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Affäre um WM 2006 in Deutschland : DFB: Prüfen keine Anzeige gegen Theo Zwanziger

vom

Die Meldung, dass der DFB gegen Zwanziger wegen des Verdachts der Untreue eine Klage prüft, sorgte für Furore. Doch der Verband widerspricht.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2015 | 16:00 Uhr

Im Wirbel um die Korruptionsaffäre bei der Vergabe der Fußball-WM 2006 erwägt der DFB eine Klage gegen seinen ehemaligen Präsidenten Theo Zwanziger - wegen des Verdachts der Untreue. Das berichtet zumindest die Süddeutsche Zeitung. Sie will diese Information aus dem „Führungszirkel“ des Deutschen Fußball-Bundes erhalten haben. Doch der DFB widerspricht am Nachmittag vehement: „Die heute über die Medien verbreitete Meldung, wonach der DFB eine mögliche Anzeige gegen den ehemaligen Verbandspräsidenten Dr. Theo Zwanziger prüfe, ist falsch und entbehrt jeder Grundlage“, sagte der beim DFB für Rechtsfragen zuständige Vize-Präsident Rainer Koch am Dienstag.

Für den WM-Zuschlag soll nach einem unbestätigten „Spiegel“-Bericht Geld aus einer schwarzen Kasse des Bewerbungskomitees geflossen sein. Der frühere Adidas-Chef Robert-Louis Dreyfus soll diese Summe aus seinem Privatvermögen zur Verfügung gestellt haben. Das Geld könnte laut „Spiegel“ dazu eingesetzt worden sein, um die Stimmen von vier asiatischen Mitgliedern des FIFA-Exekutivkomitees zu gewinnen. Eineinhalb Jahre vor der WM soll Dreyfus das Geld zurückgefordert und über ein FIFA-Konto auch erhalten haben.

Koch verwies lediglich auf die externe Untersuchung einer Wirtschaftskanzlei und die interne Prüfung des Kontrollausschusses beim DFB. „Weitere Entscheidungen des DFB-Präsidiums können erst nach Vorliegen von Untersuchungsergebnissen erfolgen“, sagte Koch.

Bei der Anzeige soll es dem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge um die Umstände der Überweisung von 6,7 Millionen Euro auf ein Genfer Konto der Fifa im Jahr 2005 gehen. Das Geld soll angeblich für eine Eröffnungsgala der WM gedacht gewesen sein. Diese wurde dann jedoch abgesagt.

Auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung erklärte das Bundesinnenministerium, man habe bei einer „Sichtung der hier vorliegenden Unterlagen“ keine Hinweise auf Zahlungen des Organisationskomitees an die Fifa in Höhe von 6,7 Millionen Euro im Hinblick auf die Eröffnungsgala gefunden; ebenso wenig wie Hinweise auf eine „geplante oder eine tatsächliche Kostenbeteiligung des OK an der Gala“, heißt es in dem Bericht.

Falls es keinen Anlass für die Zahlung gegeben hat, will der DFB dem Bericht zufolge offenbar auch das Geld von der Fifa zurückzufordern.

Welche Rolle spielte Zwanziger? Er soll laut Süddeutscher Zeitung mit seinem Kollegen Horst R. Schmidt die Überweisung der 6,7 Millionen Euro veranlasst haben. Zwanziger war Vizechef im Organisationskomitee, Schmidt OK-Vize und DFB-Generalsekretär.

Wolfgang Niersbach will sich das „Sommermärchen“ unterdessen nicht kaputtmachen lassen. Den Verdacht des Stimmenkaufs wies der DFB-Präsident vehement zurück. „Die WM 2006 war ein Sommermärchen, und sie ist ein Sommermärchen. Das Sommermärchen ist nicht zerstört, weil ich auch hier nochmal sage: Es hat keine Schwarzen Kassen gegeben, es hat keinen Stimmenkauf gegeben“, kommentierte er bei seinem Auftritt im neuen Deutschen Fußballmuseum in Dortmund. Und Niersbach kündigte an, die Behauptungen zu widerlegen.

Die dubiose 6,7-Millionen-Euro-Zahlung sei „ein offener Punkt“, räumte er aber ein. Man müsse die Frage stellen, „wofür diese Überweisungen der 6,7 Millionen verwendet wurden“.

Zwanziger wiederum äußerte über seinen Anwalt Zweifel an der internen Aufarbeitung durch den Verband. „Soweit vonseiten des DFB dargestellt wird, dass seit Juni 2015 aufgeklärt werde, erscheint nicht unproblematisch, dass dies durch den Kontrollausschuss, der unter der Weisungsbefugnis des in der vorliegenden Sache beteiligten Präsidenten steht, erfolgen soll“, sagte der 70-Jährige.

Nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub will Zwanziger „alle ihm vorliegenden Erkenntnisse zusammenfassend darstellen“ und diese durch eine eidesstattliche Versicherung dokumentieren.

Der Vorgänger Niersbachs wehrt sich gegen den Verdacht, er sei in dem „Spiegel“-Bericht der „Maulwurf“, weil er mit Niersbach zerstritten sei. Dies hatte der frühere Mediendirektor Guido Tognoni am Wochenende so angedeutet.

Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport bei Transparency International, verlangte ein detailliertes Statement von Zwanziger, an den sie im Moment „die meisten Fragen“ habe. „Was hat er damals gewusst, warum hat er nichts gesagt, oder hat er wirklich nicht nachgefragt? Das wäre aber völlig unüblich für ihn“, sagte Schenk bei hr-Info.

Bereits eingeschaltet ist die Staatsanwaltschaft Frankfurt. Als mögliche Tatbestände nannte eine Sprecherin am Montag Betrug, Untreue oder Korruption. Es wird geprüft, ob es einen Anfangsverdacht für ein Ermittlungsverfahren gibt.

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