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Fussball-Champions-League : Julian Draxler lässt Wolfsburg jubeln, wieder Pleite für Gladbach

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Welch ein Einstand für Wolfsburgs Neuzugang gegen ZSKA Moskau – und welch ein Fehlstart für Borussia Mönchengladbach gegen Sevilla.

shz.de von
erstellt am 16.Sep.2015 | 08:27 Uhr

Wolfsburg/Sevilla | 35-Millionen-Mann Julian Draxler hat dem VfL Wolfsburg nach sechs Jahren ein erfolgreiches Comeback auf der Champions-League-Bühne beschert. Der Nachfolger von Kevin De Bruyne führte am Dienstag bei seiner Heimpremiere die Niedersachsen mit dem Siegtor und einer starken Leistung zum 1:0 (1:0) gegen den russischen Spitzenreiter ZSKA Moskau. Borussia Mönchengladbach hingegen rutscht immer tiefer in die Krise. Nach vier Niederlagen in der Bundesliga in Serie unterlagen die Gladbacher beim ersten Auftritt in der europäischen Königsklasse seit 37 Jahren dem FC Sevilla am Dienstag mit 0:3 (0:0).

Mit dem Auftaktsieg hat der VfL Wolfsburg den ersten Schritt in Richtung Minimalziel Achtelfinale gemacht und sich vor der schweren Aufgabe beim englischen Fußball-Rekordmeister Manchester United und Bastian Schweinsteiger in zwei Wochen eine gute Ausgangsposition verschafft.

Großen Anteil am Startsieg in der Königsklasse hatte vor der enttäuschenden Kulisse von nur 20.126 Zuschauern insbesondere Draxler. Im Gegensatz zu seinem Debüt am Wochenende in Ingolstadt (0:0) zeigte der Club-Rekordeinkauf auf seiner Lieblingsposition im zentralen Mittelfeld sein Potenzial, was mit dem Führungstor in der 40. Minute auch belohnt wurde.

„Das war ein sehr guter Auftakt. Diese Spiele muss man gewinnen. Wir haben es sicher schon brillanter hinbekommen, aber heute zählte nur das Ergebnis“, sagte VfL-Manager Klaus Allofs, der sich aber zur Beruhigung einen zweiten Treffer gewünscht hätte. „Wir haben unsere Chancen schlecht verwertet. Es ist noch nicht die Sicherheit da, die du in solchen Situationen brauchst.“ Gegen eine tief stehende ZSKA-Mannschaft erspielte sich der VfL ein deutliches Übergewicht, hatte hohe Ballbesitzanteile - nur die Chancenverwertung war noch ausbaufähig. So scheiterte der oftmals unglücklich agierende Weltmeister Andre Schürrle mit einem Schuss aus halblinker Position an Russlands Nationalkeeper Igor Akinfejew (25.).

Spätestens in der 37. Minute hätte aber Daniel Caligiuri für die Führung sorgen müssen, als er nach einem langen Pass von Ricardo Rodriguez frei vor Akinfejew stand, mit seinem Torabschluss aber viel zu lange zögerte. So war es Draxler, der für die längst überfällige Führung sorgte. Der Ex-Schalker leitete den Angriff selbst ein, ehe er nach Flanke von Max Kruse per Kopf erst scheiterte, den Abpraller dann aber zur Führung über die Linie drückte.

Trainer Dieter Hecking, der seine Champions-League-Premiere feierte, hatte bereits mit der Aufstellung die Richtung vorgegeben. Der Coach hatte einen zweiten Sechser in Person von Joshua Guilavogui geopfert und dafür Kruse ins Team gebracht. Die Umstellung zahlte sich aus. Der Neuzugang aus Gladbach ging viele Wege und war an einigen Torszenen beteiligt. So wie in der 49. Minute, als er auf den eingewechselten Nicklas Bendtner flankte. Der Däne konnte den Ball aber ebenso wie eine Minute zuvor Caligiuri nicht im Tor unterbringen.

Und die Russen? Die in der Liga noch ungeschlagene Mannschaft von Leonid Sluzki lieferte eine biedere Vorstellung ab und präsentierte sich offensiv äußerst harmlos. So war VfL-Torhüter Diego Benaglio nahezu beschäftigungslos. Der Schweizer ist neben Marcel Schäfer, der auf der Bank saß, der einzige Spieler aus der 2009-er Mannschaft, die letztmals in der Champions League spielte. Exakt vor sechs Jahren waren die Wolfsburger ebenfalls mit einem Sieg (3:1) gestartet.

