Vor der 1. Runde : DFB-Pokal: Was ist das überhaupt?

<p>Das Objekt der Begierde ging zuletzt überraschend an Eintracht Frankfurt.</p>

Das Objekt der Begierde ging zuletzt überraschend an Eintracht Frankfurt.

Für unsere Redakteurin ist der Fußball ein Buch mit sieben Siegeln. Ihr sportaffiner Kollege stellt sich ihren Fragen.

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16. August 2018, 15:06 Uhr

Endlich heißt es wieder Klein gegen Groß, Dorfverein gegen Großstadtklub, Feierabend-Kicker gegen Millionentruppe, Amateure gegen Profis. Am Freitag startet mit der 1. Runde im DFB-Pokal die neue Fußball-Saison – und Millionen Fans können die größtenteils ungleichen Duelle wie TuS Erndtebrück gegen den Hamburger SV (Samstag, 18.30 Uhr) oder SV Drochtersen-Assel gegen den FC Bayern München (Sonnabend, 15.30 Uhr) kaum erwarten.

 

Aber warum eigentlich? Das fragt sich unsere Redakteurin Merle Dießelkämper. Sie kann die Vorfreude auf den DFB-Pokal so gar nicht nachvollziehen, schließlich gibt es doch schon die Bundesliga. Und damit mehr als genug Fußball. Falsch, DFB-Pokal und Bundesliga haben ganz und gar nichts miteinander zu tun. Davon abgesehen ist der Pokal sogar attraktiver, findet Merles Kollege Jannik Schappert – und erklärt ihr diesen Wettbewerb.

Merle: DFB-Pokal – was ist das eigentlich? Gibt es einen Unterschied zwischen Pokal und Bundesliga?
Jannik: Merle, das sind doch zwei ganz unterschiedliche Dinge. In der Bundesliga spielen die 18 besten Vereine Deutschlands um die Meisterschaft, den wichtigsten nationalen Titel. Der Pokal ist viel weniger elitär, an ihm nehmen insgesamt 64 Mannschaften – auch aus unterklassigen Ligen – teil. Er ist vielleicht nicht der wichtigste nationale Wettbewerb, aber dafür der schönste und spannendste.

Denn vor dem Spiel ist klar: Es wird einen Sieger geben. Wenn es nach 90 Minuten unentschieden steht, gibt es eine halbe Stunde Verlängerung. Gibt es dann immer noch keinen Sieger, geht es ins Elfmeterschießen. Es bringt also eigentlich nichts, nur in der Abwehr zu stehen und abzuwarten. Dadurch sind Pokalspiele häufig attraktiver als Bundesligaspiele. Und was auch ganz wichtig ist: Es steht nicht vorher fest, dass am Ende die Bayern die Trophäe gewinnen.

Wieso Bayern? Gewinnen die sonst immer?
Na ja, das muss man für die Bundesliga fast so sagen. Seit sechs Jahren gibt es keinen anderen Meister als die Bayern. Aber im Pokal, da sieht es anders aus. Da waren die Münchener in den letzten sechs Jahren „nur“ drei Mal der Sieger, in den letzten zwei Jahren sind sie sogar komplett leer ausgegangen. Und was ganz wichtig ist: Vor drei Monaten hat Bayern das Finale gegen Eintracht Frankfurt verloren, damit hat überhaupt niemand gerechnet – im DFB-Pokal ist eben alles möglich.

Okay. Aber ich verstehe noch nicht, warum Klubs, von denen ich schon mal am Rande gehört habe, gegen kleine Dorfvereine spielen, die kaum jemand kennt.
Genau diese Konstellation – großer Klub gegen kleiner Dorfverein – macht den Reiz des Pokals aus. Kleine Vereine hätten ansonsten ja nie die Chance, in einem Pflichtspiel gegen Profis zu spielen.

Stell' dir mal vor, du kickst normalerweise vor 50 Leuten in der 5. Liga und spielst immer nur gegen Teams aus deinem Bundesland. Und plötzlich hast du die Chance, dich in deinem Heimstadion vor Tausenden Zuschauern mit Spielern wie Thomas Müller oder Marco Reus zu messen – nicht in einem Testspiel, in dem es um nichts geht, sondern in einem Pflichtspiel, das sogar im Fernsehen übertragen wird.

Klingt spannend. Aber wo ist der Sinn? Es ist doch sowieso klar, wer gewinnt.
Oh nein, der Pokal hat seine ganz eigenen Gesetze. 2012 zum Beispiel, da hat der Viertligist Berliner AK in der 1. Runde 4:0 gegen Hoffenheim gewonnen. 2015 hat der Hamburger SV 2:3 bei Carl Zeiss Jena verloren, obwohl das Team drei Ligen unter dem HSV gespielt hat. Auch Bayern München hat sich schon im Pokal blamiert.

<p>Im Pokal müssen die Profis mit kleinen Stadien wie dem Kehdinger Stadion in Drochtersen, wo Bayern München am Samstag antritt, Vorlieb nehmen.</p>
Carmen Jaspersen/dpa

Im Pokal müssen die Profis mit kleinen Stadien wie dem Kehdinger Stadion in Drochtersen, wo Bayern München am Samstag antritt, Vorlieb nehmen.

 

Es gibt eigentlich jedes Jahr Überraschungen und Sensationen. Wenn die unterklassigen Teams das große Los ziehen, gegen einen Bundesligisten zu spielen, haben sie automatisch Heimrecht. Dann müssen die Profis meist in kleinen, engen, spartanischen Stadien auf ungewohnt holprigem Rasen gegen Gegner spielen, die um jeden Zentimeter kämpfen  – und da können die überbezahlten Profis eigentlich nur schlecht aussehen.

Wer darf denn alles mitspielen? Und wer bestimmt das?
Welche 64 Mannschaften mitspielen dürfen, ist im Regelwerk des DFB-Pokals festgelegt. Auf jeden Fall qualifiziert sind die 18 Bundesligisten, die 18 Zweitligisten und die besten vier Teams der vorherigen Drittliga-Saison. Die anderen 24 Teilnehmer qualifizieren sich über die Pokalwettbewerbe der verschiedenen Landesverbände, die es in Deutschland gibt. Auf diese Weise hat es über den Schleswig-Holstein-Pokal in diesem Jahr zum Beispiel zum ersten Mal auch der SC Weiche Flensburg in den DFB-Pokal geschafft und empfängt am Sonntag um 15.30 Uhr den VfL Bochum aus der 2. Liga.

Theoretisch kann also jeder Verein mitspielen, egal in welcher Liga er spielt. Kennst du den TSV Gerbrunn? Der schaffte es 2003 als Kreisligist in den Pokal. Cool, oder?

Geht so. Und warum dauert das Ganze so lange? Ich dachte, der Pokal füllt nur das Sommerloch.
Genau genommen geht der Pokal sogar länger als die Bundesliga. Die erste Runde findet vor dem ersten Spieltag statt, das Finale im Berliner Olympiastadion nach dem letzten Spieltag. Es ist damit der Höhepunkt der ganzen Saison.

Die Abstände, in denen die Runden ausgetragen werden, sind unregelmäßig. Nach den 32 Partien der ersten Runde, die am Wochenende ausgespielt werden, geht es im Oktober mit den 16 Spielen der zweiten Runde weiter. Dann kommen im Februar 2019 das Achtelfinale, im April das Viertel- sowie das Halbfinale und im Mai das Endspiel.

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