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Spiel gegen Monaco abgesagt : Polizei zu Explosionen am Mannschaftsbus: Gezielter Angriff auf BVB-Team

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Hintergründe der Tat sind unklar. Nahe dem Tatort sei laut Staatsanwaltschaft ein Bekennerschreiben gefunden worden.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2017 | 20:06 Uhr

Dortmund | Nach der heimtückischen Sprengstoff-Attacke auf Borussia Dortmund und der Vertagung des Königsklassen-Duells mit Monaco geht die Suche nach den Hintergründen der Tat weiter. Die Polizei sprach vom Verdacht auf ein versuchtes Tötungsdelikt. Zudem werde ein mögliches Bekennerschreiben „intensiv“ auf seine Echtheit geprüft, sagte Staatsanwältin Sandra Lücke am späten Dienstagabend. Es werde in alle Richtungen ermittelt. Nach wie vor werde auch ein islamistischer Hintergrund nicht ausgeschlossen, wie die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch erfuhr. Auch seien gewaltbereite Fans oder andere Täter im Blick der Ermittler.

In einem nach Polizeiangaben gezielten Angriff auf das Dortmunder Team waren gegen 19.15 Uhr drei Sprengsätze neben dem Mannschaftsbus explodiert. Sie waren nach ersten Erkenntnissen der Ermittler in einer Hecke versteckt. Wer sie dort platziert habe und um welche Art von Sprengsätzen es sich gehandelt habe, sei aber noch unklar. Nach Einschätzung der Polizei seien sie durchaus gefährlich gewesen. „Nach ersten Erkenntnissen geht die Polizei von einem Angriff mit ernstzunehmenden Sprengsätzen aus“, teilten die Ermittler am Dienstagabend in einer Pressemitteilung mit. Ein weiterer verdächtiger Gegenstand, der in der Nähe des Tatorts gefunden wurde, war nach ersten Erkenntnissen kein scharfer Sprengsatz.

Unterdessen bereiteten sich beide Clubs auf das neu angesetzte Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League vor, das nun am Mittwoch um 18.45 Uhr stattfinden soll. Die Partie sei in den ersten Gesprächen der Spieler kein Thema gewesen, berichtete BVB-Pressesprecher Sascha Fligge.

Club-Präsident Reinhard Rauball sprach von einer „extrem schwierigen Situation“ für die Spieler, rechnet aber mit einem professionellen Umgang der Profis mit den Vorkommnissen. „Ich bin der Auffassung, dass die Spieler das wegstecken können und in der Lage sind, morgen ihre Leistung abzurufen“, sagt Rauball.

„Die ganze Mannschaft ist in einer gewissen Schockstarre. Wir müssen versuchen, das in irgendeiner Weise zu kanalisieren. Das wird nicht einfach, wir müssen morgen spielen. Solche Bilder bekommst du nicht aus dem Kopf raus“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

BVB-Profi Marc Bartra wird jedoch fehlen. Der Innenverteidiger wurde bei dem Vorfall schwer an der Hand verletzt und noch am Abend operiert.

Nach Angaben von Torhüter Roman Bürki sei Bartra von Splittern der zerbrochenen Scheiben verletzt worden. „Ich saß in der hintersten Reihe neben Marc Bartra, der von Splittern der zerborstenen Rückscheibe getroffen wurde“, sagte der Fußball-Profi von Borussia Dortmund der Schweizer Zeitung „Blick“. Der Verteidiger habe eine gebrochene Speiche und Splitter im Arm.

„Der Bus bog auf die Hauptstraße ein, als es einen Riesenknall gab - eine regelrechte Explosion“, erzählte Bürki. Dann hätten sich die Spieler geduckt und auf den Boden gelegt. „Wir wussten ja nicht, ob noch mehr passiert.“ Auch Trainer Thomas Tuchel habe die Attacke direkt mitbekommen, berichtete Watzke: „Thomas war natürlich auch geschockt, weil eine der Explosionen wohl direkt an seiner Seite stattgefunden hat.“

Auch ein Polizist wurde bei dem Anschlag verletzt. Der Mann fuhr auf einem Motorrad vor dem Bus, um ihn zum Stadion zu begleiten, wie ein Polizeisprecher am Mittwochmorgen sagte. Bei den drei Explosionen habe der Polizist ein Knalltrauma und einen Schock erlitten. Er sei deshalb nicht dienstfähig.