Diesmal machten sich die Wolfsburger das Leben aber selbst schwer. Sorglos agierte der DFB-Pokalsieger in der zweiten Halbzeit und machte viel zu wenig aus den sich bietenden Freiräumen, nachdem die Russen ihre Defensivhaltung ablegten. Es reichte aber trotzdem.

Bei der 0:3-Niederlage von Borussia Mönchengladbach gegen den FVC Sevilla konnten es sich die Spanier sogar leisten, einen ihrer drei Foulstrafstöße zu verschießen. Vor 42.000 Zuschauern trafen nach der Pause der Franzose Kévin Gameiro (47. Minute) und der Argentinier Éver Banega (66.) für den Europa-League-Sieger von 2014 und 2015 vom Punkt. Der eingewechselte Ukrainer Jewgen Konopljanka machte die am Ende verdiente Niederlage der Gäste perfekt (84.).

In dem intensiven Duell agierte die Mannschaft von Trainer Lucien Favre gegen die Andalusier in der Defensive nur anfangs besser als zuletzt in der Liga. Vor dem 0:1 hatte Gladbachs Schweizer Torhüter Yann Sommer bei einer riskanten Abwehr im Fünfer den Spanier Vitolo am Schienbein berührt - der tschechische Schiedsrichter Pavel Kralovec entschied trotz aller Proteste auf Strafstoß.

Nach nur drei Minuten stand Gameiro wieder am Punkt, knallte den Ball diesmal aber an die Latte. Roel Browers hatte zuvor Vitolo umgesenst - ein glasklarer Elfer. Vor dem 0:2 foulte Tony Jantschke Gameiro, für den nach 70 Minuten der frühere Dortmunder Ciro Immobile kam. Sommer musste gegen den Italiener später Kopf und Kragen riskieren (82.).

Nach dem 2:0 kochte die andalusische Stimmung so richtig hoch, vom Anpfiff an herrschte im Stadion ein ohrenbetäubender Lärm. Sevilla machte in dem Hexenkessel sofort das Spiel - und hätte schon nach knapp fünf Minuten in Führung gehen müssen: Nach einer schönen Kombination traf Vitolo aber nur den Pfosten, den Abpraller kickte Kapitän José Antonio Reyes über die Latte. Im Gegenzug war plötzlich Gladbach vor dem Tor erstmals gefährlich: Beim Kopfball von Roel Brouwers nach Traoré-Freistoß fehlte nicht viel (6.).

Favre setzte auf Routine und ließ die jungen Spieler draußen. Nach der 0:3-Pleite gegen den HSV gab es letztlich nur eine personelle Veränderung: Ibrahima Traoré kam für den verletzten Martin Stranzl.

Mit seinen Positionswechseln bewies der Schweizer Coach ein gutes Händchen. Jantschke rückte wieder in die Innenverteidigung, Lars Stindl und Havard Nordtveit bildeten erstmals die Doppelsechs. Der Schweizer Granit Xhaka fehlte wegen einer Gelb-Rot-Sperre.

Doch Gladbach stand zunächst defensiv besser als zuletzt, wirkte konzentrierter, engagierter und zweikampfstärker - und versteckte sich in der intensiven Partie keineswegs. Der emsige Traoré versuchte sein Glück mit einem straffen Schuss aus 15 Metern aber vergeblich (16.). Doch schon nach 20 Minuten überließ der Bundesligist den Spaniern die Initiative. Und die Mannschaft von Trainer Unai Emery drückte mit aller Macht auf das 1:0, die Gäste kam aus ihrer Hälfte kaum noch heraus.

Nach Flanke von Routinier Reyes, der mit 32 Jahren sein 90. Europapokalspiel bestritt, landete der Hechtkopfball von Kévin Gameiro am Außennetz (30.). Fünf Minuten später hämmerte der Franzose den Ball volley knapp über die Latte. Wie durch ein Wunder überstand Gladbach dieses Powerplay bis zur Pause ohne Gegentor. „Da haben wir ein paar Mal Glück gehabt“, meinte der frühere Gladbach-Star Rainer Bonhof nach der ersten Halbzeit.

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