Real Madrid im Halbfinale : Kein Wunder in Madrid: Ronaldo zerstört Juves Champions-League-Träume

Cristiano Ronaldo rettete Real Madrid den Halbfinaleinzug.
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Cristiano Ronaldo wurde der Held von Madrid.

Es war ein unglaublich dramatisches Spiel. Wieder war es Ronaldo, der sein Team doch noch ins Halbfinale schoss.

shz.de von
12. April 2018, 09:49 Uhr

Madrid | Cristiano Ronaldo ist für Real Madrid Gold wert. Obwohl der Weltfußballer in seinem 150. Spiel in der Fußball Champions League lange wirkungslos blieb, war der 33 Jahre alte Portugiese auch nach dem blamablen Auftritt der Königlichen im Viertelfinalrückspiel gegen Juventus Turin der Held des Abends.

Beim von niemandem erwarteten Zwischenstand von 0:3 trat „CR7“ in der siebten Minute der Nachspielzeit zum Elfmeter an, den Mehdi Benatia mit einem Foul an Lucas Vazquez verursacht hatte. Mit starken Nerven knallte Ronaldo den Ball in die rechte obere Ecke des Juve-Tores und ließ die 80.000 Fans auf den Tribünen ausflippen. Es war sein 120. Tor in der Königsklasse. „Wir haben lange Zeit gelitten“, gab Ronaldo nach dem Match am Mittwoch zu. Drei Minuten musste er auf die Ausführung des Elfmeters warten.

In schwere Bedrängnis hatte vor allen Juve-Stürmer Mario Mandzukic den Champions-League-Gewinner der vergangenen beiden Jahre gebracht. Der frühere Angreifer von Bayern München und dem VfL Wolfsburg brachte den Top-Favoriten mit seinen beiden Kopfball-Treffern in der 2. und 37. Minute ins Wanken, nachdem die Königlichen nach dem glatten 3:0 von Turin bereits wie der sichere Halbfinalist aussahen.

Ein Riesen-Patzer von Real-Torhüter Keylor Navas hatte Juventus dann dieses Ergebnis aus dem ersten Viertelfinalmatch egalisieren lassen. Der Nationalkeeper Costa Ricas ließ den Ball nach einer Flanke von Douglas Costa durch die Arme rutschen, so dass Blaise Matuidi das Leder über die Linie stochern konnte (61.).

Erst Schiedsrichter Michael Oliver aus England mit seinem Elfmeterpfiff und Ronaldo mit seiner Nervenstärke zerstörten Juves große Chance, als erste Mannschaft in der Geschichte der Champions League nach einer 0:3-Heim-Niederlage noch im Wettbewerb zu bleiben.

Für die 40 Jahre alte Torhüter-Legende Gianluigi Buffon endete sein wahrscheinlich letztes Spiel in der Königsklasse mit einer Riesenenttäuschung. Heftig gestikulierte er nach dem Elfmeterpfiff und schimpfte auf den Referee, so dass ihm Michael Oliver in der Nachspielzeit die Rote Karte zeigte und Buffon keine Chance hatte, das entscheidende Ronaldo-Tor zu verhindern.

„Dieser Unparteiische hat kein Herz. Stattdessen hat er einen Mülleimer“, sagte Buffon. Nur der Referee habe ein Foul gesehen. „Du musst Fingerspitzengefühl und ein Verständnis für wichtige Momente haben. Wenn du das nicht hast, hast du es nicht verdient, auf dem Platz zu stehen“, sagte Buffon dem TV-Sender „beIn Sports“. „Du kannst das nicht pfeifen.“

Real, Liverpool oder Rom? FC Bayern gespannt auf Halbfinalgegner

Bayern-Profi Franck Ribery (r.) beim Luftduell mit Sevillas Franco Damian Vazquez beim 0:0 im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League zwischen München und dem FC Sevilla.
Foto: Sven Hoppe
Bayern-Profi Franck Ribery (r.) beim Luftduell mit Sevillas Franco Damian Vazquez.
 

Arm in Arm ließen sich auch die erleichterten Bayern-Stars von ihren Fans feiern. Das 0:0 gegen den FC Sevilla reichte dem frisch gekürten deutschen Fußball-Meister für das sechste Champions-League-Halbfinale in sieben Jahren. Den letzten Gegner auf dem Weg ins Finale am 26. Mai in Kiew bekommen die Münchner am Freitagmittag zugelost. Real Madrid um Superstar Cristiano Ronaldo, der FC Liverpool mit Trainer Jürgen Klopp oder Königsklassen-Überraschung AS Rom lauten die möglichen Kontrahenten für die Spiele am 24./25. April und 1./2. Mai.

„Das sind drei mögliche Gegner, die sich absolut auf Topniveau bewegen“, sagte Trainer Jupp Heynckes und ergänzte: „Es sind schon Topmannschaften ausgeschieden wie Barcelona und ManCity. Und daran sieht man schon, dass man nicht von vorne herein schon das Fell des Bären verteilen kann. Es sind immer wieder Überraschungen da.“

Einen Wunschgegner für die Runde der letzten Vier mochte keiner beim FC Bayern benennen. „Rom hat gezeigt, dass es total stark spielen kann. Deswegen gibt es in dieser Gruppe von vier Mannschaften keine schwache mehr. Jetzt gibt es keinen Gegner, von dem man sagen könnte, der ist leicht zu schlagen“, sagte Präsident Uli Hoeneß.

Dass die Münchner eine Woche nach dem 2:1 von einer Überraschung verschont blieben, schrieb Heynckes einer „überragenden kämpferischen Leistung“ zu. Gegen den taktisch gut eingestellten Gegner mühten sich die Bayern an einem zähen Königsklassenabend. „Man kann nicht immer brillant spielen, nicht immer den Gegner an die Wand spielen“, sagte Heynckes. „Wir mussten zu null spielen. Das haben wir gemacht. In der Champions League muss man immer eine Topleistung bringen“, sagte Arjen Robben.

Der 72-jährige Heynckes ist wenige Wochen vor seinem Abschied auf dem besten Weg, auch in seiner vierten Champions-League-Saison das Finale zu erreichen. „Wir haben natürlich Ambitionen. Wir haben den Ehrgeiz, ins Endspiel zu kommen“, sagte Heynckes. Das Ende seiner Rekordserie nach zwölf Siegen am Stück in der Königsklasse konnte der Tripletrainer von 2013 am Mittwochabend verschmerzen.

Weitaus wichtiger war Heynckes, dass Franck Ribéry, Robert Lewandowski, Jérôme Boateng, Joshua Kimmich sowie die nicht eingesetzten Corentin Tolisso und Sebastian Rudy ohne weitere Gelbe Karte davon gekommen waren. „Man kann solch ein Spiel absolut top zu Ende bringen ohne Gelbe Karte“, sagte Heynckes. Gut für die Bayern: Vor dem Halbfinale werden die Verwarnungen nun gelöscht.

Vier Tage nach dem Gewinn der 28. deutschen Meisterschaft bleiben die Münchner in einem weiteren Wettbewerb im Titelrennen. „Halbfinale. Noch drei weitere Spiele sind zu gewinnen“, frohlockte Weltmeister Mats Hummels nach dem Kraftakt vor 70.000 Zuschauern. Im DFB-Pokal streben die Münchner in einer Woche in Leverkusen den Finaleinzug an.

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