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Mitgliederversammlung : Der Kampf um jede Stimme beim HSV geht weiter

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die „HSVPlus“-Reformer müssen nach dem Teilerfolg bei der Mitgliederversammlung ein zweites Mal ihre Wähler mobilisieren. Chef-Aufseher Ertel kündigt Rückzug an

Als die Revolutionspläne am späten Abend doch noch einen Dämpfer erhielten, befand sich fast ein Drittel der HSV-Mitglieder bereits auf dem Heimweg. Verständlich, schließlich war der strahlende Sieger auf der insgesamt elfstündigen Mitgliederversammlung des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV ja schon zuvor gekürt worden – die Initiative „HSVPlus“ um Ernst-Otto Rieckhoff (Foto), die 79,4 Prozent der Stimmen auf sich vereinte. Im Anschluss an die Abstimmung über die Strukturreform scheiterten jedoch zwei Anträge zur Einführung der Fernwahl knapp an der nötigen Dreiviertelmehrheit. Was einen Rückschlag für „HSVPlus“ bedeutet – und was die Reformgegner im Congress Center Hamburg lautstark feierten.

Gut möglich, dass mancher „HSVPlus“-Anhänger sich nun ärgert, nicht zwei Stunden länger auf der von rund 7000 Mitgliedern besuchten Rekordversammlung ausgeharrt zu haben. Denn das Nein zur Fernwahl kann sich auf die Zukunft des sportlich und finanziell angeschlagenen Vereins auswirken.

Schließlich benötigt „HSVPlus“ nach dem Teilerfolg am Sonntag auf einer weiteren Mitgliederversammlung im Sommer eine Dreiviertelmehrheit, um die weitreichenden Strukturveränderungen (Auslagerung des Profifußballs in eine AG, Öffnung für Investoren, Verkleinerung des Aufsichtsrats) auch umsetzen zu können. Und die Chance auf ein positives Votum wäre durch die Fernwahl gestiegen – weil die „HSVPlus“-Befürworter aus ganz Europa kommen, während die Gegner hauptsächlich der „harten“ Hamburger Fanszene angehören.

An der Eindeutigkeit des „HSVPlus“-Triumphs besteht fürs Erste aber kein Zweifel. Rieckhoff und Co., die den Verein auch formal zu einem Konzern machen wollen, trafen den Nerv der Masse. Gutes Marketing, die Einbindung von Clubidolen wie Ditmar Jakobs, Horst Hrubesch oder Thomas von Heesen, der Verweis auf die zu erwartenden Millionen von Investor Klaus-Michael Kühne – der Plan ging auf. „Das ist eine sanfte Revolution und der größte Erfolg in meiner Funktion als Ehrenamtler“, sagte Rieckhoff. Auch Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow bekannte sich zu „HSVPlus“: „Über kurz oder lang muss die Ausgliederung kommen. Es ist richtig, dass wir uns jetzt ernsthaft damit beschäftigen.“

Unabhängig von Jarchows Position steht aber fest: Bis zum Showdown im Sommer wird es turbulent zugehen beim HSV, Befürworter und Gegner der Ausgliederung stehen sich weiter unversöhnlich gegenüber. Den ersten Aufreger gab es schon gestern: Aufsichtsratschef Manfred Ertel (Foto), der „HSVPlus“ ablehnt, kündigte an, sich von seinem Amt zurückzuziehen. Er werde im Januar nicht mehr für den Vorsitz kandidieren, wolle dem Aufsichtsrat aber erhalten bleiben, erklärte Ertel.

Rieckhoff und Co. kommen derweil nicht um eine weitere Wahlkampftour herum – nicht zuletzt, weil die Fernwahl abgelehnt wurde. Und bei allem Einsatz bleibt die Gefahr, dass „HSVPlus“ im Sommer die nötigen 75 Prozent verfehlt.

Tritt dies ein, sind die Folgen dramatisch. Denn weil alle Vorschläge der vier „HSVPlus“-Konkurrenten – darunter einige sinnvolle – abgelehnt wurden, gibt es keinen Plan B. Im Klartext: Fällt „HSVPlus“ durch, steht der Verein zehn Monate nach Beginn der Reformbewegungen immer noch mit exakt jener untauglichen und veralteten Satzung da, die nahezu alle HSVer abschaffen wollen.

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