Der BVB erhielt Solidaritätsbekundungen aus der Sportwelt und der Politik. Der Verein twittert Genesungswünsche.

Der FC Barcelona twitterte: „Unsere ganze Unterstützung für @MarcBartra, @BVB und alle seine Fans“. Auch aus München kamen Nachrichten an die Kollegen im Westen. Bayern-Verteidiger Jérôme Boateng hoffte, dass „alle okay“, seien.

„Meine Gedanken sind bei der Mannschaft“, wurde Bundesinnenminister Thomas de Maiziere am Abend über den Twitter-Account seines Ministeriums zitiert. „Jetzt gilt es die Hintergründe aufzuklären. Ich hoffe, dass morgen wieder der Fußball im Mittelpunkt steht.“

Nach der Nachricht von den Explosionen skandierten die Monaco-Fans „Dortmund, Dortmund“.

Und die Solidarität war nicht einseitig: Monaco-Fans, die nach der Verlegung des Champions-League-Spiels in Dortmund übernachten mussten, konnten im Internet fündig werden.

 

Unter #bedforawayfans sollen Dortmunder posten, die einen Schlafplatz anbieten wollen - und die Anhänger des AS Monaco suchen, wie der BVB am Dienstagabend mitteilte. Viele Twitternutzer teilten den Aufruf des Vereins begeistert.

Stadionsprecher Norbert Dickel informierte am Dienstagabend die Fans vor Ort: „Es besteht jetzt hier im Stadion kein Grund zur Panik“, sagte Dickel, der von einem „gravierenden Zwischenfall“ sprach.

Borussia Dortmund hatte den Fans im Stadion empfohlen, zunächst dort zu bleiben. Außerdem sollten die Stadionbesucher Ruhe bewahren, „um eine geordnete Abreise zu gewährleisten“, schrieb der Verein bei Twitter.

Der dann organisiert gestartete Abzug der Fans aus Sicht der Polizei reibungslos verlaufen: „Das ist gestern mit sehr viel Ruhe abgelaufen, und das hat uns natürlich als Polizei und sicherlich auch dem Verein sehr geholfen“, sagte Nina Vogt, Sprecherin der Dortmunder Polizei, am Mittwochmorgen im ZDF. „Ich glaube, da können wir alle sagen, dass wir auf die Reaktionen gestern nur stolz sein können“, betonte sie.

 

Der BVB will den Wert der Karten, die nicht mehr gebraucht werden, ersetzen. Man bitte die Fans, die am Mittwoch nicht zur nachgeholten Partie könnten, ihre Karten auf dem offiziellen Ticket-Zweitmarkt von Borussia Dortmund unter www.bvb.de/tickets anzubieten, schrieb der Verein am Dienstagabend bei Twitter. Wer seine Karten nicht verkaufen könne, dem werde der Wert erstattet. „Dieses gilt sowohl für Dauer- als auch für Tageskarten.“ Wie genau die Erstattung ablaufen soll, will der BVB am Mittwoch von 15 Uhr an auf seiner Website erklären.

Nicht nur für die Profis, sondern auch für die Polizei wird die Partie zu einer besonderen Herausforderung. „Wir haben bereits Schutzmaßnahmen für Spieler beider Mannschaften eingeleitet. Auch das Stadion bleibt im Fokus der Polizei“, sagte der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange in einer kurzfristig anberaumtem Pressekonferenz kurz vor Mitternacht. Man bereite sich auf einen Großeinsatz vor. „Wir werden alles Menschenmögliche dafür tun, dass das Spiel morgen sicher ablaufen kann.“

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