zur Navigation springen

Confed Cup 2017 : Deutschland gegen Kamerun: Kein Selbstläufer gegen die Dauerläufer

vom

Gegen Kamerun geht es heute beim Confed Cup für die deutsche Nationalmannschaft um den Gruppensieg und das Weiterkommen. Trotzdem will Bundestrainer Löw mit Blick auf das erwartete Halbfinale Stammkräfte schonen.

Sotschi | Joachim Löw will jetzt mehr als nur sichten beim Confed Cup. Zunächst ist heute (um 17 Uhr beim ZDF) der Einzug ins Halbfinale das „absolute Ziel“ für den Bundestrainer und sein junges Perspektivteam. „Das wäre mehr, als man erwarten konnte“, sagte Löw gestern nach dem Abschlusstraining in Sotschi, das Emre Can vorzeitig abbrechen musste. „Er ist umgeknickt und im Rasen hängengeblieben“, berichtete der Bundestrainer. Cans Einsatz ist damit gefährdet.

Löw denkt aber auch schon weiter voraus. Im letzten Gruppenspiel müsse er darum „einen Spagat schaffen“. Einerseits werde die Partie gegen den Afrikameister, gegen den schon ein Remis zum Weiterkommen reicht, „kein Selbstläufer“, wie er mit betont lauter Stimme sagte. Dennoch müsse er bei der Personalauswahl auch schon die womöglich noch folgenden zwei Partien im Blick haben.

Darum plant Löw nach dem kraftraubenden 1:1 gegen Südamerikameister Chile, als er seine Elf um Kapitän Julian Draxler 90 Minuten durchspielen ließ, einen personellen Umbau. „Drei, vier, fünf Wechsel“ seien gut und gerne denkbar. Neben dem fraglichen Can, für den der Hoffenheimer Kerem Demirbay erstmals im Turnier auflaufen könnte, plant Löw eine Verschnaufpause für zwei jener Vielspieler, die zum Grundgerüst seines Confed-Cup-Teams zählen.

„Vielleicht muss der Julian Draxler auch mal pausieren. Oder vielleicht ist es auch mal gut, wenn ein Jonas Hector mal pausiert“, schilderte der Bundestrainer seine Überlegungen. Für den Kölner Hector würde er den international unerfahrenen Herthaner Marvin Plattenhardt auf der linken Seite auf den Platz schicken. Fix verkündete Löw zudem die Rückkehr von Antonio Rüdiger in die Abwehrreihe.

Offen ließ er, ob er die Torwartrotation mit dem Einsatz von Kevin Trapp fortführt oder sich schon gegen Kamerun auf einen ab sofort festen Turniertorhüter festlegt. Das wäre dann Marc-André ter Stegen, der auch gegen Chile gespielt hatte. Aufgegeben hat Löw längst die im Vorfeld geäußerte Absicht, allen 21 Spielern in seinem Kader möglichst viel Einsatzzeit zu geben. Der WM-Probelauf ist für ihn nicht mehr ausschließlich ein Sichtungs-Cup, sondern es geht auch um sportlichen Erfolg. „Der Konflikt ist immer da“, erklärte Löw: „Ich darf jetzt auch nicht zu viel verändern.“

Die Mannschaft will ebenfalls mehr, Einzelinteressen müssten hinten angestellt werden, sagte Leon Goretzka. „Es funktioniert leider nicht, dass alle auf dem Platz stehen“, sagte der Schalker. Am liebsten würden sogar alle im DFB-Tross noch Gruppenerster werden, um am kommenden Donnerstag auch das Halbfinale in Sotschi spielen zu können. Sonst wäre am Montag ein erneuter Umzug nach Kasan nötig.

„Jede Reise strengt an“, gab Löw zu bedenken, während Goretzka angesichts des Teamhotels an der Strandpromenade der Olympiastadt Sotschi scherzte: „Es ist nicht das Verkehrteste auf der Welt, wenn man beim Essen auf das Meer schauen kann.“ Der Gruppensieg wäre darum „der Optimalfall, aber über allem steht der Einzug ins Halbfinale.“ Ob als Erster oder Zweiter sei im Endeffekt „nebensächlich“, meinte Löw. „Egal“ wäre ihm auch der Gegner.

Erst mal aber wartet Kamerun. Der Afrikameister hatte zum Auftakt gegen Chile 0:2 verloren und kam gegen Australien nicht über ein 1:1 hinaus. „Kamerun hat nichts mehr zu verlieren. Für sie geht es gegen uns nur noch um einen Sieg“, sagte Löw. Und der Gegner sei speziell. „Die Kameruner lieben es, eins gegen eins zu spielen. Sie sind schnell und ausdauerfähig. Uns erwartet das laufintensivste und körperlich anstrengendste Spiel.“ Aus diesem Grund kehrt auch der körperlich robuste Rüdiger in die Mannschaft zurück.

Den physischen Kampf wird die deutsche Elf annehmen müssen. Goretzka rechnet zudem damit, dass man wieder mehr Ballbesitz haben werde als gegen Chile. „Wir werden versuchen, den Ball schnell laufen zu lassen, spielerische Lösungen zu finden und Tore zu schießen. Das ist der Plan“, sagte der Mittelfeldspieler.

Wenn das Konzept aufgeht, wird das junge Perspektivteam des Weltmeisters ins Halbfinale kommen und damit bis zum Ende des Turniers am 2. Juli dabei sein. Beim Confed Cup gibt es nicht nur das Finale in St. Petersburg, sondern auch noch ein Spiel um Platz drei in Moskau. Russlands Hauptstadt ist aber erst in einem Jahr Löws Lieblingsreiseziel: am 15. Juli 2018 zum WM-Endspiel.

zur Startseite

von
erstellt am 25.Jun.2017 | 11:25 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen