des Versicherungskonzerns gut sein wird. „Der BVB gewann 20 seiner letzten 21 Auswärtsspiele im DFB-Pokal.“ Mit Tränen in den Augen erinnern wir uns noch an das großartige 3:0 am 3. August 2013 beim SV Wilhelmshaven, das stolz in diese Statistik eingeflossen ist.

Die für BVB-Verhältnisse angenehm kurze Verletztenliste unterstützt den Optimismus. Nuri Sahin wird fehlen, der war zuletzt großartig, ob Papa Sokratis kann, wissen wir noch nicht, er fliegt aber erstmal mit nach München. Bartra leidet immer noch an seiner Verletzung vom Bombenattentat.  Dass ansonsten mit Götze, Schürrle und Rode fast 70 Millionen Euro an Ablösesumme nicht zur Verfügung stehen, daran haben wir uns gewöhnt. Mit Weigel, Castro, Guerreiro, Pulisic, Aubameyang und Reus werden Fachkräfte von Weltformat in der Anfangs-Elf auf dem Platz stehen.

Dann wäre nur noch eine Voraussetzung zu erfüllen, damit wir die Sportgemeinde in Berlin treffen: Marcel Schmelzer sollte sich noch ein Video anschauen mit Robbens altem Rechts-links-vorbei-Trick. Hier ist es Schmelle, bei 1:02:

Und wenn Manuel Gräfe dann nicht vergisst, Ribéry Rot zu zeigen, wird alles gut.

Sieht ständig rot, bekommt aber keins: Franck Ribéry, hier mit Felix Passlack im Supercup-Finale 2016.

Sieht ständig rot, bekommt aber keins: Franck Ribéry, hier mit Felix Passlack im Supercup-Finale 2016.

Foto: Imago/Camera 4
Und auch hier, diesmal Ribéry und das Auge von Gonzalo Castro.

Und auch hier, diesmal Ribéry und das Auge von Gonzalo Castro.

Foto: Imago/Norbert Schmidt
 
zur Startseite

von
erstellt am 26.Apr.2017 | 15:49 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen